Die Hoffnung verbrennt

Kommentar |

Die Militärjunta reagiert genau so, wie es das Regime Mubarak immer getan hat

Die Ereignisse in Ägypten sind dazu angetan, einem das Herz zu brechen. Die Hoffnungen auf einen friedlichen Übergang zu einem demokratischen System im Land am Nil, das so oft, im Guten wie im Schlechten, Vorreiterfunktion in der arabischen Welt hat, gehen in Gewalt und Flammen unter.

Wie ein Menetekel wirkt die Verbrennung der dreißig Bände des Manuskripts von Description de l'Égypt, verfasst von französischen Wissenschaftern, die Napoleon Bonaparte 1798 nach Ägypten begleiteten und das "Institut d'Égypte" gründeten, das am Samstag durch einen Molotow-Cocktail in Brand geschossen wurde. Die Ankunft Napoleons in Ägypten wird gemeinhin als "Beginn der Moderne" apostrophiert. 2011 sollte das Jahr werden, in dem das Land seine Postkolonialzeit endlich überwindet und in die politische Moderne eintritt.

Das scheint in weite Ferne gerückt. Die Militärjunta reagiert genau so, wie es das Regime Mubarak immer getan hat: Sie lügt und leugnet. Der Unterschied ist, dass jetzt nicht mehr die Polizei, sondern die gute, patriotische Armee auf die Demonstranten losgeschickt wird, die nur, weil sie Hosni Mubarak in Pension schickte, naiverweise als auf der Seite der Revolution stehend betrachtet wurde.

Und inmitten dieses Zusammenbruchs finden die ersten Wahlen statt. Was ein Fest der Demokratie werden sollte, wird zum Begräbnis. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.12.2011)

Share if you care