Sohn Kim Jong-un Nachfolger

Alarmstimmung in Ostasien nach Tod von Kim Jong-il

Johnny Erling aus Peking, 19. Dezember 2011, 18:10

Amnesty International berichtet von politischen Säuberungen - Begräbnis am 28. Dezember

Der plötzliche Herztod des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-il am Samstag, der 48 Stunden geheim gehalten wurde, hat die gesamte asiatische Region von Südkorea bis Japan in Alarmstimmung versetzt. Südkoreas Militär ordnete die Beobachtung der Grenzen des aggressiven Nachbarn an, der wiederholt Angriffe verübt hatte. Die Armee wurde in Alarmbereitschaft gesetzt. Präsident Lee Myung-bak versammelte den Nationalen Sicherheitsrat zur Krisensitzung und rief die Südkoreaner auf, Ruhe zu bewahren. Ein nordkoreanischer Raketentest vom Montag - Pjöngjang ließ Kurzstreckenraketen ins Japanische Meer abfeuern - stehe nicht im Zusammenhang mit dem Tod Kims.

US-Präsident Barack Obama versicherte laut Weißem Haus Südkoreas Präsident am Telefon, dass die USA Seoul zur Seite stehen. In Tokio tagte der Sicherheitsrat.

Die Nachfolge von Kim senior steht fest. Sein Sohn Kim Jong-un (28) soll ihn politisch beerben. Nordkoreas Nachrichtenagentur KCNA schrieb, dass die "Koreanische Revolution von Kim Jong-un angeführt wird" . In einem Kommuniqué des ZK der Arbeiterpartei, der beiden Militärkommissionen des Landes und des Präsidiums von Nordkoreas sogenanntem Parlament wurden alle Parteimitglieder und Militärs zu "Treue und Loyalität" gegenüber dem "verehrten Genossen" aufgerufen.

Zehn Tage Staatstrauer

Nordkorea, das seit 2006 mit einem unterirdischen Atomtest seinen Anspruch, Atommacht zu sein, demonstrierte, ordnete Staatstrauer vom 19. bis 29. Dezember an. Dem Trauerkomitee gehören 200 der höchsten Repräsentanten aus Armee und Regierung an. Den Vorsitz hat der Sohn. Das Staatsbegräbnis wird am 28. Dezember in Pjöngjang stattfinden. Ausländische Staatsgäste werden nicht eingeladen. Der Leichnam Kims wird im Kumsusan-Mausoleum in Pjöngjang zur Abschiednahme der Bevölkerung aufgebahrt. In dem gigantischen Mausoleum liegt auch die in einem gläsernen Schrein aufbewahrte, einbalsamierte Leiche seines Vaters.

Chinas und Japans Regierungen kondolierten nach wenigen Stunden Nordkorea zur Todesnachricht. Die Nachrichtenagentur Xinhua hatte als Erste Montagvormittag die von Nordkoreas KCNA bekanntgegebene Todesnachricht weitergemeldet. Demnach war der Diktator, der seine 24 Millionen Untertanen mit eiserner Faust regierte, auf einer Zugreise am Samstag um 8.30 Uhr an physischer Erschöpfung und Stress kollabiert. "Er starb durch große mentale und physische Anstrengung auf einer Inspektionstour durchs Land." Um Gerüchten eines Attentates zuvorzukommen, gab KCNA erstmals bekannt, dass Kim, der im August 2008 einen Schlaganfall erlitten hatte, seit "langer Zeit in medizinischer Behandlung wegen seiner Herzerkrankungen war. Er erlitt einen akuten Herzinfarkt."

Der Tod des Führers wurde in Nordkorea beinahe theatralisch betrauert. Kim wäre am 16. Februar 70 Jahre alt geworden. Er bereitete gerade pompöse 100-Jahr-Feiern zum Geburtsjubiläum seines Präsidentenvaters Kim Il-sung vor. Mit dessen Geburtstag beginnt die Saga von Nordkoreas Familiendynastie.

Peking tappt im Dunkeln

Pjöngjangs wichtigster politischer und wirtschaftlicher Verbündeter ist die Volksrepublik China. Kim besuchte sie seit 2000 siebenmal, seit Mai 2010 allein dreimal. Doch auch für Chinas Nordkorea-Experten kam die Todesnachricht unerwartet. "Auch wir tappen meist über die Vorgänge beim Nachbarn im Dunkeln" , sagt der Nordkorea-Experte an der Parteihochschule Zhang Liangui.

