Resistenzen

Die List der Tuberkulose-Erreger

19. Dezember 2011, 22:31

Kompensationsmutationen dürften ihre verminderten Vermehrungsraten erhöhen

Basel - Tuberkulose ist nach wie vor eine der wichtigsten Infektionskrankheiten - nach Schätzungen der WHO sterben weltweit jährlich über 1,8 Millionen Menschen daran. Die Krankheit ist zwar mit Antibiotika behandelbar, die zunehmende Medikamentenresistenz des Erregers M. tuberculosis gilt jedoch als ernsthafte Bedrohung. Forschende des mit der Universität Basel assoziierten Schweizerischen Tropen- und Public Health Instituts haben untersucht, warum antibiotikaresistente Bakterien oft weniger ansteckend als die nichtresistenten Erreger sind, aber dennoch in den vergangenen Jahren weltweit ein starker Anstieg von multiresistenten Tuberkulosebakterien beobachtet wurde.

Bereits bekannt war, dass die antibiotikaresistenten Bakterien oft weniger ansteckend sind, weil die Mutationen, die zu den Resistenzen führen, den normalen Stoffwechsel beeinträchtigen. Im Fachjournal "Nature Genetics" publizierte die Forschungsgruppe um Sébastien Gagneux nun eine mögliche Erklärung für die Verbreitung der multiresistenten Erreger: Die Forscher entdeckten in der RNA-Polymerase von multiresistenten Tuberkulosebakterien sogenannte Kompensationsmutationen, die zu einer erhöhten Ansteckung beitragen, ohne zu einem Verlust an Resistenz zu führen. Kompensationsmutationen sind spezifische Mutationen, welche die wegen der erworbenen Resistenz verminderte Vermehrungsrate eines Organismus wieder erhöhen.

Die Analyse einer großen Anzahl klinisch isolierter M. tuberculosis-Bakterien hatte gezeigt, dass Kompensationsmutationen in jenen Ländern am häufigsten auftreten, in denen das Problem der multiresistenten Tuberkulose am größten ist. Dies deute darauf hin, dass diese Kompensationsmutationen bei der Übertragung multiresistenter M. tuberculosis eine wichtige Rolle spielen, so die Forscher. (red)

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