Ex-Internationaler Cristiano Doni angeblich auf Fluchtversuch gestellt
Rom - Nach der landesweiten Razzia mit der Festnahme von
17 mutmaßlichen Mitgliedern einer international agierenden Wettbetrügerbande
laufen die Ermittlungen wegen des Skandals im italienischen Fußball auf
Hochtouren. In den Sog der Untersuchung sind nach Angaben der Mailänder
Tageszeitung Il Giornale 35 Serie-A-Profis geraten, deren Namen vorerst nicht
bekannt gegeben wurden.
Drei Serie-A-Spiele der vergangenen Saison sind ins Visier der Staatsanwälte
der norditalienischen Stadt Cremona geraten, die im Skandal ermitteln. Dabei
handelt es sich um die Begegnungen Brescia-Bari, Brescia-Lecce und SSC
Neapel-Sampdoria Genua. Die Spiele sollen von einer internationalen
Wettbetrüger-Bande mit Sitz in Singapur manipuliert worden sein.
Noch diese Woche will die Staatsanwaltschaft in Cremona den früheren Kapitän
des Erstligisten Atalanta Bergamo, Cristiano Doni, und weitere aktive und
ehemalige Fußball-Profis wie Luigi Sartor, Alessandro Zamperini, Carlo Gervasoni
und Filippo Carobbio vernehmen, die am Montag festgenommen wurden. Obwohl der
38-jährige Doni bereits im Sommer wegen seiner Verwicklung in den Skandal zu
einer dreijährigen Sperre verurteilt worden war, stand er nach wie vor in
Verbindung mit der mutmaßlichen Wettbetrüger-Bande, behaupten die
Staatsanwälte.
Angeblich Fluchtversuch
Als ihn die Polizei in seiner Wohnung holte, soll der Stürmer laut Angaben
italienischer Medien versucht haben zu flüchten. Doni soll drei Zweitligaspiele
von Atalanta Bergamo im Frühjahr dieses Jahres manipuliert haben. Wegen
Beweisfälschung wurde er in Untersuchungshaft genommen. Doni hatte bisher die
Vorwürfe stets bestritten. Sein Verein Bergamo startete mit sechs Strafpunkten
in die neue Saison. Wegen der neuen Vorwürfen gegen den Spieler befürchtet
Atalanta weitere Strafen.
Laut den Ermittlern sei unter anderem ein Manipulationsversuch beim
Pokalspiel zwischen Cesena und Gubbio vor zwei Monaten unternommen worden. Der
Ex-Fußballer Alessandro Zamperini soll dem Spieler des Gubbio-Vereins Simone
Farina 200.000 Euro für die Manipulation der Partie geboten haben. Der Fußballer
habe jedoch abgelehnt und den Bestechungsversuch beim Fußballverband FIGC
angezeigt.
Die Ermittler stützen sich unter anderem auf die Aussagen abtrünniger
Mitglieder der kriminellen Organisation. Zu ihr soll ein in Deutschland
inhaftierter Kroate gezählt haben sowie ein aus Singapur stammender Mann, der
zurzeit in Finnland inhaftiert ist.
Kauf von Vereinen angedacht
Diese sollen berichtet haben, dass die Organisation auch Fußballklubs kaufen
wollte. So soll Interesse am Erstligist FC Bologna bestanden haben. Der
Ex-Starstürmer von Bologna, Giuseppe Signori, war im Sommer wegen seiner
Verwicklung in den Skandal verhaftet worden. Er hatte zwei Wochen lang in
Untersuchungshaft verbracht. Der 43-Jährige wurde vom italienischen
Fußballverband zu einer fünfjährigen Berufssperre verurteilt. (sid)