Empörung wegen Polizeiübergriffs gegen Demonstrantin
19. Dezember 2011, 22:34
screenshot: youtube
Video zeigt verprügelte Aktivistin, die im BH auf der Straße liegen bleibt - Militär: Anschlagplan auf Parlament vereitelt
Kairo - Trotz des rigorosen Vorgehens der Sicherheitskräfte haben sich die Demonstranten auch am Montag nicht aus der Kairoer Innenstadt vertreiben lassen. Bereits den vierten Tag in Folge flogen rund um den Tahrir-Platz Steine. Nach Angaben von Augenzeugen lieferte sich ein harter Kern von rund 400 Demonstranten Straßenschlachten mit der Polizei.
Anschlagsplan auf Parlament
Ärzte berichteten, dass
seit Freitag insgesamt 13 Menschen ums Leben gekommen seien. Hunderte
wurden verletzt. Der in Ägypten regierende Militärrat will
unterdessen einen Anschlagsplan auf das Parlament in Kairo aufgedeckt
haben.
Der Plan habe zum Ziel, das Gebäude der Volksversammlung in Brand
zu setzen, sagte Militärratsmitglied, General Adel Emara, am Montag.
Für die Mitteilung unterbrach er eigens eine Pressekonferenz, nachdem
er einen Anruf bekam, in dem er nach eigenen Angaben über den
Anschlagsplan informiert wurde. Der General fügte hinzu, "die Massen
auf dem Tahrir-Platz" seien "bereit, diesen Plan auszuführen".
Fünf Menschenrechtsorganisationen haben derweil am Sonntag in einem gemeinsamen Statement dem Militär vorgeworfen, gezielt gegen weibliche Aktivisten vorzugehen. Im Internet kursiert derzeit ein Video, das eine Aktivistin zeigt, während sie von Armeeangehörigen verprügelt wird. Durch die Schläge löst sich ihr Schleier, die junge Frau bleibt halb entblößt im BH auf der Straße liegen. Die Soldaten prügeln noch einmal auf sie ein, bis sie irgendwann doch von ihr lassen und ihren Oberkörper wieder verdecken. Das Video machte in diversene sozialen Netzwerken mit dem Titel "Blue Bra" die Runde.
Sexuelle Gewalt wird vermehrt strategisch gegen weibliche Demonstranten eingesetzt, kritisieren diverse lokale Menschenrechtsaktivisten. Soldaten würden Demonstranten nicht nur verprügelt, sondern darüber hinaus öffentlich entblößen und unsittlich berühren. Der Name der Aktivistin ist bekannt, sie möchte allerdings anonym bleiben. "Es ist völlig egal, ob ich mit der Presse rede, die Bilder des Übergriffs sprechen für sich. Sie sollten reichen, um das Militär zu überführen und alle aufzuklären, die immer noch an die Armee glauben", sagte sie dem britischen "Guardian".
Vergangenen März etwa wurde die Armee beschuldigt, festgenommene Demonstrantinnen sexuelle missbraucht und "Jungfräulichkeitstests" bei ihnen durchgeführt zu haben. Die Armee kündigte daraufhin an, die Anschuldigungen zu überprüfen, bisher gab es allerdings keinerlei weitere Informationen darüber.
Der aus Ägypten stammende und in den USA forschende Nobelpreisträger
Ahmed Zeweil zeigte sich in einer TV-Ansprache, die am Montag von
lokalen Medien abgedruckt wurde, entsetzt über das Chaos in seiner alten
Heimat. Es sei sehr bedauerlich, dass sich Schläger unter die
Demonstranten gemischt hätten, sagte er.US-Außenministerin Hillary Clinton hat die ägyptischen Sicherheitskräfte zu einem Ende ihres gewaltsamen Vorgehens gegen Demonstranten aufgerufen. Sie fordere die ägyptischen Sicherheitskräfte auf, "die universellen Rechte aller Ägypter zu respektieren und zu schützen, einschließlich des Rechts auf friedliche, freie Meinungsäußerung und Versammlung", erklärte Clinton am Sonntag (Ortszeit) in Washington. Sie sei "zutiefst besorgt", fügte die US-Außenministerin hinzu.
