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Das schöne weiße Schloss Bellevue in Berlin, der Amtssitz des deutschen Bundespräsidenten, ist eine Nummer zu groß für ihn. Das haben viele im Jahr 2010 über Christian Wulff gesagt, als er buchstäblich Richtung Bellevue stolperte. Drei Anläufe brauchte es bekanntlich, bis der bis dahin blasse Wulff im Bundestag - trotz schwarz-gelber Mehrheit - gewählt war.
Jetzt geht es ziemlich rund im Schloss, nicht weil Wulff ein so herausragender Bundespräsident ist, sondern weil einiges auch in der Vergangenheit eine Nummer zu groß war: der Urlaubsflug 2009 nach Florida mit Gratis-Upgrade, der Sommerurlaub 2010 im Mallorca-Anwesen des AWD-Gründers Carsten Maschmeyer. Es war alles schon ein wenig grenzwertig und schmierig. Ein Fiasko allerdings ist jetzt die Kreditaffäre.
Denn die stärksten Waffen des deutschen Bundespräsidenten sind seine Glaubwürdigkeit und seine Worte. Weder das eine noch das andere kann Wulff derzeit bieten. Der Kredit hat ohne Zweifel einen Hautgout. Schon die Geschichte von der treusorgenden Freundin (Unternehmergattin Geerkens) stinkt. Wenn alles so harmlos war, warum erzählt Egon Geerkens dann, welche Umwege (anonymer Bundesbankscheck) man gewählt habe, um nur ja nicht aufzufallen?
Dass Staatsrechtler auf einen Verstoß gegen das niedersächsische Ministergesetz hinweisen, macht die Sache noch schlimmer. Man würde gerne wissen, warum der pensionierte Unternehmer Geerkens bei Wulff im Regierungsjet mitfliegen durfte. Ein Danke für den billigen Kredit?
Wulff selbst gibt bedauerlicherweise keine Antworten, er produziert bloß immer noch mehr Fragen. Zweimal hat er sich in der Kreditaffäre geäußert. Einmal bedauerte er in einer dürren schriftlichen Erklärung recht verschwurbelt, nicht genug aufgeklärt zu haben. Am Wochenende sprach er kurz, aber es wurde noch dürrer.
Dieser Umgang mit der Affäre ist absurd und erinnert an die Causa Guttenberg. Nur etwas zugeben, wenn es schon die Spatzen von den Dächern pfeifen, ansonsten eine böse Medienkampagne sehen - so lautete auch damals die fatale Strategie. Wulff merkt offenbar nicht, dass sein Schweigen und Taktieren alles nur noch schlimmer macht.
Die Deutschen haben ein Anrecht auf Auskunft. Der Bundespräsident steht auf einem hohen Podest, er schwebt über den Parteien. Er muss in den Augen vieler niemals aufs Klo, er schwitzt nicht, er drückt sich gewählt aus, er hat eine untadelige Lebensführung. Dass er den Anschein erweckt, zum eigenen Vorteil mit niedersächsischen Wirtschaftsgrößen zu packeln, ist unerträglich.
Viel Zeit bleibt nicht mehr. Entweder Wulff stellt sich diese Woche endlich seinem Problem und informiert - und zwar ausführlich, nicht von oben herab in präsidialen Halbsätzen. Oder er ist in diesem Amt nicht mehr tragbar. Einer, dessen private Finanzen Anlass zu Spekulationen geben, kann sich nicht mehr ernsthaft zur Wirtschafts- und Finanzkrise äußern.
Für die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wäre Wulffs Rücktritt ein schwerer Schlag, zumal schon sein Vorgänger Horst Köhler den Posten beleidigt hinwarf, weil er wegen Aussagen zu Afghanistan kritisiert worden war. Und dennoch: Eine Kanzlerin, die unter sich eine zerbröselnde FDP und über sich einen nicht mehr ernst zu nehmenden Bundespräsidenten hat, kann auch keine Punkte machen. (DER STANDARD, Printausgabe, 19.12.2011)
Vielleicht sollte Herr Wulff sich noch schnell bei KHG erkundigen, wie man derartige Vorwürfe mit ödem NLP Gelaber und der nötigen Dreistigkeit medial vom Tisch wischt.
