Viele Regeln für die Schule im Schnee

19. Dezember 2011, 18:41
  • Kinder pflügen den Schnee. Skischulen müssen allerlei Gesetzestexte durchackern, bevor sie Unterricht geben dürfen. Jedes Bundesland - außer dem Burgenland - hat sein eigenes Skischulgesetz.
    foto: apa/barbara gindl

    Kinder pflügen den Schnee. Skischulen müssen allerlei Gesetzestexte durchackern, bevor sie Unterricht geben dürfen. Jedes Bundesland - außer dem Burgenland - hat sein eigenes Skischulgesetz.

Acht Ländergesetze in Österreich für Unterricht im Schnee: Immer mehr Skilehrer drängen auf Selbstständigkeit, scheitern aber an den Rahmenbedingungen

Bregenz/Wien - Der heimische Skitourismus kommt langsam, aber doch in die Schwünge. Und damit auch die 15.000 Ski- und Snowboardlehrer, die hauptsächlich für österreichweit knapp 600 Skischulen arbeiten. Da die Alpenrepublik bis in die Bergspitzen föderalistisch organisiert ist, hat jedes Bundesland - mit Ausnahme des Burgenlandes - sein eigenes Skischulgesetz. Die Regelungen sind so unterschiedlich, dass ein Vergleich unmöglich sei, meint der Tiroler Wirtschaftsberater Christian Fritz, der gerade sein Handbuch zu den Schischulgesetzen (LexisNexis-Verlag) auf den Markt gebracht hat.

Im Einzelnen gibt es kurios erscheinende Regelungen, die von ständig neuen Fun-Sportideen geprägt sind: Kite-Skiing kann in Tirol beispielsweise jeder unterrichten, der sich dazu befähigt fühlt. Denn das Skischulgesetz bezieht sich ausdrücklich nur auf das Sich-Bewegen auf Geräten mithilfe menschlicher Kraft und/oder Schwerkraft. Sich auf Skiern von einem Drachen ziehen zu lassen, fällt hingegen eindeutig unter Windkraft. Und die schwebt auf der Schneepiste im rechtsfreien Raum.

Skibobs nicht gleich bewertet

Kniffliger sind da schon Wasserskier: Ändert sich der Aggregatzustand der Unterlage von flüssig auf fest, wird die Fortbewegung zu einer Art des Skilaufens und - theoretisch - ein Fall für die Skischule.

Für alles, was Kufen hat, kann man nirgendwo einen Skilehrer engagieren. Skibobs wiederum werden nicht überall gleich bewertet. Für Salzburg entschied der Verfassungsgerichtshof, dass der Bob, obwohl auf Skiern montiert, nicht in den Zuständigkeitsbereich von Skischulen fällt. Für Tirol wurde das Höchstgericht noch nicht bemüht, doch Christian Fritz geht davon aus, dass in seiner Heimat der im Skischulgesetz sehr weit gefasste Passus "Bewegung im Schnee" greift und Skischulen auch Skibobfahren anbieten dürfen.

Gibt es keine Winterlandschaft, können Skilehrer nicht einfach auf Bretteln ohne Schnee umsteigen: beim Matten-Skispringen oder Gras-Skilaufen endet die Kompetenz einer Skischule.

Lehrer gegen Schulen

In der Regel funktioniert die Symbiose von Skilehrern und Skischulen, doch immer mehr Lehrer drängen darauf, selbstständig zu werden. Was derzeit aber nur in Wien und seit Oktober auch in Tirol möglich ist, wie die Interessengemeinschaft staatlich geprüfter Skilehrer bedauert.

In den anderen Bundesländern scheitert der Versuch, eine EinPersonen-Skischule aufzubauen, an den Rahmenbedingungen. So sind etwa ein Büro und, was in vielen Skigebieten noch schwieriger ist, ein eigener Sammelraum für die Schüler vorgeschrieben. In Kärnten muss darüber hinaus jede Skischule eine eigene Toilette anbieten - für Einzelunternehmer, die jeweils nur einen Kunden betreuen, ein Ding der Unmöglichkeit.

