Präsident Klaus würdigt seinen Vorgänger als unerschütterlichen Kämpfer gegen den kommunistischen Totalitarismus
Prag - Der tschechische Staatspräsident Vaclav Klaus würdigte seinen Amtsvorgänger Vaclav Havel als "einen unerschütterlichen Kämpfer gegen den kommunistischen Totalitarismus" und "führende Person der Samtenen Revolution" 1989 in der damaligen Tschechoslowakei.
In einem Auftritt in der Prager Burg sagte Klaus, es sei Havel gewesen, der ihn im November 1989 in das oppositionelle Bürgerforum einlud, das eine entscheidende Rolle bei der Wende spielte. Die Persönlichkeit Havels, sein Name und sein Werk hätten auf bedeutende Weise dazu beigetragen, dass die Tschechische Republik schnell in die Gemeinschaft von freien und demokratischen Ländern eingegliedert worden sei, so Klaus.
Kondolenzbücher werden aufgelegt
Der Staatschef erklärte, dass er für Sonntagnachmittag Regierungschef Petr Necas sowie die Chefs von beiden Parlamentskammern auf die Prager Burg eingeladen habe, um gemeinsam weitere notwendigen Schritte im Zusammenhang mit dem Havels Tod vorzubereiten. Ab morgigen Montag, 10.00 Uhr, werden auf der Prager Burg die Kondolenzbücher für die Öffentlichkeit aufgelegt.
Schwarzenberg: "War scheue Persönlichkeit"
Für den tschechischen Außenminister Karel Schwarzenberg hat Vaclav Havel dem tschechischen Volk seine Würde zurückgegeben. Havel sei eine "scheue Persönlichkeit" gewesen, habe aber keine Angst gehabt, sich den Mächtigen zu stellen, sagte Schwarzenberg gegenüber der Nachrichtenagentur Mediafax.
"Einer der größten Europäer und bestimmt auch der größte Tscheche ist gestorben. Er hat uns in der ganzen Welt berühmt gemacht", so Schwarzenberg. Havel habe sich 1989 "um unsere Freiheit verdient gemacht".
Schwarzenberg sage, er bedauere, dass Havel im Ausland anerkannter sei als in Tschechischen Republik selbst. "Ich hoffe nur, dass uns jetzt zumindest bewusst wird, was für einen Mann wir als Mitbürger hatten, und dass wir ihn uns als Beispiel nehmen sollten", so Schwarzenberg.
Merkel würdigt Havel als "großen Europäer"
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den früheren tschechischen Präsidenten Vaclav Havel in einem Kondolenzschreiben als "großen Europäer" gewürdigt. "Sein Einsatz für Freiheit und Demokratie bleibt ebenso unvergessen wie seine große Menschlichkeit. Gerade auch wir Deutsche haben ihm viel zu verdanken", schrieb Merkel nach Angaben des Bundespresseamtes an Havels Nachfolger Vaclav Klaus.
Westerwelle: "Ich verneige mich"
Der deutsche Außenminister Guido Westerwelle Havel als einen "Wegbereiter der europäischen Wiedervereinigung" gewürdigt. "Ich verneige mich vor diesem großen Streiter für Demokratie und Freiheit", erklärte Westerwelle am Sonntag in Berlin. "Wir trauern mit dem tschechischen Volk".
Der deutsche Altbundeskanzler Helmut
Kohl (CDU) würdigte ebenfalls die Verdienste des verstorbenen tschechischen
Schriftstellers, Ex-Dissidenten und Staatspräsidenten Vaclav Havel. "Ein großer Mann, ohne den die Freiheit nicht möglich
gewesen wäre", sagte Kohl der dpa am Sonntag in Wiesbaden.
"Einer der größten Europäer unserer Zeit"
Der schwedische Außenminister Carl Bildt hat den verstorbenen tschechischen Ex-Präsidenten in seinem Blog als "einen der größten Europäer unserer Zeit" gewürdigt. Bildt schrieb in unmittelbarer Reaktion auf die Todesnachricht in sein Internet-Tagebuch: "Mit Vaclav Havel ist eine der wichtigsten, stärksten und mutigsten Stimmen des modernen Europas verstummt."
Havel habe als einer der Mitbegründer der Form der Charta 77 eine neue Epoche in der Entwicklung Europas eingeleitet. Er sei innerhalb und außerhalb von Gefängnissen in den darauffolgenden Jahren "die vielleicht stärkste aller Stimmen hinter dem Eisernen Vorhang" gewesen, die ein zwischen Freiheit und Unterdrückung geteiltes Europa nicht länger akzeptieren wollten.
Bundespräsident Heinz Fischer erklärte, mit dem Tod Vaclav
Havels habe "der eindrucksvolle Lebensweg eines großen Europäers,
Schriftstellers und Humanisten ein Ende gefunden, was tiefe Betroffenheit
auslöst". Der frühere tschechische Präsident "hat sich in der
Diktatur als deren Gegner und in der Demokratie als deren Unterstützer bewährt.
Er war Künstler und Politiker, Dissident und Staatsmann und hatte immer ein
waches Gewissen. Jedes Gespräch mit Vaclav Havel war ein Vergnügen", so
Fischer in einer Aussendung.
Faymann: "Wir verlieren eine Symbolfigur"
Bundeskanzler Werner Faymann hat nach dem Tod von Vaclav Havel den Angehörigen, Freunden und Weggefährten des ehemaligen tschechischen Präsidenten seine Anteilnahme ausgedrückt. "Mit Vaclav Havel verlieren wir eine Symbolfigur für ein friedliches, demokratisches und geeintes Europa", sagte Faymann am Sonntag laut einer Mitteilung des Bundeskanzleramtes.
Für Faymann verstarb mit Havel eine der "wesentlichen politischen Persönlichkeiten der Nachkriegszeit". Er sei ein Wegbereiter und Vorkämpfer der Demokratisierung in Osteuropa und damit der politischen und wirtschaftlichen Integration des Kontinents gewesen. "Er war ein großer Europäer", erklärte der Bundeskanzler. "Vaclav Havel hat sich auch von Verfolgung durch das kommunistische Regime nicht daran hindern lassen, für Werte wie Demokratie, Meinungsfreiheit und Menschenrechte einzutreten."
Spindelegger: "Er war ein Weltbürger"
Auch Außenminister und Vizekanzler Michael Spindelegger zeigte sich tief betroffen vom Ableben des ehemaligen tschechischen Präsidenten Vaclav Havel. "Mit Vaclav Havel geht eine Galionsfigur der tschechischen und europäischen Demokratiebewegung von uns. Wir verlieren mit ihm einen großen Europäer und herausragenden Politiker. Er war gleichzeitig genuiner Mitteleuropäer und Weltbürger", so Spindelegger in einer Aussendung. Spindelegger verweist auch auf das künstlerische Schaffen von Havel: "Seine Texte waren kritisch und weltoffen. Durch diese Werke, für die er auch in Österreich ausgezeichnet wurde, bleibt uns sein Streben nach Freiheit und Demokratie erhalten." (APA)