Der Blitz hat einen Viertelliter

19. Dezember 2011, 16:55
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Suzuki mischt ab 2012 in der Viertelliter-Klasse mit. De Inazuma wurde auf der Tokyo Motor Show präsentiert und wird auf der Bike in Linz stehen

Ja, stimmt, ich war einer von jenen, die für die neue Viertelliter-Klasse keinen Markt gesehen haben. Zumindest nicht in Österreich. In Fernost gehen diese Bikes weg wie bei uns die Smartphöner, schauen aber anders aus, sind Mischungen aus dem, was bei uns ein Roller ist und einem Motorrad mit Herzschwäche. Doch dann treffe ich Kristina Resch, und die erzählt mir, dass die 250er Ninja schneller ausverkauft war als ein Prince-Konzert im Porgy.

Aber zu meiner Verteidigung: Die erste aktuelle 250er, die ich fuhr, war die YBR von Yamaha. Ein Naked-Bike mit 21 PS, einer Sitzgeometrie, die eines Mannes mit einer Körpergröße von 1,90 Metern nicht würdig ist und dem Antritt einer 6er-Fazer auf Bachblüten. Obwohl, bei Hondas 250er CBR hätte mir schon ein Licht aufgehen müssen. Die Supersport-Optik passte zwar nicht zu den 26 PS, doch ich muss heute noch sagen, wenn ich an dieses Motorrad zurückdenke, läuft mir immer noch ein kalter Schauer über den Rücken. Das Handling entspricht wohl eher dem eines Mountainbikes, so leicht wirkt die kleine CBR, aber ihr Topspeed reicht, dass du mit Handschellen von der Autobahn abgeführt wirst. Klar, man braucht ein wenig Geduld, bis die CBR von 130 auf 160 beschleunigt, aber sie tut es.

250er sind stimmig

Kraftlackel der Klasse ist die Kawa. Die Ninja bringt es auf 33 PS und ist mit dem 130er-Reifen so einfach zu fahren wie ein Moped mit einem echten Fahrwerk. Ich dachte ja, dass sich die Hersteller mit den 250ern an die Einsteiger richten – und ich weiß, dass die Hersteller das auch so sahen. Doch die 250er fanden weit mehr Anhänger. Da stieg einer vom Roller um, da wollte einer mehr Sprit sparen, ohne an Mobilität zu verlieren, hier findet einer ganz rational, dass 250 Kubikzentimeter genug sind.

Ab 2012 schenkt auch Suzuki im Viertelliter-Gebinde aus. Auf der Tokyo Motor Show stellten sie die GW250 vor, die Inazuma – was übersetzt soviel wie Blitz heißt. Anders als Yamaha und Honda setzt Suzuki wie Kawasaki nicht auf einen Ein-, sondern einen Zweizylinder-Motor. Und wie die Honda wird die Suzuki einen 140er Hinterreifen haben, wie Kawasaki und Honda zwei Scheibenbremsen. Und doch ist die Suzuki ganz ganz anders als ihre Konkurrenz.

Außen mächtig, innen eine 250er

Die GW250 ist eine Naked, die der mächtigen B-King wie aus dem Gesicht gerissen ist. Wenn du mit dem Bock bei der Oma aufkreuzt, bist du enterbt. „So a große Maschin fahrst du? Willst dich umbringen?" Wie Großmütter halt so sind. Und den Vergleich mit der SGS 250 kann man sich auch sparen, weil die ja ein Zweitakter war und kein Fahrwerk hatte. Außerdem musste der Opa damals wirklich lange arbeiten, damit er sich mit der Puch bei der Oma einweimperln hat können.

Wirklich gefährlich ist der Preis, mit dem die GW250 im Sommer 2012 zu uns kommen wird. Davor wird die Suzuki in China auf den Markt gebracht und dort das neue Flaggschiff darstellen – erst dann kommt sie zu uns. Motomobil hat herausgefunden, dass der Einführungspreis unter 3.700 Euro liegen wird. Ein Taschengeld, für ein echtes Motorrad, das kaum Sprit brauchen wird, trotz des breitschultrigen Auftritts vollgetankt nur 183 Kilogramm wiegen und mit seinem Reihen-Zweizylinder 24 PS auf das hintere Wälzchen drücken wird. Nur die Sitzhöhe von 760 Millimeter ist eine Lektion in Demut für größer gewachsene Menschen. Aber all jene, die bei anderen Nakeds gerade einmal mit den Fußspitzerln auf den Boden glangen, können schon einmal damit anfangen, sich die Hände zu reiben, und sich überlegen, wie sie bis zum Sommer wieder ins Leder passen.

  • Zwischen 3.500 und 3.700 Euro soll die Suzuki Inazuma GW250 kosten, wenn sie Mitte nächsten Jahres nach Österreich kommt.
    foto: werk

    Zwischen 3.500 und 3.700 Euro soll die Suzuki Inazuma GW250 kosten, wenn sie Mitte nächsten Jahres nach Österreich kommt.

  • Typisches Suzuki-Design im vollwertigen Cockpit.
    foto: werk

    Typisches Suzuki-Design im vollwertigen Cockpit.

  • Eigentlich wurde die Inazuma für China entworfen – doch auch in Östereich dürfte bei diesem Preis-Leistungs-Verhältnis der Erfolg vorprogrammiert sein.
    foto: werk

    Eigentlich wurde die Inazuma für China entworfen – doch auch in Östereich dürfte bei diesem Preis-Leistungs-Verhältnis der Erfolg vorprogrammiert sein.

  • Wenn da die B-King kein kleines Geschwisterl bekommen hat...
    foto: werk

    Wenn da die B-King kein kleines Geschwisterl bekommen hat...

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