Elektronische Gesundheitsakte heuer nicht mehr im Ministerrat

18. Dezember 2011, 12:08

Ministerium arbeitet noch an "Feinjustierung" - Kritik der Ärztekammer hält an

Wien - Das lange versprochene Gesetz für die Elektronische Gesundheitsakte (ELGA) wird heuer nicht mehr den Ministerrat passieren. Letzte Gelegenheit dafür wäre am Dienstag, da steht das Vorhaben aber nicht auf der Tagesordnung der Regierungssitzung, erfuhr die APA im Gesundheitsministerium. Als Grund werden noch offene "Feinjustierungen" genannt.

Ab 2015 (erste Einführungsschritte schon ab Mitte 2013) soll ELGA die Gesundheits- und Medikamentendaten so gut wie aller Österreicher erfassen und gesichert für Ärzte, Spitäler und Patienten selbst abrufbar machen. Die E-Medikation, für die derzeit der Pilotversuch ausläuft, ist Teil dieses Vorhabens. Das ELGA-Gesetz - eigentlich eine Novelle zum Gesundheitstelematikgesetz - schafft die rechtlichen Rahmenbedingungen dafür.

Bund, Länder und Sozialversicherungen stehen hinter dem Vorhaben, heftige Kritik übt die Ärztekammer. Nun scheint ihr Wunsch auf Einbindung erfüllt zu werden, was die Verzögerung erklärt. Erst am Freitag freute sich Kammerpräsident Walter Dorner über bevorstehende "ernsthafte Expertengespräche".

Verhandlungen seit Jahresbeginn

Einen ersten Gesetzesentwurf hatte Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) bereits zu Jahresbeginn vorgelegt. Dieser wurde in der Begutachtung nicht nur von den Ärzten, sondern auch von Datenschützern regelrecht zerpflückt. Im neuen Text soll nun eine verpflichtende elektronische Identitätsüberprüfung, der Ausschluss geheimer psychiatrischer Daten und genetischer Analysen, eine einfachere Widerspruchsregelung, eine längere Speicherdauer der Daten und die Einbindung auch der Pflegeeinrichtungen vorgesehen werden.

Soll 129 Millionen bringen

Unverändert bleibt die "Opt-out"-Regelung für die Teilnahme. Das bedeutet, dass analog zu den Bedingungen bei den Organspenden jeder eine elektronische Gesundheitsakte erhält, der sich nicht selbst abmeldet. Kosten soll die ELGA bis Ende 2017 rund 130 Mio. Euro, soll laut Berechnungen des Gesundheitsministeriums dann aber jährlich fast gleich viel, nämlich 129 Mio. Euro an Kostendämpfung bringen. Ab 2018, wenn das System in Vollbetrieb ist, sollen Betriebskosten von 18 Mio. Euro jährlich anfallen. (APA)

Sarepta
01
19.12.2011, 01:09
Es lebe die Bananenrepublik!

Denkorant
02
18.12.2011, 16:20
Warum die Gesundheitsakten gestohlen werden und warum jeder davon betroffen sein wird. (Teil 2)

Drittens: Kann man wirklich aus dem System aussteigen?
Selbst wenn 20% der Versicherten sich entschließen nicht mitzumachen, stehen noch immer 80% an Datensätzen zur Verfügung. Ein Arbeitgeber wird daher nur noch Gespräche mit potentiellen Mitarbeitern führen, wo er Daten zur Verfügung hat (ähnlich Versicherungen). Hier die Kernforderung: Unbedingt eine freiwillige Anmeldung und auf keinen Fall ein aufgezwängtes Abmeldungsverfahren!

Viertens: Die Belastung der nächsten Generation
Daten, welche mal weitergegeben wurden, sind für immer im Umlauf (vor allem interessant bei Erbkrankheiten)

Ach ja – sind Kinder bis zur Volljährigkeit Zwangsverpflichtet dabei zu sein?

Ein zurecht verärgerter Patient!

locken
00
18.12.2011, 16:02
Sofortige Abstimmung der Beitragszahler !

Denkorant
12
18.12.2011, 14:38
Warum die Gesundheitsakten gestohlen werden und warum jeder davon betroffen sein wird. (Teil 1)

Erstens: Gestohlen wird, was wertvoll ist!
Wertvoll sind die Gesundheitsdaten weil jeder Arbeitgeber lieber gesunde als potentiell krankheitsanfällige Mitarbeiter beschäftigt. Wenn wir annehmen, dass ein Mitarbeiter einem Arbeitgeber 80.000€ pro Jahr kostet, lassen sich hierdurch schon Millionenbeträge an Einsparungspotential (in dem Fall für Arbeitgeber) berechnen. Hierbei sind Begehrlichkeiten von Versicherungen noch gar nicht berücksichtigt. Daher: Diese Gesundheitsakte ist hunderte Millionen von € wert.
Zweitens: Es gibt keinen absoluten Schutz!
Wie viele Mitarbeiter haben Zugang zu diesen hochbrisanten Daten (Systemverwalter)? Es reicht hier ein Mitarbeiter (mit Zugang) welcher erfolgreich bestochen oder unter Druck gesetzt wurde.

Hofzwerg
00
18.12.2011, 14:19
ich möchte nicht derart erfasst werden

es sollte jeden freistehen , ob er dies machen will oder nicht.
klar muss sein meine daten gehören mir und ich entscheide wer diese bekommt oder nicht.

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