"Ich befürchte, wir müssen gehen"

Abschiedsbrief des Südpolbezwingers Scott wird versteigert

26. Dezember 2011, 18:59

Genau hundert Jahre nach seiner Expedition - Geschätzter Erlös von 180.000 Euro

London - Ein historisches hundert Jahre altes Dokument soll im kommenden Jahr unter den Hammer kommen: Das Auktionshaus Bonhams will den Abschiedsbrief des britischen Polarforschers Robert Falcon Scott, geschrieben im Angesicht des herannahenden Todes im ewigen Eis, in Großbritannien versteigern.

Scott schrieb den Brief an seinen Geldgeber Edgar Speyer im März 1912, gefunden wurde er im November desselben Jahres auf seiner Leiche. "Ich befürchte, wir müssen gehen (...) Aber wir waren am Pol und wir werden wie Ehrenmänner sterben. Ich bedauere das nur für die Frauen, die wir zurücklassen", heißt es in dem Brief.

Scott hatte mit seiner Expedition im Jänner 1912 den Südpol erreicht. Das Auktionshaus Bonhams teilte mit, der Brief werde im März 2012 versteigert - am 100. Jahrestag der Expedition. Gerechnet wird mit einem Erlös von etwa 150.000 Pfund (fast 180.000 Euro). (APA, red)

Kommentar posten
11 Postings
Magic Washroom
22
27.12.2011, 15:56

wenn ein abschiedsbrief von einem südpolbezwinger 180.000 bringt, was ist dann mit einer email von wem der wissenswertes aus dem wikipedia-eintag zum südpol zitieren kann und sogar noch ein paar bilder mitliefert (das kann der brief des herr südpolbezwinger sicher nicht)?

sagen wir: 18 €? ich kann dafür mehrere email verschicken, auch eine million wenns sein muss, möchte aber vorkassa haben.

;-)

Al Borland
05
27.12.2011, 08:37

Auch eine bemerkenswerte Anekdote dieser Expedition:

http://en.wikipedia.org/wiki/Lawrence_Oates

Nick Tameer
11
27.12.2011, 20:45

Ich frage mich, was diese Männer dazu getrieben hat, sich in ein so gefährliches Abenteuer zu stürzen, von dem eigentlich außer dem Ruhm es getan zu haben - dem eigenen und dem des Vaterlands - weiter nichts zu erwarten war. Im Grunde genommen hat es etwas sehr Nihilistisches. 1912 das war zwei Jahre vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs in den sich dann vielleicht alle, die Kriegsdienst leisten mussten, aber doch ziemlich viele davon (zunächst) freudig stürzten.

kibi
00
30.12.2011, 13:54
kein nihilismus

eher neugier, begeisterung, risikobereitschaft - alles was den menschen auszeichnet, das geheimis seines "erfolges". ruhm ist da eher nebensache. jeder, der mal über die grenzen seiner leistungsfähigkeit gegangen ist um ein ziel zu erreichen, wandelt auf den spuren dieser männer. manchmal gehts schief - das liegt in der natur der sache.

Nick Tameer
00
30.12.2011, 21:38

Ich kann eine Conquistadoren-Mentalität nachvollziehen, die sich sich in ungewisse Abenteuer stürzt, um das (oder den) wunderbare(n) El Dorado nebst unermesslichen Reichtümern zu finden, aber Scott und seine Männer wussten, dass sie auf dem Weg zu einem eher abstrakten Punkt auf nichts als eine riesige Eiswüste treffen würde, die sie dann auf dem Rückweg ein weiteres Mal durchqueren müssten. Eine moderne Suche nach der Grenzerfahrung an sich (sie inzwischen schon wieder ein wenig démodé und hatte ihre Blütezeit also vermutlich eher in der sog. Postmoderne) würde ich ihnen nicht einmal ohne Weiteres unterstellen.

Trurl
00
30.12.2011, 14:34

Die Kunst dabei ist es, die eigenen Grenzen eben nicht zu überschreiten sonder nur auszuloten (was natürlich gewaltig daneben gehen kann).
"Neugier, Begeisterung, Risikobereitschaft" sind wesentliche Eigenschaften des Homo sapiens, machen aber nur dann Sinn, wenn der Erforscher/Entdecker auch noch in der Lage ist von seinen neuen Erkenntnissen zu berichten.

kibi
00
30.12.2011, 16:36
totale kontrolle ist eine illusion.

wer nur grenzen "auslotet", kann sie nicht ausweiten. hätte nie jemand eigene grenzen überschritten, würden wir noch in höhlen wohnen. und das mit dem sinn ist so eine sache: sinn für wen? für das handelnde individuum? für die gesellschaft? auf kurze oder lange sicht? mit welchem ziel?

und dann kommt noch eines dazu bei grenzgängen, von dem noch gar nicht die rede war: der zufall - "glück oder pech"... entscheidend aber ist der wille und der versuch des scheinbar unmöglichen - und das ist sinn pur, für den, der es riskiert - im moment des ereignisses selber.

Nick Tameer
00
30.12.2011, 21:51

Der Weg aus der Höhle in die moderne Kultur hat hat zwar irgendwie Grenzen überschritten und erweitert, aber nicht in Form gezielter Suche nach gewaltigen Anstregnungen bis an die Grenze der physischen und psychischen Belastbarkeit. Abenteuerlust spielte eine Rolle, aber insgesamt eine recht untergeordnete.

Trurl
00
30.12.2011, 17:28

Beim zweiten Absatz kann ich Ihnen nur voll und ganz zustimmen!

Beim ersten Absatz habe ich eher Schwierigkeiten:
Die Überschrift passt imho, aber den Rest kann ich nicht ganz nachvollziehen!?
Man kann (seine eigene) Grenze natürlich nur "ausloten" und gegebenenfalls sogar erweitern, aber nicht (erfolgreich) überschreiten.

kibi
00
20.1.2012, 21:43

man überschreitet die eigenen grenzen dort, wo man sich dem zufall überantwortet und die illusion von kontrolle aufgibt. genau dort, wo man aus dem bauch heraus handelt - auch gegen die vernunft - weil man aus irgendeinem grund oder aus einer vision heraus überzeugt ist, es zu schaffen.

baroli
03
26.12.2011, 19:52

Dazu fällt mir einer der beeindruckendsten Filme meiner Kindheit ein, "Scotts letzte Fahrt".

Der wurde jedesmal gespielt, wenn seinerzeit in unserem Flohkino die aktuelle Filmrolle nicht rechtzeitig eingetroffen ist.
Ich bin dadurch so an die 7 oder 8 Mal mit Scott am Südpol gewesen.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.