Worte statt Waffen

Blog | Andreas Hackl, 18. Dezember 2011, 23:22
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    foto: andreas hackl

Die Gruppe Combatants for Peace vereint Israelis und Palästinenser, die sich früher getötet hätten.

„Wir dürfen nie vergessen, wer wir sind", erinnert Chen Alon die rund 20 Israelis und Palästinenser, die aneinandergereiht im Kreis stehen und ihm aufmerksam zuhören. Chen ist wie alle anderen hier ein „Kämpfer für den Frieden", oder ein Combatant for Peace (CfP), wie sich die Aktivistengruppe nennt. In einer alten Burg im palästinensischen Dorf Schufa ist eine von fünf CfP-Ortsgruppen zusammengekommen, um wie schon Jahre zuvor im Dialog voneinander zu lernen.

Nach vier Jahren als aktiver Soldat und 11 Jahren als Reservist hat Chen 2001 das Gewehr für immer abgelegt. Sein letzter Einsatz war der Abriss eines palästinensischen Hauses, weil dessen Besitzer ohne Genehmigung einen Balkon gebaut hatte. Das war nur einer von vielen absurden Einsätzen, die ihn zum Nachdenken gebracht haben, erklärt er. „Ich habe zu realisieren begonnen, dass wenn wir die Anderen entmenschlichen, wir uns selbst entmenschlichen", schrieb Chen in einer früheren Erklärung.

Und es dürfte vielen damals nicht schwer gefallen sein, den Feind zu entmenschlichen. In den fünf Jahren nach Beginn der zweiten Intifada (2000) haben palästinensische Anschläge 667 israelische Zivilisten getötet. Mehr als 3200 Palästinenser kamen im selben Zeitraum durch die Hand israelischer Soldaten ums Leben. Und zwischen Oktober 2001 und Jänner 2005 wurden 668 Häuser in den Palästinensergebieten zerstört. Trotz all dem haben manche den Dialog gesucht, und das Töten verweigert.

Avner Wishnitzer ist einer von ihnen. Mit 12 anderen Reservisten der prestigeträchtigen israelischen Eliteeinheit Sayeret Matkal hat er 2003 eine Petition unterschieben, die dem damaligen Premierminister Ariel Sharon übergeben wurde. „Wir Werden unsere Hände nicht länger für die Unterdrückungsherrschaft in den Palästinensergebieten und die Missachtung der Menschenrechte von Millionen Palästinensern hergeben", hieß es in dem Brief.

Nach viel Medienaufmerksamkeit wurden die Wehrdienstverweigerer dann von Palästinensern kontaktiert, „die Teil der blutigen Widerstandsbewegung waren", erklärt Avner. Beim zweiten Treffen habe er ziemliche Angst gehabt. „Ich stieg in das palästinensische Auto, und wir sind nach Bethlehem gefahren. Ich wusste, dass sie mich genauso gut entführen könnten", erinnert er sich. Doch letztendlich habe sich so ein Dialog entwickelt. Zuerst sei die Palästinensisch-israelische Aktivistengruppe Ta‘ayush („Zusammenleben") entstanden, und später sei der Dialog in die Combatants for Peace egemündet. So wurden aus Feinden Partner.

„Nicht leicht, die zwei Welten zusammen zu bringen"
Heute tourt Avner für die „Combatants" mit seinem Auto durch Israel und das Westjordanland, hilft wo er kann und versucht Probleme in den fünf Lokalgruppen zu lösen. Und von diesen Problemen gibt es genug, das konnte man auch bei dem jüngsten Treffen der Gruppe im Dorf Schufa sehen.
„Es ist oft schon schwierig genug einen Tag zu finden, an dem Palästinenser und Israelis Zeit haben", erklärt Avner.

Samstag würde für Israelis immer passen, sei für Palästinenser aber oft nicht gut. „Und auch der Ort ist wichtig. Wo treffen wir uns?" meint er. Schufa sei hier ein gutes Beispiel, denn das Dorf liegt in der Zone C des Westjordanlandes, die unter kompletter israelischer Kontrolle steht. In dieser Zone können sich Israelis legal aufhalten, und gleichzeitig könne man die „Probleme der israelischen Besatzung" gut sehen, erklärt er.

Schufa ist durch eine Straßenblockade von der nahegelegenen Stadt Tulkarem abgeschnitten. So müssen die palästinensischen Aktivisten aus Tulkarem zu Fuß bis zur Betonblockade gehen, wo sie die israelischen Aktivisten mit dem Auto abholen. Es sei eben nicht leicht, diese zwei Welten zusammen zu bringen, meint Avner.

Während der zahlreichen Treffen wird jedes Wort vom Hebräischen ins Arabische, und vom Arabischen ins Hebräische übersetzt. So kann jeder frei in seiner Muttersprache reden. Eine Intimität, die oft nötig ist, wenn es um die eigene Geschichte als Gewalttäter geht. Eine Palästinenserin, die jahrelang im Gefängnis war, weil sie einen israelischen Soldaten mit einem Messer erstechen wollte, vertritt heute gemeinsam mit ehemaligen israelischen Soldaten einen alternativen Weg. Combatants for Peace sieht sich als gewaltlose Bewegung, die an die Zusammenarbeit beider Seiten glaubt, um den Kreislauf der Gewalt zu brechen.

Aktivisten wie Avner reden nicht nur, sondern zeigen auch Mut, indem sie aus der Masse ausbrechen. Wie ernst er seine Sache nimmt, wurde auch bei der Heimfahrt von Tulkarem nach Jerusalem ersichtlich. Als Israeli mit einem Österreicher im Gepäck hätte er eigentlich die schnelle Spur am Militär-Checkpoint nehmen können. „Das ist ein Akt der Solidarität", erklärte er stattdessen, nachdem wir eine halbe Stunde gemeinsam mit den palästinensischen Autos in der Schlange gewartet haben.

