Keine juristischen Gründe, die Arbeiten am drittgrößten Wasserkraftwerk der Welt zu blockieren - Andritz bei Belo Monte mit im Boot
São Paulo / Wien - In Brasilien hat ein Gericht den im September verhängten
Baustopp für das umstrittene Belo-Monte-Wasserkraftwerk im Amazonas-Gebiet
aufgehoben. Der österreichische Anlagenbauer Andritz möchte Turbinen und
Generatoren liefern.
Es gebe keine juristischen Gründe, die Arbeiten am drittgrößten
Wasserkraftwerk der Welt weiter zu blockieren, hieß es zur Begründung der von
Bundesrichter Carlos Eduardo Castro Martins getroffenen Entscheidung.
Martins hatte der Klage eines Fischzuchtverbandes stattgegeben und "die
Installierung von Häfen, Explosionen, den Bau von Dämmen, die Ausbaggerung von
Kanälen" sowie jede Arbeit, die den natürlichen Lauf des Xingu-Flusses
beeinträchtigen und Veränderungen bei der Fischpopulation bewirken könnte,
untersagt. Das Konsortium Norte Energia und die Regierung baten den Richter,
seine Entscheidung zu überdenken.
Martins kommt nun zu dem Schluss, dass bei den Bauarbeiten am Xingu-Fluss der
Wasserlauf nicht verändert werde, es zudem keine große Abweichung der
Fließgeschwindigkeit und somit auch keinen großen Einfluss auf den Lebensraum
der Zierfische gebe. Er räumte aber ein, dass die Auswirkungen auf die Umwelt
wohl erst nach Ende der Bauarbeiten analysiert werden könnten.
Belo Monte wäre mit einer Leistungskapazität von 11.233 Megawatt das
drittgrößte Wasserkraftwerk der Welt, nach dem Drei-Schluchten-Staudamm in China
und dem binationalen Itaipu-Werk an der Grenze Brasiliens zu Paraguay. Einer der
engagiertesten Kämpfer gegen das Vorhaben ist der aus Vorarlberg stammende
Bischof Erwin Kräutler. (dpa, red, DER STANDARD, Printausgabe, 19.12.2011)