Zwei Spezies, die einander schaden könnten, profitieren von gemischten Brutkolonien
London - Einen Raubvogel möchte man nicht unbedingt als Nachbarn haben, wenn man selbst ein Singvogel ist. Und umgekehrt müsste der Raubvogel sich eigentlich hüten, wenn es sich bei besagtem Singvogel um einen räuberischen Allesfresser handelt, der ihm durchaus die Eier aus dem Gelege stehlen könnte. Dennoch sind der Rötelfalke und die Dohle im Süden Italiens eine Art Bündnis eingegangen, wie die BBC berichtete. Oder zumindest haben sie einen Waffenstillstand zum beiderseitigen Vorteil geschlossen.
Beide Spezies brüten in Kolonien. Forscher der Universitäten von Palermo und Manitoba konnten im Rahmen einer Studie auf Sizilien aber feststellen, dass die beiden Vogelarten auffällig oft in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander bzw. sogar bunt durchmischt brüten - besonders beliebte Plätze für Brutkolonien sind landwirtschaftliche Gebäude inmitten von Getreidefeldern. Diese Koexistenz kommt zu oft vor, als dass es sich um einen bloßen Zufall handeln dürfte. Daher gingen die Forscher um Daniela Campobello der Frage nach, welchen Nutzen die Tiere aus ihrem Waffenstillstand ziehen könnten.
Vier Augen sehen mehr als zwei
Aus dem Verhalten der Vögel in solchen gemischten Kolonien schlossen sie schließlich auf die Antwort: Offenbar sichern sich die beiden Spezies auf diese Weise gegen andere Raubtiere ab und profitieren von der Wachsamkeit ihrer Nachbarn. Da beide Vogelarten Patrouillenflüge durchführen, reduziert sich für jede einzelne die Anzahl solcher Wachgänge. Zugleich mussten Vogeleltern weniger Zeit dafür aufwenden, das eigene Nest zu hüten, und konnten stattdessen auf Nahrungssuche gehen. Sowohl für Falken als auch Dohlen bedeutet das eine wichtige Energieersparnis.
Als nächstes wollen die Forscher der Frage nachgehen, ob solche gemischten Kolonien eine höhere Nachwuchsrate hervorbringen. Campobello weist darauf hin, dass der Faktor Koexistenz in die Artenschutzbemühungen miteinbezogen werden muss. Von Bedeutung ist dies insbesondere für den gefährdeten Rötelfalken, dessen Bestand in den vergangenen 50 Jahren stark eingebrochen ist. (red)