Etwa 200.000 Frauen aus Ostasien wurden im Zweiten Weltkrieg in die Sexsklaverei gezwungen
Tokio - Die Zwangsprostitution südkoreanischer Frauen in japanischen Soldatenbordellen während des Zweiten Weltkrieges überschattet erneut die Beziehungen zwischen Seoul und Tokio. Der südkoreanische Präsident Lee Myung-bak drängte den japanischen Ministerpräsidenten Yoshihiko Noda am Sonntag bei einem Treffen in der alten japanischen Kaiserstadt Kyoto, die Frage der Entschädigung der Überlebenden der Sexsklaverei mit höchster Priorität anzugehen. Lee forderte Noda laut japanischen Medienberichten auf, "Courage" zu zeigen. Die Angelegenheit sei ein "Hindernis in den bilateralen Beziehungen".
Nach Schätzungen von Historikern wurden etwa 200.000 asiatische Frauen,
überwiegend aus Südkorea, China und den Philippinen, zum Sexdienst in
Frontbordellen der kaiserlichen japanischen Armee gezwungen. Die
koreanische Halbinsel stand von 1910 bis 1945 unter japanischer
Kolonialherrschaft. Tokio erkennt zwar die zentrale Rolle der Armee bei
der Zwangsprostitution an, doch betrachtet Japan die Angelegenheit seit
dem Abkommen von 1965 als abgeschlossen.
Diese Haltung bekräftigte Yoshihiko Noda nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo nun erneut. Japan bemühe sich jedoch, die Sache von einem "humanitären Standpunkt" aus anzugehen, sagte Noda bei seinem Gespräch mit Lee. Es sei wichtig zu verhindern, dass die Beziehungen beider Länder Schaden erleiden.
Proteste
Seit 20 Jahren demonstrieren in Südkorea jeden Mittwoch Überlebende der Zwangsprostitution. Sie wollen, dass sich Tokio für die Sexsklaverei entschuldigt. Bei der 1000. Protestaktion am vergangenen Mittwoch in Seoul riefen betroffene Frauen und mehrere hundert Unterstützer die Regierung des Nachbarlandes zudem dazu auf, den Überlebenden der sexuellen Ausbeutung eine Entschädigung zu leisten.
Bei dem Treffen mit Lee drückte Noda sein Bedauern aus über die Errichtung einer Statue gegenüber der japanischen Botschaft in Seoul durch die Demonstranten. Das "Friedensmonument" aus Bronze zeigt ein sitzendes Mädchen in traditioneller koreanischer Kleidung. Die lebensgroße Figur soll nach Angaben einer Unterstützer-Organisation an den Kampf der Opfer der Zwangsprostitution um Gerechtigkeit erinnern. Die japanische Regierung hatte gegen die Aufstellung der Statue protestiert. Noda verlangte erneut, das Denkmal zu entfernen. (APA/red)