1000 Tote auf Mindanao: Umweltzerstörung mitverantwortlich

21. Dezember 2011, 10:49
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Der Faktor Überraschung, aber auch die zunehmende illegale Abholzung haben zu Ausmaß der Flutkatastrophe beigetragen

Laut aktueller Zahlen der philippinischen Regierung (National Disaster Risk Reduction and Management Council) sind 338.415 Menschen in dreizehn Regionen unmittelbar von dem Tropensturm "Washi" betroffen. Die Zahl der Todesopfer liegt bei 976. Es wurden rund 1600 Menschen verletzt, 46 werden noch vermisst. Präsident Benigno Aquino hat der betroffenen Region im Süden des Landes umfassende Hilfe zugesagt. Bei einem Besuch in dem Katastrophengebiet auf der Insel Mindanao versprach Aquino am Dienstag zusätzliche Mittel für Soforthilfe und für den Wiederaufbau.

"Die Zahl wird leider noch steigen. Zu einigen Gebieten gibt es auf Grund von beschädigten Telefonleitungen und Erdrutschen noch keinen Kontakt", informiert Clara Handler, Projektreferentin der Dreikönigsaktion auf den Philippinen. 

Auch der materielle Schaden ist groß: Laut Zivilschutz haben mehr als 340.000 Menschen auf der Insel Mindanao ihre Häuser verlassen. Mindestens 44.000 seien in Notunterkünften untergebracht. Einige würden auch auf den Straßen schlafen. Mehr als 10.300 Häuser wurden beschädigt, viele Ernten wurden vernichtet, so zum Beispiel in der Provinz Surigao del Sur an der nordöstlichen Küste von Mindanao. In dieser Region traf der Taifun zum ersten Mal auf das Festland. Einige Fischerfamilien konnten aus dem Anbau von Seegras eine zusätzliche Einkommensquelle lukrieren. Die Seegrasfarmen wurden völlig zerstört. Zudem können die Bewohner wegen der Sturmschäden auf unbestimmte Zeit nicht zum täglichen Fischfang, der ihre Existenz sichert. 

Nachhaltigkeit als Chance gegen Flut

Obwohl "Washi" als erstes im Nordosten auf Mindanao traf, wurden die meisten Todesopfer aus den Städten Cagayan de Oro und Iligan gemeldet, die im Norden liegen. Handler stellt auch einen möglichen Zusammenhang zu der illegalen Abholzung in dieser Region her, dass das Ausmaß so katastrophal war: "In den Gebieten mit den meisten Todesopfern gibt es immer weniger Bäume, der Boden kann das Wasser nicht mehr halten." So werde die Dreikönigsaktion immer wieder von den Bauern und Fischern vor Ort informiert, dass die Abholzung in diesen Gebieten drastisch voranschreitet.

Zudem sei das verwüstete Land bisher von Stürmen und Fluten verschont geblieben, so Handler.  Sie berichtet über den Katastrophenschutz in Gebieten, die öfter betroffen sind: "Dort gibt es mehr Bewusstsein für das Thema und bessere Vorsorge, beispielsweise haben Haushalte Notfallpakete, wie schwimmende Vorrichtungen aus Bambus und notwendige Nahrungsmittel. Außerdem gibt es einen Notfallsplan, wo sich die höchsten Häuser in der Stadt befinden, und was im Notfall zu tun ist."

Langer Prozess

Nicht nur die unmittelbaren Schäden seien ein Problem: Bis die Bauern und Fischerfamilien wieder Einkommen generieren können, wird es in vielen Regionen noch dauern. Auch die psychologischen Auswirkungen seien groß. Handler war im November in einer Region im Osten der Hauptinsel Luzon, wo zwei Taifune im Jahr 2009 die größten Überschwemmungen seit 40 Jahren verursachten. Sie berichtet von Gesprächen mit Betroffenen: "Eine Frau erzählte mir, dass sie sich mit ihrem Baby auf einen Baum gerettet hatte und erst dort bemerkte, dass es schon tot war. Oder ein Mann musste mit ansehen, wie sein Nachbar von einem Baumstamm erdrückt wurde. Das sind Bilder, die bekommt man nie wieder aus dem Kopf."

Seuchengefahr

Die Behörden warnten zudem vor dem Ausbruch von Seuchen. Das Gesundheitsministerium hat inzwischen Hilfsmannschaften in die am schlimmsten betroffenen Städte Cagayan de Oro und Iligan in Marsch gesetzt, die dort den Ausbruch von ansteckenden Krankheiten nach Möglichkeit verhindern sollen.

Unterdessen haben internationale und örtliche Organisationen Hilfe für die etlichen Opfer in die Krisenregionen geschickt. Die Europäische Union will drei Millionen Euro für die Philippinen spenden, kündigte EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe, Kristalina Georgiewa, an. Das Geld solle für Aufräumarbeiten, Lebensmittel, Behausungen, Medizin und Wasser verwendet werden. (APA/Julia Schilly, derStandard.at, 20.12.2011)

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    Es werden mehr als 1000 Tote durch den Taifun Washi auf der südlichsten Insel der Philippinen, Mindanao, befürchtet.

  • Mehr als 10.000 Häuser wurden zerstört.
    foto: dreikönigsaktion

    Mehr als 10.000 Häuser wurden zerstört.

  • Auch die Orte, die von Todesopfern verschont blieben, leider unter den Auswirkungen.
    foto: dreikönigsaktion

    Auch die Orte, die von Todesopfern verschont blieben, leider unter den Auswirkungen.

  • Viele Menschen verdienen ihr Geld mit der Fischerei oder Landwirtschaft. Durch die Sturmschäden können sie in der kommenden Zeit ihrer Arbeit nicht nachgehen.
    foto: dreikönigsaktion

    Viele Menschen verdienen ihr Geld mit der Fischerei oder Landwirtschaft. Durch die Sturmschäden können sie in der kommenden Zeit ihrer Arbeit nicht nachgehen.

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