Zu den Verlierern 2011 gehören auch die Störe in der Donau - der Europäische Luchs ist auf der Gewinnerseite
Wien - Gewinner und Verlierer: Was den Artenschutz betrifft, hat die Umweltschutzorganisation WWF am Montag eine zwiespältige Jahresbilanz veröffentlicht. Während sich im zu Ende gehenden Jahr die Lage für Nashörner, Störe, Irawadi-Delphine und Grauwale weiter verschlechtert habe, könnten Europäische Luchse, Berggorillas und Przewalski-Wildpferde wieder etwas optimistischer in die Zukunft blicken, gab der WWF in einer Aussendung bekannt. Für die Artenverluste gebe es weiterhin mehrere Gründe: "Neben Wilderei und Klimawandel ist vor allem auch die ungebremste Lebensraumzerstörung ein Grund für das Massenaussterben im Tier- und Pflanzenreich", erklärte Stefan Ziegler, Artenschutzreferent beim WWF Deutschland.
Die Verlierer 2011
- Nashörner: Das Java-Nashorn in Vietnam, das westliche Spitzmaulnashorn und das nördliche Breitmaulnashorn in Afrika sind ausgestorben. "Hauptverantwortlich dafür ist die Wilderei, vor allem um den inzwischen illegalen Bedarf an Produkten für die traditionelle asiatische Medizin zu decken", erklärt Artenschutzexpertin Jutta Jahrl. Nur in den 1970er Jahren hat die Wilderei ein ähnlich erschreckendes Ausmaß erreicht. Dementsprechend ist die Lage der fünf asiatischen und afrikanischen Nashornarten extrem kritisch.
- Störe: Fünf der sechs in der Donau heimischen Störarten stehen wegen des illegalen Handels mit Kaviar am Rand der Ausrottung. Ein vom WWF veröffentlichter Bericht listet 14 Beschlagnahmungen mit insgesamt über 50 Kilogramm Kaviar durch EU-Behörden innerhalb von zehn Jahren auf. Bulgarien und Rumänien sind die beiden Länder, die die einzigen überlebensfähigen Vorkommen dieser wild lebenden Störarten in der Europäischen Union beheimaten.
- Irawadi-Delphine: Im Mekong leben nur noch etwa 85 Irawadi-Delphine. Die ohnehin geringe Population ist durch eine hohe Sterblichkeit der Jungtiere und die Nutzung von Kiemennetzen in der Fischerei weiter geschrumpft. Damit ist der Irawadi-Delphin akut vom Aussterben bedroht. Der WWF fordert die Regierung von Kambodscha auf, einen rechtlichen Rahmen für den Schutz der bedrohten Spezies zu implementieren. "Es müssen Schutzgebiete ausgewiesen werden, in denen die Nutzung von Kiemennetzen verboten ist", so Ziegler. Auf der laotischen Seite gibt es nach WWF-Angaben höchstens noch acht Irawadi-Delphine.
- Grauwale: Für Wale soll es keine neuen internationalen Meeresschutzgebiete geben. Dies ist das Resultat der diesjährigen Konferenz der Internationalen Walfangkommission IWC. Die Verhandlungspartner versäumten es, sich für einen verstärkten Schutz der Meeressäuger einzusetzen. Besonders schlimm steht es um den Westpazifischen Grauwal. Die letzten Exemplare - rund 130 Tiere, davon weniger als 30 fortpflanzungsfähige Weibchen - leben vor der russischen Insel Sachalin. Dort sind gigantische Projekte geplant, um weitere Ölvorkommen zu erschließen - was das Ende der sensiblen Säuger sein könnte.
Die Gewinner 2011
- Europäische Luchse: Nach seiner Vertreibung durch jahrhundertelange Jagd schreitet die Rückkehr des Luchses in Mitteleuropa nun weiter voran. Neueste Untersuchungen lassen vermuten, dass mittlerweile etwa zwei Dutzend Luchse im Bayrischen Wald und angrenzenden Böhmerwald leben und sich fortpflanzen. Mittlerweile sind dort auch zahlreiche im Freiland geborene Jungtiere nachgewiesen worden. Auch in Österreich wurden heuer im Nationalpark Kalkalpen ein männliches und ein weibliches Jungtier ausgesetzt.
- Przewalski-Wildpferde: Die Wildpferde galten 1996 als in der Wildnis ausgestorben. Gründe hierfür waren starke Bejagung und Lebensraumverlust. In der Mongolei stehen sie mittlerweile unter strengem Schutz. Durch Wiederansiedlungsmaßnahmen konnten sich die Wildpferde in freier Wildbahn etablieren - mittlerweile gibt es über 300 Individuen. Die Art wurde von der Kategorie "vom Aussterben bedroht" auf "stark gefährdet" zurückgestuft. Przewalski-Wildpferde gelten heute als die einzigen noch verbliebenen Wildpferde der Welt.
- Berggorillas: Insgesamt gibt es wieder etwa 780 Berggorillas - davon 300 Individuen im Bwindi-Nationalpark in Uganda und 480 im Virunga-Massiv. Letzteres schließt drei aneinandergrenzende Nationalparks ein, in der Demokratischen Republik Kongo, in Rwanda und in Uganda. Mit der Ausweitung von großflächigen Schutzgebieten über Staatsgrenzen hinweg konnte wichtiger Lebensraum erhalten und ein Zuwachs der Berggorilla-Populationen erreicht werden. (red)