Bebenwarnung im zentralasiatischen Ruhepol

Analyse | Josef Kirchengast, 20. Dezember 2011, 06:27
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    Was immer er da sieht - der kasachische Staatschef Nursultan Nasarbajew (re.) scheint darüber nicht erbaut. Aber trotz der angespannten Lage in seinem Land nahm Nasarbajew am Montag in Moskau mit seinen Amtskollegen Dmitri Medwedew (Russland; Mitte) und Alexander Lukaschenko (Weißrussland) am Gipfel des Eurasischen Wirtschaftsrates teil.

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Kasachstan gerät durch gewaltsame Zwischenfälle und Revolten von Ölarbeitern immer mehr in Schräglage

Astana/Wien - Dialogangebot an die revoltierenden Ölarbeiter, Ausnahmezustand in der Unruhestadt Schanaosen vorerst bis 5. Jänner: Die Doppelstrategie, mit der Kasachstans Staatschef Nusultan Nasarbajew auf die jüngsten blutigen Zwischenfälle reagiert, funktionierte nicht. Am Montag versammelten sich rund 3000 Menschen in der Stadt Aktau am Kaspischen Meer. Sie forderten die Behörden auf, die Truppen aus dem nahe gelegenen Schanaosen abzuziehen und die Gewalt zu beenden.

In Schanaosen demonstrieren Arbeiter seit Monaten für höhere Löhne. Am Freitag geriet die Situation außer Kontrolle. Nach offiziellen Angaben kamen zehn Menschen, laut Menschenrechtsaktivisten aber mehr als 70 ums Leben, als Sicherheitskräfte das Feuer eröffneten. Ein weiterer Mensch starb laut Mitteilung der Behörden bei Ausschreitungen in Schetpe, wo Demonstranten am Samstag einen Zug mit mehr als 360 Passagieren angehalten hatten, um Unterstützung für ihren Protest zu erhalten.

In einer Rede an die Kasachen stellte Nasarbajew am Samstag die Situation so dar, als habe der Arbeiterprotest nichts mit den Gewalttaten zu tun. Deren Urheber würden gefunden und bestraft. Mit den Arbeitern werde die Regierung verhandeln.

Die Unruhen haben Nasarbajew die Feier zum 20. Jahrestag der Staatsgründung verdorben. Am 16. Dezember 1991 hatte Kasachstan als letzte von 15 Sowjetrepubliken seine Unabhängigkeit erklärt. Nasarbajew, der schon zu Sowjetzeiten als kasachischer Parteichef der mächtigste Mann der Republik war, inszeniert sich als Vater der kasachischen Nation. Dazu gehört auch die aus dem Steppenboden gestampfte neue Hauptstadt Astana.

In Kasachstan, dem neuntgrößten Flächenstaat der Erde, leben mehr als 50 ethnische Gruppen mit jeweils mehr als tausend Angehörigen, die sich auf über 40 Religionen verteilen. Kritik am autoritären Charakter seines Regimes ließ Nasarbajew bisher stets mit dem Hinweis abschmettern, dass er große Zustimmung im Volk genieße und Kasachstan, im Gegensatz zu den übrigen zentralasiatischen Ex-Sowjetrepubliken, weder ethnische noch religiöse Konflikte kenne.

Diese Argumentation verfing auch im Westen und trug dazu bei, dass Kasachstan im Vorjahr - als erste Ex-Sowjetrepublik und als erstes asiatisches Land - den Vorsitz in der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) führen konnte. Hoffnungen auf eine Stärkung der Menschenrechte und der Meinungsfreiheit erfüllten sich jedoch nicht. Menschenrechtsorganisationen sehen eher eine gegenteilige Tendenz.

Inzwischen scheint aber auch Kasachstans Rolle als regionaler Stabilitätsfaktor gefährdet. In jüngster Zeit häufen sich gewaltsame Zwischenfälle mit offenkundig terroristischem, aber auch unklarem Hintergrund. Anfang Dezember erschossen Sicherheitskräfte bei einem Großeinsatz mehrere Islamisten. Kasachstan mit seinen riesigen unbesiedelten Steppen gilt als ein Rückzugsgebiet afghanischer Extremisten, die über die diktatorisch regierten Nachbarrepubliken Turkmenistan, Usbekistan und Tadschikistan ins Land kommen.

Die kasachischen Staatsmedien versuchen die jüngsten Unruhen denn auch mit Aufwiegelungsversuchen nicht näher genannter Extremisten zu erklären. Die wahren Ursachen bleiben, abgesehen von der Unzufriedenheit der Ölarbeiter, im Dunkeln. Dass sie breitere Dimensionen und vor allem mit steigendem Unmut über die Korruption im System zu tun haben, lässt sich an der von Nasarbajew überraschend für Jänner angesetzten Parlamentswahl ablesen. Der Staatschef befand plötzlich, es reiche nicht, dass nur eine Partei - seine - das Volk vertritt. (DER STANDARD Printausgabe, 20.12.2011)

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21 Postings
Helicopterman
20
20.12.2011, 12:23
Jetzt wäre

ein Kommentar von Borat zur Sache hilfreich...

Teufelsbraut, Guter Heinrich und Judenkraut
10
20.12.2011, 12:17

Liest Herr Kirchengast eigentlich seine eigene Zeitung? Sogar bis in die Standardredaktion hat es sich herumgesprochen, dass nach offiziellen Angaben 13 Menschen ungekommen sind, nicht 10. Aber es ist ja nicht das 1. Mal, dass gschlampert recherchiert und dann widersprüchlich berichtet wird (besonders in den Artikeln dieses Autors).
Ich hoffe, er nimmt sich das zu Herzen!

