Wiener AKH

Streikmaßnahmen vom Tisch

20. Dezember 2011, 13:23

Ärzte fordern "nachhaltige Finanzierung" für Med-Uni - Szekeres: Stellen können trotz Geld des Bundes weiterhin nicht nachbesetzt werden

Wien - Die Ärzte am AKH sind trotz der finanziellen Überbrückungshilfe seitens des Bundes für die Medizinische Universität Wien keineswegs vollends zufrieden. Sie fürchten vielmehr, dass die erreichte Abwendung drohender Sparmaßnahmen - konkret: Journaldienstreduktionen - nur temporär sei und fordern von der Politik deshalb eine "nachhaltige Finanzierung", wie Betriebsratschef Thomas Szekeres am Dienstag in einer Pressekonferenz klarstellte. Ursprünglich angedrohte Streikmaßnahmen sind allerdings vom Tisch.

Die Personalvertreter haben im Vorfeld des Mediengesprächs die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung über die von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP) am Freitag in Aussicht gestellte Geldspritze informiert. Dank dieser ist die Finanzierung der Journaldienste bis Sommer 2013 gesichert, sämtliche Leistungen für Patienten sollen im bestehenden Umfang erhalten bleiben.

"Restriktive Besetzungspolitik"

Allerdings: "Das reicht nicht aus, um den Aufnahmestopp zurückzunehmen", beklagte Szekeres. Rektor Wolfgang Schütz sei somit gezwungen, auch künftig eine "restriktive Besetzungspolitik" zu betreiben. Zudem müssen die Mittel in Höhe von neun Mio. Euro an den Bund zurückbezahlt werden, da die Med-Uni das Geld lediglich als Vorgriff auf das Budget der kommenden Leistungsvereinbarung bekommt.

Die Ärzte seien bereit, gemeinsam mit dem Management über Einsparungen und Strukturmaßnahmen nachzudenken. Deshalb lud der Betriebsratsvorsitzende heute Töchterle, Schütz sowie die Wiener Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely (SPÖ) zu einem "Runden Tisch" ein. Dort solle die Politik ein Bekenntnis abliefern, was und wie viel ihr das AKH bzw. die Med-Uni wert sind. "Wir erwarten eine Zusage Ihrerseits bis spätestens 30. Dezember 2011 und eine Realisierung des "Runden Tisches" bis 16. Jänner 2012", heißt es in dem Schreiben, das auch an die anwesenden Journalisten verteilt wurde.

Jörg Michael Hiesmayr, Leiter der Universitätsklinik für Anästhesie, betonte, dass man zwar froh über die finanzielle Überbrückung sei, aber sich jetzt nicht zurücklehnen dürfe. Denn durch die Nicht-Nachbesetzung von Stellen werde die Belastung für das Personal noch höher. Außerdem vergeude man junge Talente, die mangels Arbeitsplatz dann woanders hingehen würden, ergänzte Christoph Zielinski, Vorstand die Uniklinik für Innere Medizin. Die Medizinische Universität Wien sei der "führende wissenschaftliche Korpus dieses Landes", 50 Prozent aller Ärzte würden im AKH ausgebildet, hieß es.

Ingwald Strasser, stellvertretender Vorsitzende des Betriebsrats für das wissenschaftliche Personal an der Med-Uni, mahnte auch für die Zukunft Skepsis bei den Ärzten ein. Man werde weitere Maßnahmen der Politik genau beobachten und "praxisferne Entscheidungen" umgehend beeinspruchen, kündigte er an. (APA)

Kommentar posten
14 Postings
Gegen Studiengebühren kämpfen!
00
21.12.2011, 23:27
"Wenige Tage vor einem Streik-Ultimatum...

...der Ärzteschaft, gab Minister Töchterle nach und versprach, mittels Überbrückungshilfe die Aufrechterhaltung der Nachtdiensträder zu gewährleisten."

http://www.linkswende.org/5585/AKH-... einloesung

Quotenfrau06
10
21.12.2011, 10:55
2Klassenmedizin...

...alle zahlen für die Götter in weiss, wer dann wirklich eine Behandlung will und nicht bis nach seinem Tod warten will, der zahlt dann richtig.
Das AKH ist ein korrupter nepotischer Sauhaufen, den die SPÖ zu verantworten hat.

ministry
00
21.12.2011, 21:08

versuche sie bitte Fremdwörter richtig zu schrieben wenn sie sie benutzen wollen...nepotisch....sie meinen wohl nepotistisch.....
naja wohl auch in der schule geschlafen...oder ein Pisa looser....

