Bank durch Landesfinanzspritze "wieder solide" aufgestellt
Innsbruck - Die von einem Wertberichtigungsbedarf in Höhe von 120 Mio.
Euro im Italiengeschäft gebeutelte landeseigene Hypo Tirol Bank hätte ohne die
Finanzspritze des Landes von 230 Mio. Euro ihr Kreditvolumen "enorm" reduzieren
müssen. "Und zwar um 1,9 Mrd. Euro. Die Finanzierungsfähigkeit der Bank wäre
massiv infrage gestellt worden", erklärte Vorstandsmitglied Johann Kollreider
bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Innsbruck. Dabei sagte Vorstandschef
Markus Jochum, dass der notwendige Wertberechtigungsbedarf am Ende "weniger,
aber auch mehr" sein könnte.
Eine genaue Summe soll Ende März 2012 feststehen. Derzeit seien 25
Mitarbeiter aus Nord- und Südtirol, unterstützt von externen Spezialisten um die
Aufklärung der "Causa Italien" bemüht. Man erwarte sich zudem, dass die
Finanzmarktaufsicht die Nationalbank mit einer weiteren Prüfung der Hypo Tirol
beauftragen werde.
Durch das verfrühte Weihnachtsgeschenk im Umfang von 230 Mio. Euro - der
Tiroler Landtag hatte dies vergangene Woche abgesegnet - sei die Bank "wieder
solide" aufgestellt. Damit soll die Kernkapitalquote von derzeit 5,8 auf rund 9
Prozent angehoben werden. Mit der Kapitalspritze ist laut dem
Vorstandsvorsitzendem wieder volle Handlungsfähigkeit gegeben.
Dividende
Jochum rechnet damit, dass die Bank gegenüber dem Land Tirol als Eigentümer
ab 2014 eine Dividende von mindestens 4 Prozent "auf jeden Fall" leisten könne.
Er bezifferte die Rückzahlungen sogar mit 10 Mio. Euro jährlich, und für die
Folgejahre mit "deutlich mehr". "Wir wissen, dass diese 230 Mio. Euro kein
Geschenk sind", gestand der Vorstandschef ein. Das Geld sei dem Institut
anvertraut worden, um es ertragreich anzulegen, um sich auf den Kernmarkt Tirol
zu konzentrieren und dadurch erfolgreiche Bankgeschäfte für die Zukunft zu
betreiben.
Bei den in Vorbereitung befindlichen Anzeigen soll es laut Jochum keine
"Tabus und Einschränkungen" geben. Es werde wohl eine "Mischung" aus Anzeigen
gegen konkrete Personen und einer "Sachverhaltsdarstellung gegen Unbekannt",
fügte der Bank-Chef hinzu. Mögliche Anzeigen gegen frühere Aufsichtsräte der
Bank müssten zuerst einer "Abstimmung" mit dem jetzigen Aufsichtsrat, dem Land
Tirol als Eigentümer und der Rechtsvertretung der Bank unterzogen werden.
Der oppositionelle "Bürgerklub Tirol" hatte am vergangenen Wochenende
unterdessen behauptet, dass im Zusammenhang mit der vom Landtag beschlossenen
Tiwag-Dividendenausschüttung von 230 Mio. Euro für die Hypo zusätzlich 76 Mio.
Euro Kapitalertragssteuer (KEST) an die Finanz abzuführen wären. "Stimmt nicht",
konterte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) am Dienstag bei einer
Pressekonferenz nach der Regierungssitzung. Dividendenzahlungen an das Land als
öffentliche Gebietskörperschaft seien nicht kapitalertragssteuerpflichtig,
begründete er. (APA)