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Wir LehrerInnen können unterrichten, wir können bilden, wir können erziehen, wir können ....., wenn wir die nötige Unterstützung, die nötigen Ressourcen in der Schule haben. Als Direktor habe ich das Glück, ein Gymnasium (AHS) zu leiten, das den Schulversuch NeueMittelSchule (NMS) in der Wiener Version durchführt.
Was bedeutet "Wiener Version" der NMS?
Unser Schulversuch bietet so viele zusätzliche LehrerInnenstunden, dass es uns möglich ist, nicht nur in den Schularbeitsfächern, sondern teilweise auch in anderen Fächern zwei Lehrkräfte einzusetzen. Nicht in allen Stunden, aber immerhin. Wir haben, wie alle NMS in Österreich, eine Lerncoachingstunde pro Woche, die es uns ermöglicht, den Kindern das Lernen systematisch bei- bzw. näherzubringen und wir haben einige LehrerInnenstunden für die Koordination und den Innovations-Input an der Schule.
Wir haben in der "Wiener Version" weiters eine Psychologin und eine SchülerInnenberaterin vor Ort, sodass wir LehrerInnen, die Eltern und die SchülerInnen fast jeden Tag unmittelbar auf die Hilfe von diesen ExpertInnen zurückgreifen können. Wir haben auch eine Lehrkraft aus der Volksschule, die den SchülerInnen der 1. Klassen hilft, die Umstellung von der Volkschule leichter zu verkraften. Gleichzeitig agiert sie aber auch als eine Art Stützlehrerin und hilft schon im Unterricht eventuelle Defizite auszugleichen. Wir haben einen "Native Speaker" für Englisch, der jede unserer WMS-Klassen eine Stunde pro Woche beim Erlernen der englischen Sprache unterstützt - und das nicht nur im Englischunterricht.
Unterrichtsformen haben sich zum großen Teil bereits geändert
Und wir haben eine heterogene SchülerInnenzusammensetzung - bezüglich des Leistungsvermögens, der sozialen Zugehörigkeit und der Muttersprache. In unserem Unterricht sitzen neben Akademikerkindern mit deutscher Muttersprache die Kinder von zugewanderten Bauarbeitern. Dadurch, dass wir aber häufig zwei Lehrkräfte in den Klassen haben, können wir mit dieser Zusammensetzung auch recht gut arbeiten. Natürlich herrschte trotz der Zustimmung des Lehrkörpers zum Schulversuch eine gewisse Unsicherheit (Kann ich mit anderen KollegInnen gemeinsam unterrichten? Kann ich auch anders unterrichten?). Die Unterrichtsformen haben sich zum großen Teil bereits geändert, in manchen Fächern stärker als in anderen. Es gibt logischerweise Teamteaching in unterschiedlichen Ausprägungen, aber es kann auch Kleingruppenunterricht geben, Projektunterricht sowieso und es bleibt wie bisher großteils den LehrerInnen überlassen, wie sie den Unterricht gestalten wollen, und die LehrerInnen haben das gemeinsame Unterrichten schätzen und lieben gelernt.
Zusammenarbeit funktioniert
Auch PflichtschullehrerInnen sind an unserem WMS-Standort im Einsatz und sowohl die berufliche als auch die menschliche Zusammenarbeit funktioniert ohne Probleme, wenn auch die KollegInnen für dieselbe Arbeitsleistung leider weniger bezahlt bekommen. Ich hoffe die Politik schafft es bald, diese Ungleichheit zu beseitigen, indem die Arbeit der PflichtschullehrerInnen genauso bezahlt wird wie die der AHS-LehrerInnen (nicht umgekehrt!).
Wir können bei Bedarf SchülerInnen vom AHS-Lehrplan auf den Lehrplan der Hauptschule 2. Leistungsgruppe umstufen, wenn alle Fördermittel ausgeschöpft sind. Damit müssen wir zunächst einmal niemanden zurücklassen und die SchülerInnen können nach entsprechenden Leistungen wieder in den AHS-Lehrplan zurückgestuft werden. Die SchülerInnen lernen bei uns Französisch, wenn sie wollen, d.h. wir führen in der WMS Kandlgasse neben dem traditionellen Realgymnasium, ein Gymnasium für SchülerInnen, die sprachbegabt sind. Dies bedeutet, dass wir in unserer Schule eine NMS und gleichzeitig eine gymnasiale Langform haben. Das widerspricht sich also nicht. Wir haben diesbezüglich auch eine Kooperation mit der benachbarten WMS Neustiftgasse, die ebenfalls eine gymnasiale Variante der WMS anbietet, wo meine KollegInnen mit Rat und Tat helfen. Wir werden daher auch Schüler dieser "gymnasialen" WMS in unsere Oberstufe übernehmen können.
