Bitte nur ein bisschen unterwerfen

26. Dezember 2011, 07:00
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Die Frage, ob prominente Frauen schön sind, hat sich erübrigt - Nun beschäftigt die "Echtheit"

Lifestylesendungen oder Hochglanz-Magazine stellen die Frage immer öfter: "Ist das echt?". Ausgerechnet. Dort wo alle Moderatorinnen oder die abgebildeten Frauen wie aus demselben Guss aussehen, mit ihren langen Mähnen und in ihren Kleidchen, egal ob 45 oder 25 Jahre, Hauptsache in Größe 36. Ausgerechnet dort, wo die unsichtbare aber dennoch offenbar vorhandene Arbeit an der Schönheit einer jede Sekunde ins Auge springt, dort, wo bewertet und gelästert wird - hier wird also nach dem Diktat „Schönheit" jetzt auch noch die "authentische" Schönheit gepredigt? Frauke Ludowig (aus der Sendung "Exclusiv") ist in der Kategorie Lifestyle-Sendungen Meisterin dieses Fachs. Ständig macht sie sich Sorgen um prominente Frauen, die dem "Diätwahn" oder der "Operationswut" erliegen.

Aber auch in Magazinen kommt frau mit Attraktivität allein nicht mehr so leicht durch. Etwa im Hochglanzmagazin "Diva", in der die wichtigste Frage über die Sängerin Lana del Rey, die in dem derzeit wohl meistgesehen Musikvideo "Video-Games" zu bestaunen ist, lautete: "Sind diese Lippen echt?"Alles andere wurde zweitrangig behandelt.

Nicht nur schön, bioschön

Die letzten Jahre haben es mit sich gebracht, dass nicht schön sein im konventionellen und kommerziellen Sinne keine Option mehr ist - zumindest wenn frau medial präsent ist. Heute ist jede schön, die in der Musik, im Film oder als Erbin in den High Society-Gazetten auftaucht. Daher stellte sich offenbar die Frage: Wie kann eine Hierarchie zwischen all den Schönen aufrechterhalten werden, trotz gleicher Figur, Frisur oder Klamotten? Echtheit ist die Antwort.

Diese Frage suggeriert, dass die herkömmlichen Schönheitsmittelchen natürlich seien, sie unterstellt: Ein bisschen Fitness, ein bisschen Faltencreme ist okay.

Aber alle, die öffentlich den schmalen Grat zwischen harter Arbeit am Aussehen und "Übereifrigkeit" verlassen - eine Grenze die völlig willkürlich gezogen wird -, werden gnadenlos vorgeführt. Zu allem Überfluss glauben jene Fernsehjournalistinnen dann auch noch, sich kritisch über den "Schönheitswahn" zu äußern. Also bitte Frauke & Co, lasst stecken. (Beate Hausbichler, dieStandard.at, 26. Dezember 2011)

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