Ganz nebenbei: Wegen solch "lächerlicher" Vorwürfe würde in Österreich doch kein Politiker zurücktreten - egal welcher Partei...
weil sie wulff in ihrer partei durchgedrückt hatte. und sein zu rücktritt ihr sehr zum schaden wäre. wenn ihr rösler wegen FDP-interner turbulenzen auch noch abhandenkommt, sind wohl neuwahlen angesagt.
aber ich kann den Skandal nicht entdecken. Jemand nimmt sich einen verzinsten Kredit (4% sind ja nicht wirklich besonders vorteilhaft) und zahlt dann vorzeitig zurück, weil er bei einer Bank einen besseren Kredit bekommt. Kreditaufnahme bei Privaten anstatt bei einer Bank ist jetzt verboten?
Tja, wäre vielleicht manchmal ganz gut, sich vor dem Posten die Sachlage genauer anzuschauen - steht zB hier:
http://www.tagesschau.de/inland/wu... it114.html
...aber dieser satz: "Er muss in den Augen vieler niemals aufs Klo, er schwitzt nicht, er drückt sich gewählt aus, er hat eine untadelige Lebensführung." .. wenn der nicht ein bißchen hopertatschig ist... ;-)
Wer kann schon Christian Wulff erklären?
Ich nicht. Und warum sollte das ausgerechnet Christian Wulff selbst können?
Aber vielleicht meint auch die Autorin, dass Wulff die Umstände, die zu den gegenständlichen Vorwürfen geführt haben, restlos aufklären oder eine umfassende Erklärung dazu abgeben sollte.
nimmt geschenke an, wenn sie sich anbieten, versorgt seine freunderl und streicht dafür den anderen das geld... mehr gibt's zu ihm nicht zu sagen.
das amt des deutschen bundespräsidenten leidet unter ihm und seinem vorgänger köhler - beide farblos und im endeffekt nicht integer...
zum glück ist wissenschaft und journalismus eine internationale angelegenheit. von daher begrüsse ich den kommentar von frau baumann, da politische moral kein nationales problem ist, sondern durchaus im internationalen interesse liegt. die verklammerung von wirtschaftlichen und politischen eliten ist inakzeptabel. weshalb die politischen eliten sich "aushalten" lassen, wo sie sich über ein sattes einkommen verfügen, kann man nicht anders erklären als durch charakterliche defizite. als "volksvertreter" lässt man sich nicht von kapitalvertretern zum urlauben einladen. in österreich haben wir ja an herren grasser gesehen, wohin diese ganze geschichte führt. die rolle von wulffs weib ist in diesem ganzen kontext übrigens nicht uninteressant.
finde ich diese ganzen postings von wegen wie sich frau baumann (bzw. eine österreichische zeitung) in deutsche belange einmischen könne ...
... da bin ich glatt sprachlos.
Was sonst wenn nicht die eigene meinung zu allen möglichen und unmöglichen vorgängen in in- und ausland zu verbreiten ist denn der sinn eines kommentars?
selten soviele schwachsinnige kommentare hier gelesen wie heute ...
weder bei Geldflüssen über Liechtenstein, Mitfliegen im Privatjet, oder Zahlungen eines Lobbyisten. Schon gar nicht wenn Russen vom Kanzler eingebürgert worden.
Wenn alle nur 1,5% Zinserleichterung hätten, wären wir keine Bananenrepublik mehr.
scheint eine Anhängering des Großdeutscheen Reichs zu sein. Wenn nicht, ist es als ausländische Korrespondentin nicht ihre Sache, den Rücktritt des Staatsoberhauptes ihres momentanen Gastlandes zu fordern. Auch ihre Wortwahl ("stinkt") ist nicht akzeptierbar!
dass der Herr BB auf die Frage nach wirtschaftlichem Verhältnis zu seinem, sagen wir mal, Gönner, behauptet hat, dass keine "Geschäftsbeziehung" besteht. Argumentation: Habe "Privatkredit" von Gattin des Gönners; ätsch - falsche Frage - tut mir nicht mal leid - kein Rücktrittsgrund - alles in Ordnung. Bin weiterhin gerne euer 1. Mann im Staat.
Wie kann man nur so dämlich und zugleich unverschämt sein!?
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