Selbstverständlich veranstalten wir auch regelmäßig Feedback-Elternabende, um unseren Schulversuch laufend zu optimieren.
Was war nötig, um an unserer AHS einen derartigen Schulversuch zu wagen
+ engagierte, aufgeschlossene AHS-LehrerInnen (trotz aller Unkenrufe: die gibt es wirklich)
+ Platz
+ finanzielle Ressourcen
Die engagierten LehrerInnen waren an der Schule, den Platz hat der Stadtschulrat bereitgestellt und die Finanzierung wurde vom Wiener Stadtschulrat und vom Ministerium sichergestellt.
Was ist für eine flächendeckende Einführung nötig?
+ Zusätzliche LehrerInnen (mit gemeinsamer Ausbildung)
+ Andere Schulbauten: die jetzigen entsprechen nicht unbedingt modernen Unterrichtstandards und bieten praktisch keine vernünftigen LehrerInnenarbeitsplätze.
Damit sind wir auch schon bei den Finanzen: Natürlich kosten mehr LehrerInnen und bessere Gebäude mehr Geld. Aber wenn es sich ein Staat wie Österreich leisten kann, auf Erbschafts- und Vermögenssteuern und aus Gründen der Standortpolitik und Umwegrentabilität auf die Besteuerung von Konzerngewinnen praktisch zu verzichten, so meine ich, dass ebenfalls aus Gründen der Umwegrentabilität und Nachhaltigkeit auf einen gründlichen Umbau des österreichischen Schulwesens nicht verzichtet werden kann.
Es gab die Bankenrettung (z.B. HypoAlpeAdria), es gibt den berühmten Eurorettungsschirm und bald auch die Schuldenbremse im Verfassungsrang. Wann werden die Anteile der Bildungsausgaben am BIP, welche im vorigen Jahrzehnt sehr deutlich gesunken sind, wieder angehoben um die notwendigen finanziellen Mittel für das Bildungssystem zu garantieren und wann gibt es im Parlament endlich eine Mehrheit zur Verbesserung des Österreichischen Schulwesens? (Leser-Kommentar, Georg Waschulin, derStandard.at, 20.12.2011)
Autor
Mag. Georg Waschulin, Direktor BRG 7, Wien
Alles ganz, ganz super und toll. Nur zwei, bzw. drei Fragen dazu:
1. Wozu ändere ich die Schulform, wenn es nur ums Geld geht? Mit viel Geld kann ich aus jedem Gymnasium und jeder Hauptschule eine Superschule machen.
2. Werden alle Schulen Österreichs (ich nehme an, dass nach Abschluss dieser Veränderungen sämtliche Schulen eine NMS sind) ebenfalls soviel Geld bekommen wie die im Artikel als Beispiel dargebrachte Wiener Schule?
Zusatzfrage:
3. Wenn ja - wo kommt denn dann das Geld her?
Ich versuchs anders:
Wenn viel Geld investiert wird, dann wird jede Schule, egal welche Schulform, zu einer guten Schule. Es ist wurscht, ob die Schule Gymnasium, Hauptschule oder Neue Mittelschule genannt wird. Jetzt klar oder soll ich noch langsamer schreiben?
Dieser Herr Direktor ist ein Beispiel dafür, dass man - im Kleinen - und mit großem Engagement Neuerungen durchsetzen kann. Selbstverständlich wird er von Neidern und Ideologen verspottet.
Aber er hat im Gegensatz zu den Haxlbeißern etwas GEMACHT und zustande gebracht.
(Das geht allen Kreativen und Avantgardisten so. Vaclav Havel ist das auch passiert.)
Vom "Beim alten bleiben" ist nicht die Rede, aber bekanntlich kostet das Bildungswesen auch Geld, und dadurch, dass jetzt soviele zusätzliche Budgetmittel in die NMS gesteckt werden, leiden darunter die anderen Schulen, die Streichungen durchführen MÜSSEN.
....Bzw. wird die AHS minimale Zusatzmittel erhalten, auf keinen Fall soviel wie die NMS jetzt. Dort wird das Geld ja hineingepumpt, um sie nicht als Debakel enden zu lassen. Schön wär's, wenn dann die anderen Schulen auch so viel erhalten, aber da müsste man ein ganz anderes Gesamtbudget für die Schulen erstellen, wo der Trend doch in Richtung (Tot)sparen geht.