Kim junior ist ein unbeschriebenes Blatt. Er war offiziell noch auf keiner der Reisen des Vaters nach China und nach Russland dabei. Der einzige ausländische Politiker, der den Sohn mit dem Vater zusammen traf, war Zhou Yongkang, Chinas oberster Sicherheitsfunktionär. Er war Ehrengast bei der nordkoreanischen Militärparade Ende 2010, wo Vater und Sohn den Aufmarsch beobachteten.

"Können nur spekulieren"

Zhang, der einst in Pjöngjang studierte und heute zu Chinas kenntnisreichsten Nordkorea-Experten zählt, sagt: "Wir kennen viel zu wenige Tatsachen, um uns ein Urteil über Kim Jong-un zu machen, wissen nicht, wofür er steht und vor allem nicht, wie stabil die Lage unter seiner Führung bleibt." Dabei gehe es vor allem um Innenpolitik und die Armee. "Wir können da nur spekulieren" .

Nordkorea gehört zu den intransparentesten Ländern der Welt. Das ist es auch für China, obwohl Peking mit Öl und Nahrungsmittel-Hilfen zum wichtigsten Energie- und Notversorger Nordkoreas und mit 3,5 Mrd. Dollar 2010 größter Handelspartner wurde.

Stratege Zhang verhehlt nicht, wie besorgt Peking über die undurchsichtige Gemengelage ist. Auch der pensionierte ehemalige Parteisprecher und außenpolitische Forscher Wu Xingtang warnt, dass Nordkorea vor einer Versorgungskrise mit Getreide im Winter steht. Vater Kim sei dabei gewesen, mit Reformen nach Art von China in Nordkorea zu experimentieren. "Wird der Sohn das weiterführen wollen und können?" , fragt sich Wu.

Das Gleiche gilt für die seit 2009 versandeten Sechs-Parteien-Gespräche, um die koreanische Halbinsel atomwaffenfrei zu machen. "Alles ist möglich" stimmt Zhang zu. Nordkorea sei jedoch ein zu kleines Land, um Chaos außerhalb seiner Grenzen auslösen zu können. Weil es den Kalten Krieg nicht mehr gebe, könnten selbst im Inneren ausbrechende Wirren nicht mehr zum Zunder für weltpolitische Konflikte werden. Die Experten verfolgen nun, wie die Trauerfeiern ablaufen, um daraus Schlüsse zu ziehen, wie fest Kim im neuen Sattel sitzt.

Auch die Atomenergiebehörde IAEO gab sich Montag betont vorsichtig: "Es ist zu früh, um abschätzen zu können, welche Implikationen der Tod Kims haben wird" , hieß es auf Anfrage des Standard. Die IAEO hat seit 2009 keine Einsicht mehr in die nordkoreanischen Anlagen erhalten.

Hunderte Verhaftungen

Amnesty International hat nach eigenen Angaben Hinweise, dass die nordkoreanische Regierung bereits am Montag politische Säuberungen durchführen ließ. Hunderte von Beamten seien hingerichtet oder in Straflager verbannt worden, weil sie eine Bedrohung für die Nachfolge durch Kim Jong Un darstellten.

Bereits als sein nun verstorbener Vater 1994 ins Amt kam, seien als Gegner wahrgenommene Menschen und deren Familien zu Zehntausenden in Straflager gesteckt worden. Politische Konkurrenten seien zudem in Geheimverhandlungen oder auch in Schauprozessen verurteilt und darauf hingerichtet worden. (DER STANDARD Printausgabe, 20.12.2011)


Links:

Ansichtssache: Nordkorea, ein Land im Herbst

Ansichtssache: Das Glück auf dem Planeten Nordkorea

Foreign Policy: Fotostrecke "The Land of no Smiles"

The Atlantic: Fotostrecke "Inside North Korea"

Reuters: Fotostrecke "Hungry in North Korea"

Huffington Post über die ersten Twitter-Reaktionen

Guardian: Great dynasties of the world: The Kims of North Korea

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 94
1 2 3
Träume sind Schäume.....
00
20.12.2011, 18:08
Es gibt zumindest ein Land, dass auf diesen tragischen Verlust der Menschheit entsprechend reagiert.

Der Staatsrat der Republik Kuba hat für den 20, 21 und 22. Dezember eine offizielle Staatstrauer wegen des Todes des Genossen Kim Jong-Il, Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates und Generalsekretär der Partei der Arbeit der Demokratischen Volksrepublik Korea angeordnet”, so die Erklärung, die in der Hauptnachrichtensendung verlesen wurde.

