Wider die Verklärung

Neues Berliner DDR-Museum zum Alltag in der SED-Diktatur

20. Dezember 2011, 14:50
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    foto: apa/rainer jensen

    Ein Jugendmode-Plakat aus der früheren DDR. 2013 soll in Berlin ein neues Museum zum Alltagsleben in der SED-Diktatur seine Pforten öffnen.

Historische Ausstellung auf 600 Quadratmetern soll frühestens im Sommer 2013 eröffnet werden

Berlin - Berlin plant ein neues Museum über den Alltag in der DDR. Das Haus auf dem Gelände der Kulturbrauerei soll frühestens im Sommer 2013 eröffnet werden. Auf 600 Quadratmetern erhalten dann die Besucher Einblicke in das Leben in der DDR. Die Schau stützt sich dabei in Teilen auf die mit 160.000 Objekten riesige Sammlung Industrielle Gestaltung - sie reicht vom Auto bis zum Eierlöffel.

Gegen den "Verklärungstrend"

Der Eintritt im Ableger des Hauses der Geschichte (Bonn) wird frei sein. Der Arbeitstitel für das Projekt lautet "Alltag in der SED-Diktatur". Den Machern ist der historische Ansatz wichtig. Es gehe auch darum, dem "Verklärungstrend" entgegenzuwirken, erklärte Koordinator Mike Lukasch. Der Mietvertrag wurde im Sommer 2011 abgeschlossen und reicht über zehn Jahre, mit Verlängerungsoption.

Das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland hatte bereits im September im "Tränenpalast" am Bahnhof Friedrichstraße eine Ausstellung eröffnet, dort geht es um die deutsch-deutsche Teilung. In Berlin gibt es auch privat finanzierte Ausstellungen, die sich mit der deutschen Geschichte befassen; darunter das "DDR Museum" nahe dem Dom. (APA, red)

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Posting 1 bis 25 von 87
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vunkenvlug
 
01
28.12.2011, 15:26
40 jahre frieden

sind tatsache, keine verklärung.
ein weihnachtsgottesdienst aus Kundus (DLF) wäre bis 1990 unvorstellbar gewesen.

Timagoras
 
00
22.12.2011, 15:35

übrigens gibt's im thüringischen Apolda (nicht gerade ein tourismus-magnet, ich weiß) ein nettes ddr-museum:
http://www.olle-ddr.de/contact.html

wer mal im nahe gelegenen Weimar station macht und zu viel zeit hat, sollte da vorbeischauen.

erebos
24
21.12.2011, 12:43
"Es gehe auch darum, dem "Verklärungstrend" entgegenzuwirken"

Schön wäre gewesen, dem Zerstörungs-, Totschweige- und Vergessenmachen "Trend" Nach der Wende entgegengewirkt zu haben.
Es ist keine Verklärung, wenn Leute sagen, daß garnicht alles so schlecht war. Ganz im gegenteil, einiges sogar viel besser, was man durchaus hätte übernehmen sollen und können.
Schon das das der Grundtenor der Ausstellung sein sollt lässt nicht viel Gutes erahnen.

Timagoras
 
40
22.12.2011, 15:38
"Ganz im gegenteil, einiges sogar viel besser"

.
und was soll das - abgesehen vom grünen abbiegepfeil und von den ampelmännchen - gewesen sein?
ich bin sehr oft in Ostdeutschland und kenne sehr viele menschen dort, aber keiner sehnt sich wirklich nach irgendetwas aus der zeit zurück (wenn man von einzelnen nostalgischen kindheitserinnerungen absieht, aber die haben viele menschen "im westen" auch, und trotzdem wünscht sich niemand mehr die zustände 50er oder 60er-jahre zurück).

erebos
01
23.12.2011, 21:27

Sie haben nichtnverstanden, wovon gesprochen wird. Kaum jemand wünscht sich die DDR zurück aber einige Dinge waren tatsächlich garnicht schlecht. Dinge, die man jetzt zum Teil mit grossem TamTam neu erfindet. Ganztagskinderbetreuung z.B. und damit auch die bessere Gleichberechtigung für Frauen und deren Karrierechancen. Die geringere Bedeutung von Geld, Statussymbolen und Wohlstand und ein Gemeinschaftsgefühl, Nachbarschaftshilfe, etc. sind Dinge, die einige nennen. Die soziale Sicherheit, die es druch die Garantie, eine Arbeit zu haben gab. Sinnvolle Untersuchungen darüber und über die Adaptierbarkeit wären angebracht, forciert wurde hauptsächlich Verdrängung und Vergessenmachen.

