Landwirtschaft

Ende der Sowjetunion hatte drastischere Folgen als Tschernobyl-Katastrophe

7. Jänner 2012, 19:36
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    foto: hostert et. al 2011

    Stilllegung und Rekultivierung landwirtschaftlicher Fläche in der Tschernobylregion zwischen 1986 und 2006 in der ukrainisch-weißrussischen Grenzregion.

Zusammenbruch der UdSSR wirkte sich in vergleichbarem Ausmaß auf Stilllegung landwirtschaftlicher Flächen aus

Das Ende der Sowjetunion hat sich insgesamt drastischer auf die Landwirtschaft ausgewirkt als das Reaktorunglück von Tschernobyl. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die vor kurzem in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Environmental Research Letters" veröffentlicht wurde. Mit Hilfe von Satellitendaten untersuchten die Autoren die Grenzregion von Weißrussland und der Ukraine in einem Radius von 80 Kilometern um den Reaktor von Tschernobyl. Sie verglichen die Effekte der Tschernobylkatastophe nach der Kernschmelze (1986-1992) mit denen der Transformation in Weißrussland und der Ukraine nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion (1992-1999-2006).

Nach dem Reaktorunglück 1986 wurde die Bevölkerung aus Gebieten evakuiert, die in hohem Maße mit radioaktivem Cäsium 137 belastet waren. Der Studie zufolge wurden bis 1992 in einem Umkreis von 30 Kilometern um den Reaktor in Weißrussland und in der Ukraine etwa zwei Drittel der landwirtschaftlichen Flächen stillgelegt. Weit niedriger war der Anteil stillgelegter Flächen im weiteren Umkreis, wo die Umsiedlung nicht vorgeschrieben war: 24,9 Prozent in Weißrussland und 23 Prozent in der Ukraine.

Überraschender Befund

Insgesamt wurden nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion mehr Flächen stillgelegt (36 Prozent) als nach der Tschernobylkatastrophe. Besonders hoch waren die Stilllegungsraten in den ersten zehn Jahren nach dem Zusammenbruch. "Wir hatten natürlich erwartet, dass radioaktiv kontaminierte landwirtschaftliche Flächen auf beiden Seiten der Grenze nicht mehr genutzt werden. Aber dass die Stilllegungsraten nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion genauso hoch bzw. im Falle der Ukraine sogar höher waren als nach dem Reaktorunglück, hat uns wirklich überrascht", kommentiert Alexander V. Prishchepov, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Leibniz-Institut für Agrarentwicklung in Mittel- und Osteuropa (IAMO), der an der Studie mitgearbeitet hat. "In der Sowjetära wurden auch schon Flächen stillgelegt, das war uns bekannt. Aber der Systemzusammenbruch brachte eine ganz andere Dynamik mit sich, das Ausmaß der Stilllegungen war viel größer als zuvor." (red)

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12 Postings
Friedman Tobin
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Empirisch kann man die Stilllegung auch schon 60km östlich von Wien beobachten. Und sie wird von Jahr zu Jahr schlimmer. Eine Meisterleistung der menschlichen Geschichte.

fred bull
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bezüglich ende der sowjetunion eine anmerkung

wie emmanuel todd richtig geschrieben hat, hat die "russische zentrale" weder damals in der 2. jahreshälfte 1991 noch später militärisch etwas gegen den auseinanderfall der sowjetunion unternommen, obwohl russische minderheiten (die zT auch auf frühere zeiten als den beginn der SU zurückgehen) in allen 14 anderen republiken vorhanden waren (bes. in kasaschstan u. ukraine). in jugoslawien hat die serbische zentrale ihre aggressionen mit der existenz serb. minderheiten in and. republiken begründet (nur anfangs spielte der wille zum erhalt von YU eine rolle). die intervention im baltikum anfang '91 war ein klacks gegen das was hier möglich gewesen wäre.

Chris Quast
10

die intervention im baltikum anfang '91 war ein klacks gegen das was hier möglich gewesen wäre.

ja vielleicht eben deshalb, weil ein viel fronten(bürger)krieg nicht zu gewinnen war. rußland war ja schon fast mit tschetschenien überfordert.

papst benedikt
00

der erste tschetschenienkrieg begann aber erst ende 1994.
welcher viel fronten(bürger)krieg könnte also gemeint sein?

wizenstain
25

interessant zu wissen wäre: welche drastischen folgen hatte der beginn der Sowjetunion für die landwirtschaftlichen flächen

F S 3
05
Na da wäre etwa die Ausrottung von 10+ Mill. Ukrainern durch den Hungertod ("Holodomor"), als das Stalinregime 1932 eine ähnliche "Idee" hatte, wie die Berater des heutigen Potus der "UdSSA" erst neulich aufs legislative Tablett brachten…

…Der "Food Safty Modernization Act (Senatsvorl.S 510)":
http://derstandard.at/plink/132... 2/24316422

"…the most offensive authority against the cultivation, trade and consumption of food and agricultural products of one's choice. It will be unconstitutional and contrary to natural law or, if you like, the will of God." (Dr. Shiv Chopra)

Die GESAMTE NAHRUNGSKETTE stünde damit unter der Authorität des DHS (='omeland Sekkirity).

Weiters würde die diesbez.Souveränität eines jeden amerikanischen Staatsbürgers an die WTO und den Codex Alimentarius abgegeben werden, wie auch die *Aufbewahrung von Saatgut* zu einem kriminellen Akt mutieren würde.

Abgesehen von einem mandatorisch, neuen Papierkrieg, der auf die Farmer zukäme.

wizenstain
11
nicht jede kontrolle führt in den untergang:

es ist zu unterscheiden zwischen
saatkontrolle (- ob das saatgut gesundsheitsschädlich ist)

und

saatkontrolle (totalitärer saatgut-entzug mit industrieller tötungsabsicht)

hier ein link, der nicht in die irre führt:

http://www.fda.gov/Food/Food... 239907.htm

papst benedikt
11

es waren zwischen 3 und 3,5 millionen ukrainer, der rest der opfer waren menschen in anderen teilen der sowjetunion.
alles in allem waren es ungefähr 10 millionen opfer.

Standard Leser4
 
20

Sie verschweigen die richtige Opferzahl, warum ? sind Sie nun auch Anhaenger von Stalin, und d die
Westukraine damals bei P o l e n war, dort gab es bekanntlich keinen Holodomor.

readymate
01
"Tragödie eines Volkes"

von Orlando Figes, da können S' dazu einiges nachlesen...!

.

t 3
 
05
was man nicht alles vergleichen kann -

sagenhaft; ich hoffe aber doch, dass durch den zusammenbruch der udssr nicht ganze landstriche radioaktiv kontaminiert wurden...

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