Keine Schule bekommt mehr Geld, nur weil sie umgestellt wird. Das Gegenteil ist der Fall: Wenn ein gut dotierter Schulversuch in die Regelschule übergeht, wird dessen hypertrophe Ausstattung zumindest teilweise, wenn nicht zum Großteil wieder gestutzt.
die an Pressekonferenzen und Hochglanzbroschüren der Frau Minister erinnern.
Die Nähe zur Partei und die damit bei Betrachtern verbundenen Gedanken ergeben sich aus dem Foto.
Der Ärger, den sie zwischen meinen Zeilen lesen, entsteht durch die systematische Zerstörung des österreichischen Schulwesen, indem Politiker und "Experten" Wiener Schulprobleme in den Bundesländern lösen wollen, die es dort nicht gibt.
Was für Floskeln, der Direktor erklärt den Ablauf in seiner Schule, was soll er denn sagen, ausser, wie viele Lehrer er für welche Aufgaben verwendet und wie die Zusammensetzung der Schüler ist?
Was genau wird denn zerstört?
Mir schien, dass unter Gehrer wesentlich gravierendere Zerstörungen angerichtet worden sind...
Im Großteil Österreichs funktionieren die Hauptschulen mit ihren Leistungsgruppen in den Hauptgegenständen ausgezeichnet. Für die Neue Hauptschule werden Junglehrer als Zweitlehrer in dermaßen heterogene (1. LG bis 3.LG, sprich Sonderschule) Klassen gezwungen (daher entsprechend freudvoll an der Arbeit), dass keine Schülergruppe vom gebotenen Unterricht profitieren kann. Die rekrutierten Kolleginnen und Kollegen berichten katastrophale Zustände. Das sinkende Niveau wird sich in den weiterführenden Schulformen (BORG, HAK, HTL, ...) in ein paar Jahren deutlich zeigen.
Ich bin Mathematik- und Lateinlehrerin und habe hautnah miterlebt, wie jeder Unterrichtsminister meiner bald 36 Dienstjahre am System herumgepfuscht und es veschlechtert hat.
Kann ich nur bestätigen (bei ähnlicher Dienstdauer). Am schlimmsten trieb es Frau Gehrer - und jetzt auch Frau Schmied. Mein Hauptvorwurf geht dahin, dass Strukturen und Schulformen, die an sich gute Ergebnisse hatten (wie z.B. die AHS und BHS) jetzt ausgedünnt werden, dass das Niveau nicht besser wird, dass die Bürokratie noch mehr die Lehrer belastet usw. usw. (abgesehen von dem widerlichen Bashing, das aus dem Ministerium kommt).
Als Mathematik- und Lateinlehrerin und Pädagogin mit jahrzehntelanger Erfahrung sind Sie ein rational denkender Mensch.
Und da ist Ihnen doch klar, dass ein Foto mit KollegInnen geschossen wird, wenn der/die oberste Chef/in kommt. Was soll daran negativ oder nur einseitig politisch motiviert sein?
Das ist in jeder Zweigstelle einer Firma so & eine Art betrieblicher Höflichkeit.
Dass Ihnen das ständige öffentliche Herumgezerre an der Schule auf die Nerven geht, ist nachvollziehbar. Aber vielleicht ist das auch in einem höheren politischen (NICHT parteipolitischen) Zusammenhang zu sehen.
Der Druck, die Bildung zu entwerten, wird stärker. & das kommt nicht von den Sozis, sondern von den Vertretern des "Quod licet Jovi, non licet bovi".
Eigenartig, denn ich kenne solche Zusatzlehrer, die absolut engagiert bei der Sache sind und an dieses Modell glauben. In Wien gingen mehrere Kinder von Bekannten in eine solche Versuchsschule, das ILB, diese und auch die Eltern waren dort sehr zufrieden un stiegen problemlos ins Gymnasium auf (zwei Sonderschulkinder samt Stützlehrer pro Klasse).Welche wären denn die betroffenen Schulen?
Was im ländlichen Bereich geschieht, kann ich nicht wirklich aus der Ferne beurteilen, da zu wenig Erfahrungswerte.
Meines Erachtens liegt das Problem der Disziplinierung an 1. Elternhaus (Kinder sind in ihrer Familie gefeierte Einzeldarsteller, oder müssen sich durch schädliches Benehmen Aufmerksamkeit erkämpfen)
2. Gesellschaft (Bildung wird gering geschätzt, Anstrengung wird verachtet, gleichzeitig bildet sich jeder ein, einen Anspruch auf Matura, gute Bezahlung usw zu haben)
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