Kompensationsmutationen dürften ihre verminderten Vermehrungsraten erhöhen
Basel - Tuberkulose ist nach wie vor eine der wichtigsten Infektionskrankheiten - nach Schätzungen der WHO sterben weltweit jährlich über 1,8 Millionen
Menschen daran. Die Krankheit ist zwar mit Antibiotika behandelbar, die zunehmende Medikamentenresistenz des Erregers M. tuberculosis gilt jedoch als ernsthafte Bedrohung. Forschende des mit der Universität Basel assoziierten Schweizerischen Tropen- und Public Health Instituts haben untersucht, warum antibiotikaresistente Bakterien oft weniger ansteckend als die nichtresistenten Erreger sind, aber dennoch in den vergangenen Jahren weltweit ein starker Anstieg von multiresistenten Tuberkulosebakterien beobachtet wurde.
Bereits bekannt war, dass die antibiotikaresistenten Bakterien oft weniger ansteckend sind, weil die Mutationen, die zu den Resistenzen führen, den normalen Stoffwechsel beeinträchtigen. Im Fachjournal "Nature Genetics" publizierte die Forschungsgruppe um Sébastien Gagneux nun eine mögliche Erklärung für die Verbreitung der multiresistenten Erreger: Die Forscher entdeckten in der RNA-Polymerase von multiresistenten
Tuberkulosebakterien sogenannte Kompensationsmutationen, die zu einer
erhöhten Ansteckung beitragen, ohne zu einem Verlust an Resistenz zu
führen. Kompensationsmutationen sind spezifische Mutationen, welche die
wegen der erworbenen Resistenz verminderte Vermehrungsrate eines
Organismus wieder erhöhen.
Die Analyse einer großen Anzahl klinisch isolierter M. tuberculosis-Bakterien hatte
gezeigt, dass Kompensationsmutationen in jenen Ländern am häufigsten
auftreten, in denen das Problem der multiresistenten Tuberkulose am
größten ist. Dies deute darauf hin, dass diese Kompensationsmutationen
bei der Übertragung multiresistenter M. tuberculosis eine wichtige
Rolle spielen, so die Forscher. (red)