Liberaler Atheist
53
21.12.2011, 13:08

Sie betreiben genau die Verklärung, gegen die hoffentlich angegangen wird. Ich weiß es von Besuchern direkt nahc der Wende. Deren Mini-Wohnungen pfiffen aus dem letzten Loch, das Essen war ein Einheitsbrei, und mein damaliges immer-noch-Vierteltelefon wurde als Weltwunder bestaunt. Abgesehen davon, dass alle in ihrem Land oder im Ostblock richtiggehend eingesperrt waren.

erebos
01
22.12.2011, 09:49

ich bin dort aufgewachsen und das was sie hier erzählen ist die eigentliche negativ-verklärung, gegen die ebenso angegangen werden sollte.

egal9
23
21.12.2011, 15:55

Sorry, aber das ist einfach nur grober Unfug.

Die kulinarische Vielfalt war tatsächlich nicht berauschend, dafür war aber auch niemand auf Lebensmittlel-Spenden angewiesen.

Und zu den Wohnungen:
Googlen Sie mal den Begriff Gentrifizierung. Ganze Bevölkerungsgruppen werden aus ihren alten Vierteln vertrieben und an den Stadtrand vertrieben.
In der DDR war so was unvorstellbar.

Thank God I'm A Country Boy
10
23.12.2011, 11:04

in der DDr wurden die Leute dafür willkürlich ohne anständige Gerichtsverhalndlung gleich mal für 10 jahre ins Gefängnis gesteckt. das ist natürlich besser.

Und zu den Wohnungen: Dort durfte ja nur jemand eine Wohnung haben, dem es vom Staat "erlaubt wurde", weswegen ja viele, vor allen sehr junge Ehepaare getrennt leben mussten, weil sie keine Wohnung bekamen.

Mich- ich stamme auch aus der DDR- geht die Verklärung schwer am Arsch. Meiner Familie sind dermaßen viele schlimme Dinge widerfahren..

Ein paar Beispiele: Mutter durfte nicht studieren, Tante hat ihr Kind bei den Großeltern aufziehen müssen, mein leiblicher Vater war 5 Jahre im Gefängnis, weil er wen kannte, der fliehen wollte...
und wir hatten Glück, da gabs viel schlimmeres

erebos
01
23.12.2011, 21:30

Das schlimme Dinge passiert sind bestreitet ja niemand, aber die Geschichtsverfälschung zum negativen und die Auslöschung von Kultur und Monumenten dieser Zeit sind einfach widerlich und unwürdig für eine eigentlich freie und einigermaßen aufgeklärte Gesellschaft.
Verklärung ist natürlich das entgegengesetzte Pendant der Ignoranz.

Thank God I'm A Country Boy
10
23.12.2011, 22:03

Das passiert ja gar nicht. Im Augenblick wird die DDR samt all ihre Kulturgütern komplett verherrlicht... (N)Ostalgieshows im fernsehen, lustige Filmchen, Merchandising... wenn ich neuen Freunden hier erzähle, dass ich aus der DDR komme, dann finden die das komisch und irgendwie skurril, aber dass das was schlimmes auch bedeuten kann, wissen hier (in Österreich) wenige.

erebos
01
25.12.2011, 11:29

Ich begene Menschen, die mich fast bemitleiden, weil ich in der Zone aufgewachsen bin.
Mit dieser Spaß-Angst Gesellschaft kann ich genausowenig anfangen. Solche Verunstaltungen der Geschichte sind aber eben nur gut möglich, wenn man falsch, schlecht oder garnicht informiert über die Realität ist. DAS ist es, was sowohl verklärung, wie auch verdammung machen. Die aufgabe des Staates wäre z.B. die Bildung. Aber die reissen den Palast der Republik und Karl Marx Statuen lieber ab, benennen Stassen um und errichten/unterstützen Museen, die über die Greuel oder die Luuustigen Skurilitäten berichten nur ja keine ernsthafte Kritik und Meinungsbildung zulassen. Aber was solls, Bildung war noch nie besonders gefragt. Verkauft sich auch so schlecht.

Herr und Frau Österreicher
 
12
21.12.2011, 16:41
"In der DDR war so was unvorstellbar."

Ja, aber uch nur deshalb, weil jedeR freiwillig an den Stadtrand gezogen ist, weil es dort neue, helle Wohnungen mit allem Komfort gab...

egal9
03
21.12.2011, 16:45

Das stimmt, allerdings ohne die Nebenwirkung der Ghettoisierung. D.h. Abschneiden von Kultur und Freizeit

Timagoras
 
30
22.12.2011, 15:49
gentrifzierung in der jetzigen form war auch in der damaligen BRD undenkbar.

ist somit die BRD der 50er- und 60er-jahre ein sehnsuchtsort für Sie?

