Eigentlich müsste es eine ähnliche Feldstärke entwickeln wie das irdische - ist aber in Wirklichkeit 150 Mal schwächer
Braunschweig - Merkur mag eher dem Mond als der Erde ähneln und mit seinen knapp 4.900 Kilometern Durchmesser kleiner sein als der Jupitermond Ganymed und der Saturnmond Titan. Dennoch handelt es sich bei ihm einen der sogenannten erdähnlichen Planeten. Und wie die Erde besitzt er ein globales Magnetfeld, das jedoch etwa 150 Mal schwächer ausgebildet ist. Den Grund dafür haben deutsche Forscher im Sonnenwind gefunden, wie die Technische Universität Braunschweig berichtet.
Planetare Magnetfelder werden durch Strömungen in den heißen, flüssigen
Eisenkernen von Gesteinsplaneten erzeugt. Nach den
Standardmodellen sollte der Dynamoeffekt in den Metallkernen von Erde und Merkur ähnliche Feldstärken erzeugen. Dass dies keineswegs der Fall ist, sehen die Forscher um Karl-Heinz Glaßmeier von der Technischen Universität Braunschweig darin begründet, dass Merkur mit einem mittleren Sonnenabstand
von nur rund einem Drittel des Erdabstandes den Partikeln
des Sonnenwinds besonders stark ausgesetzt ist. "Wir müssen uns klarmachen, dass Merkur mit dem ihn umgebenden
Sonnenwind eine enge Wechselwirkung eingeht", sagt Daniel Heyner,
Erstautor der in "Science" erschienenen Studie. Das führe zu starken elektrischen Strömen in der
Magnetosphäre des Planeten, deren Magnetfelder dem inneren Dynamoprozess
entgegenwirken.
Neue Computermodelle zeigen, dass ein auf diese Weise
rückgekoppelter Dynamo tatsächlich möglich ist. "Derartige Simulationen
des Dynamoprozesses sind die einzige Möglichkeit, gewissermaßen in den
Eisenkern hineinzuschauen und Vorhersagen zur Stärke und Struktur des
Magnetfeldes zu machen", sagt Johannes Wicht vom Max-Planck-Institut für
Sonnensystemforschung, der mit seinem Modell wesentlich zu den
Ergebnissen der Studie beigetragen hat. Die Ergebnisse zeigen eindeutig,
dass die Rückkopplung letztlich zu dem schwachen Magnetfeld führt: "Der Dynamoprozess im Merkurinnern wird durch die Wechselwirkung fast im
Keim erstickt." (red)