Während der Staatstrauer wird die kubanische Flagge an öffentlichen Gebäuden und militärischen Einrichtungen auf Halbmast gesetzt.

Das ist mal Freundschaft bis in den Tod ;)

Dagmar Rehak Wien
 
21
20.12.2011, 13:02
"US-Präsident Barack Obama versicherte laut Weißem Haus Südkoreas Präsident am Telefon, dass die USA Seoul zur Seite stehen."

In dieser schweren Stunde, oder wie?

rudi.ratlos
00
20.12.2011, 12:29
kim jong-un ist gefährlich,

seine lieblingsmusik ist modern talking.

Deß Dr. Gonzo Merck=Wuerdige Meynungen & Merckungen
 
01
20.12.2011, 12:08

hauptsache, kim il-song bleibt präsident.

Knochenmann
40
20.12.2011, 10:58

Wer war die größere Witzfigug: Rot: Kim, Grün: Gadaffi

Deß Dr. Gonzo Merck=Wuerdige Meynungen & Merckungen
 
00
20.12.2011, 16:01

witzfiguren waren beide nicht. der skurrilere, irrationalere war gaddafi.

(°)(°)
00
20.12.2011, 13:40

Zähl die Toten...

vheissu
22
20.12.2011, 12:05

Solche Diktatoren als Witzfiguren zu bezeichnen, grenzt an Verharmlosung und zeugt von einer gewissen Oberflächlichkeit...

gxe10sc
13
20.12.2011, 10:01

3/4 von den kommentaren zum tod von kim wären beim jobs nichtmal ansatzweise durchgegangen.

Bustardo
47
20.12.2011, 08:00

Nutzen wir die Chance und begraben den unheilbringenden Kommunismus endgültig!

Wir müssen den Staaten weltweit klar machen, dass wir als freie Bürger, keinerlei freiheitsraubende Eingriffe in unseren Alltag mehr gestatten.

Wir müssen wachsam sein, Staatsbetriebe zerschlagen und jedes Anzeichen von Überregulierung bekämpfen. Der Staat soll Rahmenbedingungen schaffen, die es uns erlauben selbstbestimmt zu leben. Jeder Steuereuro der darüber hinaus ausgegeben wird ist kommunistische Enteignung und gehört angeklagt.

Das Liebenswürdige Scheusal
 
02
20.12.2011, 13:21
"ist kommunistische Enteignung und gehört angeklagt"

Und wo klagens das an?

gefürstete grafschaft tirol
38
20.12.2011, 07:44
... und in Kuba ist wegen dem Wahnsinnigen Staatstrauer verordnet worden.

und jetzt soll moch einer das System auf Kuba verteidigen und gutheissen dann hat er wirklich einen riesen Klopfer!

wuestenfuchs
00
21.12.2011, 13:08

das machen die bei fast jedem ausländischen staatschef der stirbt.
war beim klestil auch so, und der war kaum kommunist.

Bitte drei Bier!
23
20.12.2011, 07:43
Immer schön anzusehen,

wie die Erste Reihe weint und heult, daß es die reine Freude ist.

Die dahinter stehen eher teilnahmslos herum (umher). Immer wieder köstlich, diese depperten Inszenierungen der Kim-Sekte.

anarch
11
20.12.2011, 06:30

Dem Nordkoreanischen Regime steht das Wasser doch noch mehr bis zum Hals, als damals dem DDR Regime.
Schaut nach dem ersten Konflikt USA-China aus. Die werden sich um Nordkorea mehr oder weniger in die Haare kriegen.

wuestenfuchs
00
21.12.2011, 13:10

es gibt genug krisenherde zwischen china und den usa, nordkorea zählt aber kaum dazu.

beide haben hier das selbe interesse: stabilität.
warum sollten sich die usa und china um einen flecken erde bekriegen, der ihnen nix bringt außer grenzenlose wiederaufbaukosten?

anarch
00
21.12.2011, 14:52
Man wird sehen

Wer kann das schon wissen

wuestenfuchs
00
21.12.2011, 19:46

jeder der sich mit der geostrategischen lage rudimentär auseinandergesetzt hat.

MeiBierIstDeppat
10
20.12.2011, 01:53

I didn´t know he was ill.

Der Zwersch
00
20.12.2011, 08:14

You made my day...

Funk1
21
19.12.2011, 23:48
jetzt wäre ein guter zeitpunkt für einen erstschlag

MiFi
00
20.12.2011, 20:11
Exakt - genau am Dec 28

Renegade Hardware Ltd.
01
19.12.2011, 23:48

selten kommt etwas besseres nach...

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