Franz Schwingenschrot
00
21.12.2011, 07:23

Gott sei Dank. Jetzt wird wieder operiert statt demonstriert.
http://gedaunknsplitta.blog.de

maus 14
00
20.12.2011, 18:23

auf den nenner gebracht
wenn politik mitsamt der wirtschaft fordert , dass ihre arbeitskräfte bis 65a im berufsleben bleiben sollen
dann brauch ma dazu einfach mehr ärzte
wenn über 65jährige länger leben sollen brauchen wir mehr ärzte
wenn das akh nur 9mio braucht , um den betrieb aufrechterhalten zu können--sofort

melli91
01
21.12.2011, 09:49
Das ist aber eine Angelegenheit des Landes Wien.

Ich seh nicht ein, warum ganz Österreich dazu beitragen soll, ausgenommen, was die Forschung betrifft. Aber nicht alle Ärzte im AKH betreiben Forschung.

Genosse aus der Gosse
00
21.12.2011, 17:14

korrekt - sinnvoll wäre es, die wissenschaftlich aktiven durch den bund bezahlen zu lassen (und diesen ärzten dafür 3-4 tage pro woche nur für die forschung zu geben), und die restlichen ärzte durch die stadt wien bezahlen zu lassen.

Maxengine
00
20.12.2011, 18:13
...praxisferne Entscheidungen der Politik....umgehend beeinspruchen...

Das dürfte dann wohl ein 24/7 Woche Job werden.

Bei den österreichischen Intelligenz Bolzen Politikern...

Dokta 1
00
20.12.2011, 16:35
Verzerrung Teil 2

...In Wirklichkeit ist diese großzügige Geste doch einfach nur der Versuch, das Problem ein wenig zu verschieben. Der Gedanke dahinter kann natürlich sein, daß die Verantwortlichen vermuten, dann (2013) nicht mehr die zuständigen Personen zu sein - "dann kann sich halt ein anderer mit dem Problem herumärgern..."
Es ist wirklich unvorstellbar dreist, eine derartige Aktion, die mittel- und langfristig keinem Hilft auch noch als positives Signal zu verkaufen.
Letztendlich ist seitens der Regierung für fast jeden Dreck ohne großen Verhandlungaufwand genügend Geld da - nur für Bildung und Gesundheit nicht!!! ES IST EINE SCHANDE!!!

melli91
01
21.12.2011, 09:54
Ganz Österreich muß in die Stadtkassa von Wien einzahlen

"weil die Bundesbehörden in Wien sind" und viel Verkehr verursachen. Das die Bediensteten dieser Bundesbehörden zum Großteil ihr Geld in Wien ausgeben, ist wohl nur ein angenehmer Nebeneffekt.

Ain't got no how watchamacallit
00
20.12.2011, 17:46

und was noch dazugesagt werden muss: die Lebensgrundlage für viele (v.a. mit Familie) von uns steht am spiel, die Lebensplanung ebenso (was machen die ohne längere Verträge?), die Ausbildung der folgenden ärztegenerationen… mir scheint dass das GAAAAR nicht zu ende gedacht bevor es beschlossen wurde!

Walter Fenz
22
21.12.2011, 00:02
Die Ausbildung der folgenden

Ärztegeneration ist mitnichten gefährdet, da das AKH österreichweit nur einen Bruchteil der FÄ ausbildet, die dann häufig ohnehin außerhalb einer Uniklinik (= AKH) kaum vermittelbar bzw. an den Mann zu bringen sind.

Und in Wien gibt es bereits jetzt einen gewaltigen (fehlverteilten) FÄ-Überschuß.

Die Lebensplanung als (Uni)Arzt ist eben auch in Österreich keine Pragmatisierung mehr, das ist traurig, aber wahr. Muß man sich eben mal aus der Großstadt wegbewegen, die meisten Landpomeranzen finden als Arzt auch nicht gleich etwas vor der Haustüre.

Und in der Privatwirtschaft gibt es bei Akademikerqualis auch kein Schlaraffenland an "Lebensplanung", nicht ?

Da hält sich mein Mitleid in Grenzen.

Dokta 1
00
20.12.2011, 16:29
Verzerrung!!

Ich frage mich wirklich, wer diesen Artikel geschrieben hat - und auf welchen Grundlagen basierend. Durch die "achso größzügige" Finanzspritze ist das Problem ja nicht einmal ansatzweise gelöst. Es fehlt weiterhin das Geld, die Stellen nachzubesetzen, die seit mehreren Monaten "leer stehen". Ohne diese Stellen wird es aber garnicht möglich sein, die Nachtdiensträder weiterhin ohne Einschränkungen zu bespielen. Die verbleibenden Ärzte müssen natürlich klarer Weise entsprechend mehr Arbeit leisten. Außerdem haben wir dann im Sommer 2013 ja dasselbe Problem wieder (PLUS: es muß ja auch noch das ausgeborgte Geld zurückgezahlt werden!!!). Durch die Nicht-Nachbesetzung gehen auch wertvolle Ausbildungsstellen für Ärzte verloren...

.........1
02
20.12.2011, 16:01
geld muss her

effizienz ist wohl keine frage

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.