Hypo Tirol

Ohne Kapitalaufstockung 1,9 Milliarden weniger Kredite

20. Dezember 2011, 14:25

Bank durch Landesfinanzspritze "wieder solide" aufgestellt

Innsbruck - Die von einem Wertberichtigungsbedarf in Höhe von 120 Mio. Euro im Italiengeschäft gebeutelte landeseigene Hypo Tirol Bank hätte ohne die Finanzspritze des Landes von 230 Mio. Euro ihr Kreditvolumen "enorm" reduzieren müssen. "Und zwar um 1,9 Mrd. Euro. Die Finanzierungsfähigkeit der Bank wäre massiv infrage gestellt worden", erklärte Vorstandsmitglied Johann Kollreider bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Innsbruck. Dabei sagte Vorstandschef Markus Jochum, dass der notwendige Wertberechtigungsbedarf am Ende "weniger, aber auch mehr" sein könnte.

Eine genaue Summe soll Ende März 2012 feststehen. Derzeit seien 25 Mitarbeiter aus Nord- und Südtirol, unterstützt von externen Spezialisten um die Aufklärung der "Causa Italien" bemüht. Man erwarte sich zudem, dass die Finanzmarktaufsicht die Nationalbank mit einer weiteren Prüfung der Hypo Tirol beauftragen werde.

Durch das verfrühte Weihnachtsgeschenk im Umfang von 230 Mio. Euro - der Tiroler Landtag hatte dies vergangene Woche abgesegnet - sei die Bank "wieder solide" aufgestellt. Damit soll die Kernkapitalquote von derzeit 5,8 auf rund 9 Prozent angehoben werden. Mit der Kapitalspritze ist laut dem Vorstandsvorsitzendem wieder volle Handlungsfähigkeit gegeben.

Dividende

Jochum rechnet damit, dass die Bank gegenüber dem Land Tirol als Eigentümer ab 2014 eine Dividende von mindestens 4 Prozent "auf jeden Fall" leisten könne. Er bezifferte die Rückzahlungen sogar mit 10 Mio. Euro jährlich, und für die Folgejahre mit "deutlich mehr". "Wir wissen, dass diese 230 Mio. Euro kein Geschenk sind", gestand der Vorstandschef ein. Das Geld sei dem Institut anvertraut worden, um es ertragreich anzulegen, um sich auf den Kernmarkt Tirol zu konzentrieren und dadurch erfolgreiche Bankgeschäfte für die Zukunft zu betreiben.

Bei den in Vorbereitung befindlichen Anzeigen soll es laut Jochum keine "Tabus und Einschränkungen" geben. Es werde wohl eine "Mischung" aus Anzeigen gegen konkrete Personen und einer "Sachverhaltsdarstellung gegen Unbekannt", fügte der Bank-Chef hinzu. Mögliche Anzeigen gegen frühere Aufsichtsräte der Bank müssten zuerst einer "Abstimmung" mit dem jetzigen Aufsichtsrat, dem Land Tirol als Eigentümer und der Rechtsvertretung der Bank unterzogen werden.

Der oppositionelle "Bürgerklub Tirol" hatte am vergangenen Wochenende unterdessen behauptet, dass im Zusammenhang mit der vom Landtag beschlossenen Tiwag-Dividendenausschüttung von 230 Mio. Euro für die Hypo zusätzlich 76 Mio. Euro Kapitalertragssteuer (KEST) an die Finanz abzuführen wären. "Stimmt nicht", konterte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) am Dienstag bei einer Pressekonferenz nach der Regierungssitzung. Dividendenzahlungen an das Land als öffentliche Gebietskörperschaft seien nicht kapitalertragssteuerpflichtig, begründete er. (APA)

Ruben Weil
00
21.12.2011, 01:32
Was hier als Finanzspritze bezeichnet

wird ist beinahe die Summe die das Finanzamt Landeck/Reutte in einem Jahr einnimmt! Nur mal so zum Vergleich! Die JahresSteuern von 130.000 österreichischen Bürgern wurden bei der Hypo verbrannt!

?und
00
20.12.2011, 14:37
zum glück gibt es durchblicker wie den herrn jochum....

mal sehn - wieviel von den genannten 1,9 milliarden
zurückbezahlt werden oder auch noch den inn runterfließen werden - aber er weiß natürlich schon, welches risiko sich da noch versteckt.
sind halt noch nicht ganz durch mit der prüferei, die fleißigen und ehrlichen schwarzmander.

Flann O'Brien.
05
20.12.2011, 13:34
Zur Relation:

Das Land Tirol hat keine 15 Mio Euro für die Co-Finanzierung eines neuen Physikgebäudes, obwohl das alte aus allen Nähten platzt und die Innsbrucker Physik weltweit in der obersten Liga spielt. 280 Mio für eine missgewirtschaftete Bank werden aber über Nacht aufgestellt. Shame on you, politicians!

derunbestechliche
00
20.12.2011, 23:28

Das ist eben Tirol. Diesem Land ist eben eine marode Bank wichtiger als die öde, dämliche Wissenschaft. Dass die Physik an der Uni in Ibk. in der obersten Liga mitspielt, ist unter Politikern ein Gerücht mehr nicht. Dafür kennen sie sich aber hervorragend mit Zahlen und der Infrastruktur aus.

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