Kanzlerin traf Thaci in Prishtina
Prishtina - Bei ihrem Besuch im Kosovo hat die deutsche
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag Prishtina und Belgrad
zur Umsetzung der beschlossenen gemeinsamen Grenzkontrollen
aufgefordert. "Es ist notwendig, dass wir vor allen Dingen zu
vernünftigen Umgangsformen kommen", sagte Merkel angesichts
wiederholter Zusammenstöße zwischen Serben und Kosovo-Albanern im
mehrheitlich von Serben bewohnten Norden des Kosovo. Die gemeinsamen
Grenzkontrollen seien zwar "auf dem Papier vereinbart", aber noch
nicht implementiert. Die EU hatte Anfang Dezember einen Vorschlag
ausgehandelt, wonach die umstrittenen Grenzposten im Norden des
Kosovo künftig gemeinsam verwaltet werden sollen.
Serbien muss Beziehungen zu Kosovo verbessern
Zur Frage der EU-Beitrittskandidatur für Serbien sagte die
Kanzlerin, es sei in direkten Gesprächen deutlich gemacht worden,
"was wir uns wünschen". Notwendig sei ein "vernünftiger
Warenverkehr", was wegen der Barrikaden derzeit nicht möglich sei.
Beim jüngsten EU-Gipfel hatten die Staats- und Regierungschefs der EU
es abgelehnt, Serbien schon jetzt den Status als Beitrittskandidat
zuzubilligen. Vor allem Deutschland hatte gefordert, dass Serbien
zunächst seine Beziehungen zum Kosovo verbessern müsse.
Der Regierungschef des Kosovo, Hashim Thaci, sagte, er habe Merkel
versichert, dass sein Land alle Verpflichtungen erfüllen werde. "Für
Kosovo ist sehr klar, wo Kosovo sein möchte, nämlich ein Teil der
Europäischen Union und der NATO." Zugleich räumte er ein, dass das
Land noch vor großen Herausforderungen wie der Bekämpfung der
organisierten Kriminalität und der Korruption stehe.
Serbien erkennt Unabhängigkeit des Kosovo nicht an
Der Norden des Kosovo an der Grenze zu Serbien ist seit Monaten
Schauplatz von Feindseligkeiten zwischen Kosovaren und Serben.
Hintergrund war ursprünglich ein Handelsstreit zwischen Serbien und
seiner einstigen Provinz. Serbien erkennt die Unabhängigkeit des
Kosovo nicht an und betrachtet die Übergänge nicht als offizielle
Grenzposten zwischen zwei Staaten. Bei Angriffen serbischer
Demonstranten auf Soldaten der NATO-Truppe KFOR waren zuletzt
zahlreiche Soldaten verletzt worden, darunter viele Deutsche. (APA)