Auf eine Gänseleber mit Tobias Müller

Harald Fidler
20. Dezember 2011, 17:14
  • Bei der Weihnachtsfeier heuer zum Glück nein: Bründlmayer, Stoff für viele Geschichten
    foto: harald fidler

    Bei der Weihnachtsfeier heuer zum Glück nein: Bründlmayer, Stoff für viele Geschichten

  • Kuttelsuppe nach Prager Art, durchaus apart
Zur goldenen KugelFünf Gänge, ordentlich Wein, Bier, Kaffee: 114 Euro
    foto: harald fidler

    Kuttelsuppe nach Prager Art, durchaus apart

    Zur goldenen Kugel
    Fünf Gänge, ordentlich Wein, Bier, Kaffee: 114 Euro

  • Eigenfett der ganz ungestopften Gans, darin ihre Leber
    foto: harald fidler

    Eigenfett der ganz ungestopften Gans, darin ihre Leber

  • Meine Nieren lagen nicht nur in diesem Bild klar vor Müllers Hirn
    foto: harald fidler

    Meine Nieren lagen nicht nur in diesem Bild klar vor Müllers Hirn

Und warum die STANDARD-Weihnacht heuer sprudelnd unbedenklich ausfällt - Harald Fidler gibt sich quotengeil wieder eine Kugel

Morgen, Kinder, wird's was geben. DER STANDARD feiert Weihnacht. Sie werden möglicherweise übermorgen, Donnerstag (.at), oder überübermorgen, Freitag (Print), erahnen, wie das Fest so war. Womöglich auch noch Mittwochnacht per Schmecks-Twitterei, aber dafür will ich nicht garantieren. Wobei ich mein persönliches Gefahrenpotenzial heuer eher kompakt bewerte.

Kein Vergleich mit 2008, so als Beispiel. Da feierten die beiden Hälften der Standard Medienwelt noch in den so genannten Prunkräumen des Druckorgans, die wir in einem Jahr auch ganz verlassen haben werden, was mich vor allem vegetarisch schmerzt. Da, zurück zur Weihnacht nullacht, schwang noch mehr mit als der Hauch deutschen Sinnes für Exzess* mit Kronleuchtern. Da wars echt ernst mit den Getränken. Ich sage nur: Bründlmayer. Dieser erfrischendste Aushilfsblogger auf derStandard.at steuerte, willentlich oder sonstwie erfreulich, den wunderbarsten aller Sekte, jedenfalls dieses Landes, bei zur Feier.

No Willy, no cry

Schön, dass es heuer Sekt von Malat gibt bei der Fete. Ein "prickelnder Genuss", wie mir der Pichler Verlag versichert, dessen Name in manchen deutschen Regionen definitiv zum Thema passen würde. "Sekt aus Österreich", leider alles andere als ein schönes und elaboriertes Buch. Der  Sektwinzer dieser Weihnachtsbetriebsfeier kommt ab Seite 72 vor, und ich schätze ihn, ohne Zweifel. Aber: Kein Bründlmayer, keine Gefahr.

Alles Müller,

Was hat das alles mit Tobias Müller zu tun? Er ist a) kein Deutscher, ich habe b) mit ihm meines Wissens bisher keinen Sekt getrunken, und c) leider schon gar keinen Bründlmayer, d) würde das wohl auch keine zweieinhalb Jahre anhalten, wobei der Mann e) ja immerhin sehr gut kochen soll. Womit wir, praktisch ohne Umschweife, beim Thema wären.

...oder was?

Während Schmeck's, neben der Logorrhoe natürlich, dem Universaldilettantismus huldigt, widmet sich Herr Müller ernsthaft dem Kochen. Ein feiner Zug, finde ich, teile diese Einschätzung aber offenkundig nicht mit Aberhunderten Posterinnen und wohl auch -ern. Wo-bei...

Fette Gans...

...ja: Gänsen eine Fettleber beizubringen, ist wirklich nicht der netteste Vorgang. Ich, wiewohl nicht gerade der Entenfellner des Fressjournalismus, überlasse die Foie Gras gerne dem ebenso unbeirrbaren wie unerschrockenen Mitesser Konstantin Hilberg. Und koste halt dann doch ein Eck vom Glück. Inkonsequenz, dein Name ist Fidler.

Herr Müller behauptet ja, ihn hätten die Reaktionen auf seinen Blogeintrag überrascht. Zugegeben, er zeigte mit dem, trotz heftiger Gänselebervorkommen völlig gänseleberfreien Titel "Das beste Fett derWelt" eine Form von Understatement, das dem quotengeilen Schmeck's vollkommen fremd ist. Dieser kleine, dreckige Gastroblog geht ja genau dann mit Tobias Müller essen, wenn dessen Leber fette 600 und wohl bald 700 oder 800 Postings hat. Respekt!

...aber ganz ungestopft

Ein kleines Dankeschön sollte es werden, für Müllers Schmeck's-Beiträge wie zuletzt jenen über fried rats und andere burmesische Spezialitäten. Müller wünschte sich Innereien. Weil davon schon praktisch alle üblichen Verdächtigen bei Schmeck's abgefrühstückt waren, kamen wir gerne auf den Tipp von currypowder zurück und gaben uns die goldene Kugel in der Lazarettgasse. Wir haben es nicht wirklich bereut.