Herr und Frau Österreicher
 
11
21.12.2011, 17:15

Das ist auch wieder wahr!

anders and
 
88
20.12.2011, 16:27

es gibt dutzende Gründe die DDR-Zeit ab den 1960ern zu verklären:
von den Nacktbadestränden über die soziale Sicherheit, die bessere kulturelle Versorgung am Land bis hin zum größeren Gemeinschaftsgefühl.

Warum und wie sollte man das bekämpfen?
Das war zwar eine von den Russen aufgezwungene Diktatur, aber kein Terrorregime, das Krieg und die Vernichtung von Bevölkerungsgruppen anstrebte.

Liberaler Atheist
65
21.12.2011, 13:09

Soziale Sicherheit war kollektivierte Armut. Jedem Arbeitslosen im Westen ging es besser als allen DDR-Bürgern, von den SED-Bonzen abgesehen.

erebos
02
22.12.2011, 12:45

Das ist nicht wahr. DDR Bürger waren nicht arm. Man hatt zwar meist nicht viel aber nahezu alles, was man brauchte.
Sie dürfen auch nicht vergessen, daß ein Arbeitsloser in der ehm. BRD schnell an sozialem Status verlor und damit vor sozialem Abstieg stand. Arbeit zu finden (und eine sinnvolle Beschäftigung zu haben ist kaum bezahlbar) war auch so ein Problem.
Was viele ex DDR Bürger auch vermissen ist der Zusammenhalt untereinander. Weil Geld und Besitz wesentlich weniger Bedeutung hatte, waren Bekanntschaften, Freundschaften und gegenseite Hilfe wesentlich wertvoller.
Ich vermisse hier die Aufklärung und (wiss.) Untersuchungen und fürchte, daß eben solche Aspekte auch in dieser Aufarbeitung wieder fehlen werden.

Thank God I'm A Country Boy
21
23.12.2011, 11:06

der Zusammenhalt untereinander? Bei 30 000 anonymen Stasi- Spitzeln? Wo quasi jeder einen Freund oder ein Familienmitglied hatte, das einen ausspioniert hat?
Du hast echt keine Ahnung.

erebos
01
23.12.2011, 21:38

Zum einen wusste man vom ein oder anderen Spitzel und zum Anderen half man sich tatsächlich viel mehr gegenseitig weil es sonst kaum anders ging. Miene beiden Klassenlehrer waren Spitzel und von einem wussten wir es sogar.
Klar war es ein repressives System, das bestreitet ja niemand, verklärung ist auch falsch. Aber wir hatten dieses sozialistische Experiment und mit geht´s am A daß fast nur negativ darüber berichtet wird und Kulturgüter wie z.B. Bauwerke und Denkmäler systematisch vernichtet wurden und werden und Errungenschaften unaufgearbeitet totgeschwiegen werden.

Thank God I'm A Country Boy
10
23.12.2011, 22:00

wow.. du wusstes sogar, dass deine Lehrer (!) Spitzel waren. super, Kinder ausspionieren, ganz tolles Land.
Meine Mutter wurde noch jahrelang in Österreich bespitzelt, von angeblichen Freunden.

ja, wenn man Ruhe gegeben hat und mitgespielt hat, wars nett zu leben in der DDR, aber sobald man nur einmal blöd aufgefallen ist, oder die Eltern oder Geschwister oder sonstwer Blödsinn gemacht hat, dann konnte es von einem Moment auf den anderen ganz anders ausschauen.
Meine Familie hat gelitten unter diesem System- und dabei hatten wir noch Glück- ein paar verhinderte Hochschulstudien, einer im Gefängnis, nur ein Selbstmord.. nur drei Kinder, die ohne Vater aufgewachsen sind, weil die Grenze dazwischen war- da gabs schlimmeres.

erebos
01
25.12.2011, 11:22

Ja, da gab´s schlimmeres. Deshalb sollte man trotzdem einen kühlen Kopf bewahren und objetiv Geschichte aufarbeiten. Die DDR war nämlich weit entfernt davon uninnovativ, sowohl wiss./techn. als auch sozial zu sein.
Und die Monumente dieser Zeit auszulöschen, alles zu verdammen und vergessenmachen zu wollen zeugt von einer unglaublichen borniertheit und dem Willen Geschichte zu verfälschen und nicht lernen zu wollen. DAS ist es, was mich maßlos enttäuscht. Diese Vorgehensweise ist um wenig besser als die Propaganda in der DDR.

R.M. S.
10
29.12.2011, 15:32

Welche Monumente meinen sie?

anders and
 
54
21.12.2011, 13:18
ziemlich materialistisch gedacht -

Lebensfreude empfanden die DDR-Bürger sicher mehr als die Arbeitslosen im Westen, die schnell sozial isoliert waren
und arm haben sich die DDR-Bürger auch nicht gefühlt - sie wurden von Jahr zu Jahr wohlhabender und hatten auch mehr als die anderen RGW-Bürger.

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