Clinton forderte die ägyptische Führung auf, diejenigen, die für die Verletzung dieser Rechte verantwortlich seien, zur Rechenschaft zu ziehen, "auch die Sicherheitskräfte". Sie rief auch die Demonstranten auf, von Gewalt abzusehen. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den ägyptischen Sicherheitskräften vorgeworfen, mit exzessiver Gewalt gegen Demonstranten vorzugehen. In einer am Sonntag verbreiteten Erklärung seines Büros forderte Ban die Führung des nordafrikanischen Landes auf, Zurückhaltung zu üben und die Menschenrechte zu achten.
UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay hat die
"brutale Unterdrückung" der Demonstranten in Ägypten verurteilt. "Die
Bilder von Demonstranten, darunter auch Frauen, die brutal geschlagen
und angegriffen werden, sind zutiefst schockierend", erklärte sie am
Montag.
Islamisten nehmen nicht an Protesten teil
Die Islamisten, die während der Massenproteste gegen Präsident Hosni Mubarak Anfang des Jahres noch mit linken und liberalen Regimegegner zusammen demonstriert hatten, beteiligen sich nicht an der aktuellen Protestwelle. Diese richtet sich gegen den Obersten Militärrat, der die Macht von Mubarak übernommen hatte und gegen die von den Militärs eingesetzte Übergangsregierung.
In der ersten und zweiten Etappe der Parlamentswahl, die am 28. November begonnen hatte und bis zum 10. Jänner andauern wird, liegt die Partei der Muslimbrüder vorne. Sie selbst bezeichnet sich als "moderat-islamisch" bezeichnet. Auf dem zweiten Platz wählten die Ägypter laut Umfragen bisher die Partei der radikalen Salafisten (Partei des Lichts). Die Stichwahl der zweiten Etappe beginnt am Mittwoch.
Nach Auszählung von elf der 15 Wahlbezirke kommt die Partei Freiheit und Gerechtigkeit der gemäßigten Muslimbrüder nach eigenen Angaben auf rund 40 Prozent der Stimmen. Die ultra-konservativen Salafisten hätten etwa 35 Prozent erhalten, sagte ein Parteisprecher am Sonntag. In der ersten Runde stimmten 37 Prozent der Wähler für die Muslimbrüder, 24 Prozent für die Salafisten. (fin/APA/Reuters, derStandard.at, 19.12.2011)
Der Kandidat der Muslimbruderschaft, Mohamed Morsi, liegt nach ersten Ergebnissen bei der ersten Runde der Präsidentenwahlen vorne, dicht gefolgt vom letzten Premier Hosni Mubaraks, Ahmed Shafik.
In Ägypten beginnt am 23. Mai die Wahl des ersten Staatspräsidenten seit dem erzwungenen Rücktritt des Langzeit-Machthabers Hosni Mubarak im Februar 2011 - Rund ein Dutzend Kandidaten kämpfen um das höchste Amt im Staat
Wie es in den USA mit dem Recht auf freie Versammlungen und Meinungsäusserung aussieht hat uns Occupy Wallstreet gezeigt: Prügelnde Polizisten, Reizgas, Pfefferspray, willkürliche Verhaftungen.
Wenn ich diese eiskalte Trine (we came, we saw, he died..ha,ha,ha,) nur sehe kommt mir schon die Galle hoch.
Jedoch auch wenn dieser Aufruf von einer Seite kommt die selbst nicht viel von "universellen Rechten und freier Versammlungs- und Meinungsfreiheit hält, kann man sich diesem nur anschliessen.
Es sieht so aus als hätten sich die Islamisten und das Militär schon recht gut arrangiert. Aber zumindest die Demos laufen schon demokratisch ab, fast wie in Europa, siehe Hainburg.
einschließlich des Rechts auf friedliche, freie Meinungsäußerung und Versammlung", erklärte Clinton am Sonntag (Ortszeit) in Washington
Da reisst die richtige Ihr grosses Maul auf.