Die Kuttelsuppe nach Prager Art hatte sich Müller schon gesichert. Papriziert, aber nicht zu sehr, die Kutteln fest, also eine feine Sache. Mir blieb da für den Themenabend Innereien vorspeisentechnisch eigentlich nur die - ja: Gänseleber, eingegossen in Eigenfett. Viel Eigenfett, sehr beherzt gewürzt, in diesem Rexglas. Aber auch Leber. Ein kluger Schachzug Müllers, mich von seinen Lebereien ablenken zu lassen. Aber, nach unserem gemeinsamen Befund: Diese Gans hat sich das Stopfen offenbar ersparen können. Glück für sie, durchaus kein Pech für uns.

Meine Nieren vor seinem Hirn

Beim zweiten Gang zog ich davon: Müllers Hirn war gut, nur die Panier drumrum etwas hart und vielleicht auch ein bisschen zu üppig ausgefallen. In Summe aber schon ordentlich. Meine Nieren hingegen wirklich, wirklich, wirklich gut. Viel Zwiebel, schön knackig, Müller waren sie ein bisschen zu knackig. Aber dem Mann war ja schon das Eigenfett ein bisschen zu fett.

Den nächsten Innereien-Themenabend haben wir für Jänner angepeilt. Doch schon nach Kutteln, Hirn und einem kleinen, bis auf die unangenehm knofeligen Apfelscheiben nicht weiter aufregenden Käseteller ächzte der Mann doch tatsächlich, dass er nächstes Mal einen Gang herunterschalten will. Müller! Üben, üben, üben!

PS: Ich übe einstweilen für die Weihnachtsfeier mit Cremant de Borgogne, Millesimé 2007, provided by Quendler, dessen Bruder Jahrgang 2002 schon ganz früh bei Schmecks eine wesentliche Rolle spielte. Sagen Sie jetzt nicht, ich wäre sentimental.

* Den einprägsamen Auftritt eines Mitarbeiters aus Deutschland bei einer früheren Weihnachtsfeier beschrieb die Berliner taz ausführlich, aber etwas einseitig unter dem Titel "Anarchy in Austria".

Schmecks ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.

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Cremant de Bourgogne

schade wegen dem hirn... die nougatgriesknödeln als krönender abschluß wären wahrscheinlich die bessere wahl gewesen. schöne feiertage euch allen!

Müllers Hirn war gut

Jetzt erklärt sich der Artikel von Müller von selbst ;-)

wer mag schon ungestopfte gänseleber :-)

ich mag auch ungestopfte gaenseleber. gebraten vorzugsweise. und nicht zu fett dann :)

Schaut alles sehr gut aus. Aber wie kommen's auf die Idee das die Gans ungestopft ist?

Weil dieser Artikel sonst das zehnfache an Kommentaren hätte? :)

1.000 Gramm und mehr

als erstes schaut man sich die Leber an
(Zwangsmast führt zu einer krankhaften Leberverfettung, bei der das Organ in nur wenigen Wochen auf ein Gewicht von 1.000 Gramm und mehr anschwillt. Das entspricht dem zehnfachen Gewicht einer gesunden Leber.')
und wenn das Viecher ziemlich fett is könnte das auch ein Hinweis sein...

mir ist in meinem leben noch keine leber über 1000g untergekommen, und glaubens mir ich hab schon etliche mengen an gänseleber verarbeitet.
(wegen der roten stricherln) :-)

mein Freund, da is eine für dich ;)

http://www.youtube.com/watch?v=-i6RTOGD4Ks

krankhafte veränderung?

kompletter blödsinn, das kommt davon, wenn man immer von sich auf andere, in diesem fall gänse und enten, schließt. das sind zugvögel, die energie in der leber speichern können. die leber schwillt ab, sobald die viecher nicht mehr fressen können so viel sie wollen bzw. sollen. informierens ihna bevor sie stuss verbreiten

http://www.vier-pfoten.at/output.ph... dfile=2935

Normalerweise würd ich bei der Belehrung eines Ahnungslosen auch noch die Fremdwörter aus dem Text erklären, aber als Strafe für Ihren Hochmut laß ich sie selber nachschlagen.

der Geschmack wurde nicht beurteilt.

geh wolfi! dein scheinheiligenscheinleuchtet dir den weg ins paradies der tiere!

vielleicht

Groesse? Farbe? Konsistenz?

Naja, wenn da Leberstückeln im Eigenfett stecken fällt die Sache mit der Größe als Kriterium schon einmal weg...

das

stimmt auch wieder

Jeder der beim letzten kulinarischen Beitrag so wie ich auch Appetit auf Gänselber bekommen hat

sollte sich folgendes durchlesen:

http://www.pro-iure-animalis.de/dokumente... er_www.pdf

So einen Bericht kann man wohl über den Großteil der von uns konsumierten Lebensmittel herstellen. Ich freu mich auf meine nächste foie gras!

Es ist eine Frechheit,

dass das Produkt noch immer beim S. beworben wird.

Ich freu mich sehr, dass beim S. das ganze Tier gegessen wird.

problemloser als das Grillhenderl

vom Mr. Anonym ist es allemal

...und man muss auch dafuer

keine Werbung beim S. machen.

dann bleibt

aber wenig, was man ueber die hl. Abendtafel schreiben koennte

Bloedsinn.

Und zwar ein grosser.

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