Aristarch
11
20.12.2011, 13:48
Echt, zu Kasachstan gibt es einen "mainstream"??

Gegen einen "mainstream" zu sein, ist kein Wert an sich und auch nicht automatisch ein Zeichen für Qualität.

Lustig ist es allerdings, wenn man sich bei einem Thema, zu dem es noch gar keinen "mainstream" gibt, vom "mainstream" abgrenzen will!

sonja grusch
00
20.12.2011, 10:14
infos

thomas forster1
20
20.12.2011, 09:29
EUROPA-ASIEN grenze

den ural runter, durchs kasoische meer, der ararat, also kaukasus ist europa, dann die durchs schwarze meer und bosporus und dardanellen . . . .

Johannes Benn
00
20.12.2011, 17:49
.

und trotzdem wird wohl die tuerkei in die eu aufgenommen bevor mit den christlichen laendern georgien und armenien auch nur beitrittsverhandungen aufgenommen werden, das ist verrueckt

blackrat
11
20.12.2011, 08:14
Europa

Interessant, wie Europa immer größer wird.

In der Schule hab ich noch gelernt, dass die Türkei teilweise in Asien liegt. Heute gehört zu Europa:

Türkei, Georgien, Armenien, Aserbeidschan (dank Song Cong Test)
sowie: Kasachstan, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgistan und Taschikistan.

jaen-dos
00
22.12.2011, 07:02

und wo steht was von Turkmenistan, Usbekistan,Kirgistan oder Tadschikistan?

Johannes Benn
00
20.12.2011, 17:50
.

man kann die grenzen geographisch, ethnisch, religioes definieren. demnach waere zum beispiel armenine teil europas aserbeidschan aber nicht

Club-der-dichten-Toten
00
20.12.2011, 17:35

Es gibt keine allgemein anerkannte und unumstrittene Definition der Grenze zwischen Europa und Asien. Vielmehr folgte die Grenzfestlegung wechselnden historischen und weltanschaulichen Kriterien und war daher im Lauf der Zeit immer wieder Änderungen unterworfen. Heutzutage wird als „Grenze“ das Uralgebirge, der Uralfluss, das Kaspische Meer, die Manytschniederung (die einst als Meeresstraße das Kaspische Meer mit dem Schwarzen Meer verband), das Schwarze Meer, der Bosporus, das Marmarameer und die Dardanellen angesehen. Umstritten ist insbesondere der Bereich zwischen Kaspischem Meer und Schwarzem Meer, wo oftmals der Hauptkamm des Kaukasus für die Grenze Europas gehalten wird.

http://de.wikipedia.org/wiki/Geog... ie_Europas

cheesus
00
20.12.2011, 11:32

die 5 von dir letztgenannten zaehlen alle zu zentralasien. in einer globalisierten welt kommt es allerdings vor dass laender auch in buenden und events vertreten sind die von anderen kontinenten als ihrem eigenen ausgehen. was ist das problem dabei?

brachliegende Werbefläche
00
20.12.2011, 10:12

dass Kirgisistan, Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan zu Europa gehören, hab ich noch nie gehört oder gelesen.

Aristarch
02
20.12.2011, 09:52
Kasachstan und die Türkei liegen eindeutig auch in Europa.

Der Westen von Kasachstan liegt westlich des Ural-Flusses.

Beim Kaukasus war die geographische Abgrenzung Europas immer unklar. Es war eine politische Entscheidung des Europarates die Staaten Georgien, Armenien, Aserbeidschan auszunehmen.

Dass auch Turkmenistan, Usbekistan, Kirgistan und Taschikistan zu Europa gehören würden, hat niemand behauptet.

armin delmenhorst
 
10
20.12.2011, 09:19
Richtig

Dabei geht es den Machthabern nicht um die "Völkerverbindung" sondern ums pure Abcashen. Auch beim Fußball-Cup udgl. sollte streng getrennt werden. Im Prinzip würden damit diese Regionen aufgewertet. Das steht ja einer Zusammenarbeit und dem gegenseitigen Respekt nicht im Wege. Gerade die Türkei sollte man lassen, wo sie ist. Gegebenenfalls noch ein paar Millionen Paßeuropäer nachhause schicken.

Gleiches gilt für Israel, das in Asien liegt, aber im Fußball, Songcontest, etc. bei den Europäern ist. Nicht stringent und lässt sich auch nicht mit den Verbrecher der Nazis erklären. Natürlich gehören sie in den Asien-Cup. Zypern wurde wegen der Griechen sogar in die EU aufgenommen (sic!), obwohl es nicht in Europa liegt. Usw.

jaen-dos
00
22.12.2011, 07:05
aha Israel liegt also in Asien)))

nicht schlecht

Standard Leser4
 
00
22.12.2011, 18:49

Sie sollten sich wirklich einen Atlas kaufen, dann werden Sie sich weniger blamieren.
Natuerlich zaehlt "Israel" geografisch zu "Vorderasien"
da ja der "Nahe Osten" kein eigener Erdteil ist !

armin delmenhorst
 
01
22.12.2011, 10:55
Wo wird es denn von Ihnen lokalisiert?

armin delmenhorst
 
01
22.12.2011, 10:55
Ja!

f_ad
22
20.12.2011, 09:10

Im Unterschied zu anderen Kontinenten hat Europa keine eindeutige geographische/geologische Grenze (Eurasische Kontinentalplatte).

##V+##
01
20.12.2011, 07:32
Nasbarjew: Der beschäftigt unter anderem unseren Altkanzler Gusenbauer

Hat aber auch beste Beziehungen zum Mittelständler (Eigendefinition - lol) Bartenstein.

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