4.500 Soldaten starben in neun Jahren Einsatz - USA planen finanzielle Hilfe nach Abzug: 2012 sechs Milliarden US-Dollar
Washington/Grenze zwischen Irak und Kuwait - Acht Jahre und rund neun Monate nach Beginn des Irakkriegs haben
die letzten US-Kampftruppen das Land verlassen. Auf Live-Bildern des
US-Senders CNN war zu sehen, wie der letzte Truppenkonvoi am
Sonntagmorgen die Grenze zum Nachbarland Kuwait überquerte. Schwere
gepanzerte Fahrzeuge und Tieflader mit Panzern passierten die
Grenzstation in der Wüste. Anschließend wurde das Grenztor
geschlossen. Ein Armeesprecher bestätigte dem Sender, dass damit der
Abzug der US-Truppen abgeschlossen sei.
Laut CNN verließen mit dem letzten Konvoi aus 110 Fahrzeugen 500
Soldaten aus Ford Hood in Texas den Irak. Sie seien in der Nähe von
Nassirija rund 300 Kilometer südlich von Bagdad stationiert gewesen.
Zunächst würden die Soldaten im US-Feldlager Virginia in Kuwait
untergebracht, bevor es mit dem Flugzeug in die Heimat gehe, hieß es.
Die USA waren am 20. März 2003 auf Befehl des damaligen
Präsidenten George W. Bush in den Irak eingedrungen, um den damaligen
Machthaber Saddam Hussein zu stürzen. Die angeblichen
Massenvernichtungswaffen, einer der Hauptgründe Washingtons für den
Krieg, wurden nie gefunden.
Laut "Huffington Post" (Online-Ausgabe) kostete der Einsatz den
USA 800 Milliarden Dollar. In Spitzenzeiten standen bis zu 170.000
US-Soldaten in dem Land am Golf. In den vergangenen Monaten wurden
505 Stützpunkte geräumt. Etwa 4.500 Soldaten wurden getötet, mehr als
30.000 verletzt. Einige Schätzungen gehen von mehr als 126.000
getöteten Zivilisten aus, nach Angaben der UNO wurden 1,75 Millionen
Iraker während des Konfliktes zu Flüchtlingen.
Aufständische setzen Kampf fort
Präsident Barack Obama hatte bereits im Oktober den Abzug fast
aller amerikanischen Soldaten bis zum Jahresende angekündigt. Obamas
Regierung wollte ursprünglich mehrere Tausend US-Soldaten im Land
lassen, um ein Gegengewicht zu den Streitkräften im benachbarten Iran
zu bilden. Der Irak war jedoch nicht bereit, den amerikanischen
Soldaten die geforderte Immunität vor Strafverfolgung zu gewähren.
Die USA verlassen ein Land, in dem die Aufständischen zwar
geschwächt wurden, ihren Kampf aber fortsetzen. Mitte der Woche
hatten mehrere tausend Iraker den Abzug in der einst schwer
umkämpften Region Falluja gefeiert. Einige verbrannten US-Flaggen und
zeigten Bilder toter Verwandter.
Sechs Milliarden Dollar
Diese Woche hatten der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki und
US-Präsident Barack Obama darüber beraten, wie das Verhältnis der
beiden Staaten nach dem Ende des Militäreinsatzes aussehen soll. Ab
dem 1. Jänner würden die USA und der Irak eine "normale Beziehung"
zwischen souveränen Staaten führen, hatte Obama gesagt. Der Irak darf
sich aber auch künftig weiter der Aufmerksamkeit der einstigen
Besatzungsmacht sicher sein. So ist die US-Botschaft mit 16.000
Mitarbeitern die größte diplomatische Vertretung Washingtons auf der
Welt.
Auch aus finanzieller Sicht haben die USA vorgesorgt: Alleine für
das Jahr 2012 sechs Milliarden US-Dollar in den Irak fließen. Der
"New York Times" zufolge planen die Regierung nun auch eine
Verstärkung ihrer militärischen Präsenz in anderen Ländern der
Golfregion, um für einen Sicherheitskollaps im Irak oder eine
mögliche militärischen Konfrontation mit dem Iran gewappnet zu sein. (APA)