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13 Postings
Alfred Jodelhuber
 
11
19.12.2011, 16:22

Wer ist das auf dem Foto?
Bildtexte sind zwar manchmal mühsam zu schreiben, aber unverzichtbar.

1.Kp / EW 74
 
13
19.12.2011, 14:28
Sollte jemand wissen wollen, wie ein wirklicher Held ausschaut,

dann möge er sich das Foto von diesem Mann anschauen.
Er und seine Kumpels (auf beiden Seiten) gehen ein hohes persönliches Risiko ein und kehren vor der eigenen Tür, statt sich von der Politik verar...en zu lassen.

Beispielhaft.
Meinen Respekt!

peter mueller2
85
19.12.2011, 05:29

So unterstützenswert solche Initiativen sind, so bedeutungslos müssen sie bleiben, ist doch breiter Konsens in der jüdischen Bevölkerung Israels, dass WJL, Gaza und Golanhöhen Teil Israels werden sollen. Dazu muss die dort einheimische Bevölkerung verschwinden. Ist das Ziel schließlich erreicht, wird es dabei aber nicht bleiben. Der Refrain eines der bekanntesten Lieder in Israel lautet: „Der Jordan hat zwei Ufer / das eine gehört uns [den Juden] / und das andere auch.“ und wird jedem Volkszugehörigen während seiner zwei-/dreijährigen Militärpflicht eingehämmert. Das prägt.

dr mike
45
19.12.2011, 09:44

So unterstützenswert solche Initiativen sind, so bedeutungslos müssen sie bleiben, ist doch breiter Konsens in der arabischen Welt, dass WJL, Gaza Golanhöhen ganz Israel judenrein und arabisch werden sollen. Dazu muss die dort einheimische Jüdische Bevölkerung verschwinden. Der Refrain eines der bekanntesten Lieder in gaza und Judäa Samarialautet: „Das Land vom Fluß ( Jordan) bis zum Meer gehört uns [den arabern] und wird jedem Volkszugehörigen täglich im PA TV eingehämmert. Das prägt.

peter mueller2
41
19.12.2011, 16:13
gemeinsame Lieder - gemeinsmer Frieden

Na wenn sich die beiden Völker bereits eines gemeinsamen Liedguts bedienen, dann kann ja der Frieden nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Ich bezweifele allerdings, dass dazu ausgerechnet dieses weltweit in allen jüdischen Gemeinden gesungene Lied des Gründers des revisionistischen Zionismus und spirituellen Vaters von Binyamin Netanjahu mit diesem Refrain gehört, dass er in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts für die Irgun geschrieben hat, passend zu deren offiziellen Emblems bestehend aus einer Karte des angestrebten Israels, die Jordanien einschließt, mit einem darüber gelegten Gewehr. Bekanntlich hat die Heruth-Partei des Menahem Begin, also der Mutterpartei des Likuds, dieses Emblem geerbt.

dr mike
13
19.12.2011, 21:04

sie haben weltweit alle Jüdischen gemeinden besucht und den liedern gelauscht ja sogar mitgesungen - mit anderem text versteht sich - daher behaupten sie das. Wie geht das Lied denn ? Ich kenne es nicht und als vom Mossad bezahlter Standardposter muß ich das doch kennen.

peter mueller2
21
20.12.2011, 04:43
Eine echte Bildunglücke

Einfach mal googeln bringt oft mehr zutage als die zweifelhaften Geheimdiensterkenntnisse. Stichworte dazu haben Sie doch nun genug.

Adam Markus
22
19.12.2011, 14:00

Also was ich täglich sehe ist genau die gegenteilige Bemühung, nämlich alle Palästinenser zu vertreiben. Um das zu Beweisen muss man auch keine ominösen Lieder zu erfinden. Das sagt der israelische Außenminister gaz frei und offen heraus. Jedenfalls ist es fast schon lustig so einen Blödsinn zu sagen, noch schlimmer ist, sollten Sie das Gesagte wirklich glauben.....

dr mike
03
19.12.2011, 21:52

Judenrein sind syrien Jordanien Libanon Irak Libyen usw ... und zuletzt der Gazastreifen geworden. "Araberrein sind weder Tel Aviv noch Jerusalem noch irgend ein Gebiet in Israel. Wenn sie hier also von Vertreibung von palestiesern sprechen dann haluzinieren sie.

Moe Joe1
31
19.12.2011, 12:46
lügen sie nicht bewusst..., so einen Song gibt es nicht...

Fritz Unrat
 
32
19.12.2011, 09:39
Die Zahlen sprechen dagegen.

Palästinenser 1947, Israel, Gaza WJL: 740.000
GAZA + WJL heute: 3.700.000

Adam Markus
22
19.12.2011, 04:57

Schade, dass diese Menschen in der Minderheit sind und überall nur noch der Wahnsinn regiert.

Respekt jedenfalls vor dem Mut der israelischen Soldaten, die sich diesen Menschen stellen, die jeden Grund haben sie zu hassen.

Dani B.
01
21.12.2011, 10:39

die araber haben "jeden grund" zu hassen. und damit natürlich auch jeden grund und jede berechtigung zu entsprechender gewalt. das traust di dann doch ned sagen. für dich ist die schuldfrage so klar und eindeutig, dass du diese frage nicht mal zur diskussion stellst. so wird dein beitrag völlig entwertet.

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