Wie es in den USA mit dem Recht auf freie Versammlungen und Meinungsäusserung aussieht hat uns Occupie Wallstreet gezeigt: Prügelnde Polizisten, Reizgas, Pfefferspray, willkürliche Verhaftungen.
Wenn ich diese eiskalte Trine (we came, we saw, he died..ha,ha,ha,) nur sehe kommt mir schon die Galle hoch.
sie schlagen treten,foltern, vergewaltigen
wie immer
sie sind darauf gedrillt
immer und immer wieder
werden sich auf gruppendruck berufen und und
wie alle soldaten zu allen zeiten
würden wir auf unsere straßen gehen
zu massen
eine echte reform der machtverhältnisse
ein teilen der reichtümer einfordern
sehr schnell wären wir die verprügelten, verhafteten
und alle die gegen ein solche bürgerInnenbehandlung protestieren würden
wären ganz schnell zu terroristenüterstützer erklärt
in unseren straßen stehen noch kaum demonstranten
noch gibts genug zu kaufen
das geld reicht für die meisten noch über nahrung hinaus
..
unsere regierung sagt den leuten es muß gespart werden
es wird weh tun
wem ?
nun jenen die jetzt kaum mehr durchkommen
gar keines, gelernte österreicher nennen das dann mal "sarkastisch", um einen schutz vor der unterstellung totaler moralfreiheit zu haben, aber das gelingt nicht.
Logisch - als Wahlgewinner können die sich jetzt zurücklehnen.
Der Rest ist mit dem Ausgang der Wahlen unzufrieden und terrorisiert weiter.
Die Frauen bekommen jetzt gleich mal einen Vorgeschmack auf die neue islamistische Demokratie.
Der arabische Frühling hat den Frauen nichts gutes gebracht und ihre jahrzehntelang erarbeiteten Rechte gestrichen.
Die Militärjunta führt freie Wahlen durch(die größten Probleme waren Wahlwerbung am Wahltag), gemäßigte Islamisten gewinnen diese Wahl vorraussichtlich haushoch und eine verhältnismäßig kleine politische Gruppe revoltiert weiter, woraufhin das Militär sehr hart reagiert.
Und das Standardforum findet Demokratie doch nicht so super wenn es mehr Islamisten als Linke im Land gibt.
es hat immer eine verhältnismäßig kleine gruppe demonstriert
und
das militär
stellt sich außerhalb der gesetze
und
verschleierte frauen
sind in ägypten keine linken
linke in ägypten die tragen kein kopftuch und schon gar nicht lange schware mäntel
wem soll sich das militär denn im moment unterstellen?
Der selbst eingerichteten Übergangsregierung? Einem neuen starken Mann? Ich habe in keiner Aktion des Militärs erkennen können, dass diese die Macht im Land an sich nehmen wollen oder die Demokratiebestrebungen unterbinden.
Aber wenn gegen den Ausgang einer demokratischen Wahl gewaltvoll protestiert wird, verstehe ich nicht, wieso alle auf der Seite der Demonstranten stehen.
es gibt keine linke in ägypten, genausowenig wie in österreich. da dominiert noch "die liebe zu volk", die darin gipfelt, dass man denjenigen teil des volkes einsperrt/vertreibt/unterdrückt, der nicht "dazupasst". jaja, ösilein, schau mal in deine neuere geschichte.
Avantgarde klingt ja furchtbar autoritär und überheblich. Die Muslime, die in Ägypten mehr als 90% der Bevölkerung stellen, hatten genug von der Diktatur und ihrem Protest haben sich alle anderen Gruppierungen, die das selbe Ziel hatten, angeschlossen.
Jetzt hat die Mehrheit, was sie will - ein demokratisches System in der eben diese Mehrheit das Souverän im Staate ist - und den Splittergruppen passt das nur deshalb nicht, weil sie gemerkt haben, dass sie nicht zur mehrheit gehören.
Wenn die Muslimbrüder tatsächlich gemäßigt sind, werden sie den Schulterschluss nicht vergessen.
Was mich eher erstaunt, ist, dass es keine Zusammenfassung der Lage in Ägypten hier im Standard gibt, sondern nur Berichte, wer wem wann wieder eine gehaut hat..
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