Vom Personaler im Ländle zum Hardliner in Wien: Der schwarze Klubchef im Porträt
Wien - Klubchef Karlheinz Kopf war der ÖVP-Mann, der den aktuellen Koalitionskrach um den Mehrheitsbeschaffer für die Schuldenbremse lostrat: Bei der Sondersitzung im Parlament, in der die Regierungsspitzen vergangene Woche den Nationalrat auf die Beschlüsse des jüngsten EU-Krisengipfels einschwören wollten, stellte der Bürgerliche plötzlich klar: "Es wird mit uns keinen Abtausch bei den Vermögenssteuern geben!" Und sanfter in Richtung des blauen Sektors: "Über die Einführung von mehr direkter Demokratie können wir reden."
Der Koalitionspartner SPÖ war nicht nur überrascht, sondern schlichtweg überrumpelt - zunächst tat Klubobmann Josef Cap Kopfs Vorstoß bloß als seltsamen Alleingang ab. Ein Irrtum. Denn Kopfs Angebot an die Freiheitlichen war von oben abgesegnet.
Doch nicht erst seit Kopf das rote Ansinnen zunichte machte, gemeinsam mit den Grünen bei der ÖVP verhasste Vermögenssteuern einzuführen und dafür ihren Sanktus für die Schuldenbremse zu kriegen, gilt Kopf in den SPÖ-Reihen als böser Sozialistenfresser.
Denn der 54-jährige Vorarlberger stellt sich gern so ziemlich gegen alles, was den Genossen als hoch und heilig gilt. Umverteilung? "Das wäre Kommunismus." Vermögenssteuern? "Kommt einem Diebstahl nahe." Und überhaupt meint Kopf: "Alle Menschen gleichzumachen ist weder wünsches- noch erstrebenswert." Mit ähnlichen Argumenten schmetterte er jeden Wunsch nach der Gesamtschule oder das Begehren nach Aufrechterhalten des Uni-Zuganges für alle ab.
Fast auf den Tag genau vor drei Jahren holte der damalige ÖVP-Obmann Josef Pröll den Generalsekretär des Wirtschaftsbundes als Klubobmann ins Parlament - und betraute ihn auch gleich mit den Medienagenden. Auch der neue Chef Michael Spindelegger weiß die direkte Art seines Hardliners zu schätzen - und schickt seinen Klubchef meist bei heiklen Angelegenheiten vor.
Im Ländle einst Personalleiter bei Huber Tricot und Wolford soll Kopf nun das Land in schweren Zeiten vor allem auf Leistung, Leistung, Leistung einschwören. Ein Nettozahler, rechnet Kopf da vor, würde heute bereits "drei Transferbezieher schultern".
Bei seiner Mission hat es der Schwarze auch auf die roten Refugien des Landes abgesehen. In Wien reicht für Kopf "in alle Bereiche der Filz der SPÖ hinein". Die neue Westbahn als Konkurrent für die ÖBB begrüßte Kopf unlängst überschwänglich. Aus seiner Jubelaussendung am Tag des Starts: "Die ÖVP zollt den neuen Pionieren im Bahnwesen größten Respekt, die den übermächtigen bisherigen Monopolisten nicht fürchten." (nw, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 19.12.2011)