Verkauf von T-Mobile USA ist geplatzt

20. Dezember 2011, 08:25
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39 Milliarden Euro-Deal findet nicht statt - Wegen Bedenken der US-Wettbewerbshüter - Drei Milliarden Break-Up-Fee für Deutsche Telekom

Der US-Telekommunikationsriese AT&T gibt seine Pläne zum Kauf von T-Mobile USA auf. Nach anhaltenden Bedenken der US-Wettbewerbshüter hat AT&T die 39 Milliarden Dollar (zuletzt 30 Milliarden Euro) schwere Übernahme der Mobilfunktochter der Deutschen Telekom abgeblasen, wie der Konzern am späten Montag in Dallas verkündete. Die Zeichen für einen Abbruch des Geschäfts hatten sich zuletzt verdichtet. Die Wettbewerbshüter sowie das US-Justizministerium hatten Bedenken gegen den Deal geäußert, weil sie eine Konzentration des Mobilfunkmarktes auf wenige große Anbieter fürchten.

Die Deutsche Telekom darf sich immerhin über ein Trostpflaster freuen: Sie bekommt 3 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro) in bar, die vertraglich vereinbarte Break-Up-Fee. Zudem darf sie das Netz des größeren Rivalen mitnutzen - das sogenannte Roaming - und bekommt überdies begehrte Funkfrequenzen. AT&T bezifferte den Gesamtwert des Ausgleichspakets auf 4 Milliarden Dollar. Die Deutsche Telekom erklärte, sie erwarte die Zahlung noch im laufenden Jahr.

Zusammenschluss

Der Telefongigant AT&T wäre mit dem Zukauf von T-Mobile USA zum mit Abstand größten Mobilfunkanbieter der Vereinigten Staaten aufgestiegen. Es wären daneben nur noch zwei weitere landesweit vertretene Konkurrenten übrig geblieben. Diese Vorstellung hatte die US-Kartellwächter alarmiert. Sie fürchteten, dass die Kunden am Ende höhere Gebühren zahlen müssten. T-Mobile USA gilt als preisgünstig. Deshalb hatte das zuständige Justizministerium gegen den Verkauf geklagt, und auch der Netzregulierer FCC hatte sich gesperrt.

Die Deutsche Telekom und AT&T hatten die Übernahme im März eingefädelt und wollten sie eigentlich binnen eines Jahres unter Dach und Fach bringen. Für beide ging es um viel: AT&T hätte mit einem Schlag sein Netz deutlich ausgebaut, das unter der steigenden Zahl an datenhungrigen Smartphones ächzt. Die Telekom wiederum hätte sich eines Problemfalls entledigt.

Hintergrund

T-Mobile USA hatte bis zuletzt Kunden verloren, auch weil der Anbieter als einziger der vier Großen Apples iPhone nicht im Angebot hat. Zudem steht ein teurer Netzausbau ins Haus. In der Branche wurde aber darauf hingewiesen, dass sich die Lage mit dem Roaming- und Frequenzpaket von AT&T deutlich entspannt und die Telekom nun weniger Geld in die Hand nehmen müsse.

Wie es nun genau mit T-Mobile USA weitergeht, ließ die Telekom offen. Durch die Auflösung des Kaufvertrages werde T-Mobile USA künftig wieder als fortzuführendes Geschäft der Deutschen Telekom bilanziert, teilte der Bonner Konzern am Abend lediglich mit. An den geschäftlichen Erwartungen des Unternehmens für 2011 ändere sich nichts, auch die Ausschüttungspolitik bleibe bestehen, hieß es. Für das laufende Jahr rechne man weiter mit einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von rund 19,1 Milliarden Euro, so die Telekom. (APA/Reuters)

  • Die amerikanischen Wettbewerbshüter feiern das Scheitern der Übernahme von T-Mobile USA als Sieg für die Mobilfunknutzer. "Die Kunden sind die Gewinner", sagte die oberste Kartellwächterin Sharis Pozen am späten Montag. "Hätte AT&T tatsächlich T-Mobile übernommen, hätten den Kunden höhere Preise und verschleppte Innovationen gedroht."
Das Justizministerium hatte Ende August gegen den 39 Mrd. Dollar (29,9 Mrd. Euro) schweren Verkauf geklagt, denn von vier landesweit vertretenen Mobilfunkern wären nur drei übrig geblieben, neben AT&T noch Verizon Wireless und die wesentlich kleinere Sprint.
 
    screenshot: redaktion

    Die amerikanischen Wettbewerbshüter feiern das Scheitern der Übernahme von T-Mobile USA als Sieg für die Mobilfunknutzer. "Die Kunden sind die Gewinner", sagte die oberste Kartellwächterin Sharis Pozen am späten Montag. "Hätte AT&T tatsächlich T-Mobile übernommen, hätten den Kunden höhere Preise und verschleppte Innovationen gedroht."

    Das Justizministerium hatte Ende August gegen den 39 Mrd. Dollar (29,9 Mrd. Euro) schweren Verkauf geklagt, denn von vier landesweit vertretenen Mobilfunkern wären nur drei übrig geblieben, neben AT&T noch Verizon Wireless und die wesentlich kleinere Sprint.

     

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