Warum sich die ÖVP derzeit so schamlos der FPÖ an den Hals wirft, ist nicht nachvollziehbar
Die Freiheitlichen waren und sind ausländerfeindlich, sie waren und sind EU-feindlich. Und werden das aller Voraussicht nach auch bleiben, ihr Obmann Heinz-Christian Strache ist ein Garant dafür. Warum sich die ÖVP derzeit so schamlos der FPÖ an den Hals wirft, ist nicht nachvollziehbar. Indem Michael Spindelegger den Blauen so offen Avancen macht, trägt er auch dazu bei, deren Kurs und Linie zu rechtfertigen und zu legitimieren.
Das kratzt am Image der Europapartei, als die sich die ÖVP sieht und bezeichnet, das kratzt auch am Image als konstruktive Kraft. Wer aus derart offensichtlich strategischen Gründen den Kontakt zu den blauen Verbal-Randalieren sucht, verräumt dabei die Glaubwürdigkeit und verkauft den Anstand.
Dass die ÖVP aufgrund der Bewegungslosigkeit, die der Spannweite der unterschiedlichen Weltanschauungen in der Koalition entspringt, frustriert ist, lässt sich nachvollziehen, dennoch kann Spindelegger nicht schon zwei Jahre vor dem regulären Termin den Wahlkampf starten. Das ist definitiv zu früh - und schädlich, was das politische Geschehen betrifft. Das Land braucht eine Schuldenbremse, die kann Bremskraft nur aus der Zusammenarbeit der beiden Regierungsparteien entwickeln. Ein freiheitlicher Beitrag ist dabei weder notwendig noch sinnvoll. Die destruktive Sprengkraft, die einer blauen Beteiligung innewohnt, bedroht die Koalition und das Gemeinwohl. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.12.2011)