Zunehmend Sorge bereitet Skilehrern außerdem die illegale Konkurrenz aus dem Ausland. Vor allem Gruppenreisen, die den Vorfahrer schon dabei haben, werden nicht gern gesehen. Um in Österreich tätig zu werden, muss ein ausländischer Skilehrer eine Skischulkonzession in seiner Heimat nachweisen. Immer öfter ist das aber nicht der Fall. Gebraucht werden hingegen ausländische Skilehrer, die die Ausbildung des heimischen Berufsskilehrerverbandes absolvieren und Gäste aus dem Ausland betreuen. In Salzburg kommt rund ein Viertel aller Skilehrer nicht aus Österreich. (Michael Simoner, DER STANDARD-Printausgabe, 20.12.2011)

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20 Postings
kann mich noch erinnern in den 1960ern in Obertauern:

Obertauern Nord = Koch (blau)
Obertauern Süd = Krallinger (rot)

dazwischen eine Demarkationslinie

österreich is so toll überorganisiert dass nix mehr weitergeht,.. wenns jetzt auch beim skisport scheitert?

Die Amerikaner griffen sich bei des Ansicht der Gewerbe-"Ordnung" nach dem Krieg auf den Kopf !

Angeblich sind etwa 70 % der derzeitigen Konzessionen per Dispens erteilt.

Anstatt staatliche Regulierung voranzutreiben, wäre totale Deregulierung wünschenswert. Staat halt dich aus den Angelegenheiten deiner freien Bürger raus!

Zumindest bei ungefährlichen Sachen.

Richtig!

Bei Gas- und Elektroinstallationen brauchts schon eine besondere Sorgfalt, die auch beweisbar sein muß, da wirds ohne strengere Überwachungen nicht gehen.
Aber sonst?
Im Lebensmittelbereich müßten stichprobenartige Hygieneüberprüfungen reichen, generell prüft sowieso das Arbeitsinspektorat und die Umweltbehörde.

Und bei Sachen wie Schilehrern muß doch der Nachweis der hierzulande gültigen Ausbildung genügen, und alle 5 Jahre ein Fortbildungsnachweis.

Naja, Brücken, Hochhäuser, Fahr- und Flugzeuge ...

Aber nicht bei jedem Schas.

naja es gibt halt angsthasen, die allen möglichen kleinkram für furchtbar gefährlich halten. wegen denen wird dann jeder mist durchreguliert.

Und weil die Regulierer/innen gut und bequem davon leben.

was soll diese blöde angabe? können uni profs nicht einmal rechnen?

"Er beantragt am 27.5.2007 die Bewilligung zur Errichtung und zum Betrieb einer Skischule
gemäß § 3 Abs 1 Vorarlberger Skischulgesetz. Fast zwei Jahre lang hört Herr Müller nichts
von der Behörde. Als es ihm im März 2008 zu bunt wird, begehrt er bei der Vorarlberger
Landesregierung Akteneinsicht."

Wenn er nach dem 27.05.2007 2 Jahre lang nichts von der Behörde hört, dann kann es ihm nicht im März 2008 bereits zu bunt sein ...

wollte dir den Beitrag gerade posten... ;)

Vielen Dank für den Artikel

Die Lobby der Skischulen ist übermächtig - seit vielen Jahrzehnten wird den österreichischen Skilehrern der selbständige Unterricht gesetzlich untersagt. Ein Umstand der den Verfassunggerichtshof immer wieder beschäftigt. Sobald eine Regelung als verfassungwidrig aufgehoben wird ersinnen die Landesregierungen mit mehr oder minder großer Kreativität eine andere Regelung die den selbständigen Unterricht unmöglich macht.

Anders in anderen Alpenländern - In Frankreich, Italien und der Schweiz ist der selbständige Unterricht durch staatliche Skilehrer (die höchste Ausbildungsstufe) selbstverständlich. Ergebnis : ein ungleich höherer Anteil an staatlichen Skilehrern.

Recht herzlichen Dank für ihren Artikel, Herr Simoner. er hilft uns sehr.

Weil hinter den Schischulen die Fremdenverkehrsmafia steht - übrigens hochverschuldet.

Spezialfall Vorarlberg:

Alle müssen bei Schischulen arbeiten, werden aber als Selbstständige geführt (Sozialversicherung wird einfach betrogen). DAs BESTE daran: Alles mit SEGEN des HERRN LANDESHAUPTMANN i.R. Sausgruber!

So wie bei den Zeitungskolporteuren und Austräger/inn/en.

auch als Lex Dichand bekannt

Angeblich andernfalls eine Existenzvernichtung aller Zeitungen und Zeitschriften.

Und wieder einmal: Bitte die Bundesländer abschaffen!

Viel Regen für die Schule im Schnee

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