"Bush sind Frauenrechte egal"

6. Juni 2003, 13:08
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Menschenrechtsexpertin Ann E. Mayer beklagt: USA verweigern Ratifizierung der UNO-Frauenrechtskonvention

Wien - "Wir wissen, dass Präsident Bush Frauenrechte egal sind", sagte die US-Verfassungs- und Menschenrechtsexpertin Ann Elizabeth Mayer anlässlich eines Vortrages zum Thema Islam und Frauenrechte am Donnerstag in Wien. Die USA hätten - anders als einige islamische Staaten - die UNO-Frauenrechtskonvention bis dato nicht ratifiziert. Zur Situation in der islamischen Welt sagte die Expertin, Frauenrechte würden in jedem Staat unterschiedlich ausgelegt: "Es geht nicht um den Islam".

Keine Unterstützung der Frauenrechte in Afghanistan

"Zu der Zeit, als er (Bush) versuchte, die Vereinigten Staaten für einen Krieg gegen die Taliban zu mobilisieren, ließ er seine Frau in der Öffentlichkeit darüber sprechen, wie schrecklich es sei, dass für afghanische Frauen die Menschenrechte nicht gelten. Das ist sehr interessant, denn die USA haben sich geweigert, die Frauenrechtskonvention (der UNO) zu ratifizieren", sagte Mayer.

Neben San Marino und Monaco seien die USA das einzige Land der westlichen Welt, das die Konvention nicht verabschiedet habe: "Afghanistan hat den Vertrag ratifiziert. Die Vereinigten Staaten nicht, und werden es wahrscheinlich nie tun", erklärte die Universitätsdozentin. Nach dem Krieg gegen die Taliban hätten sich die USA außerdem geweigert, die nötigen finanziellen Mittel zur Förderung von Frauenrechten in Afghanistan zur Verfügung zu stellen.

Kulturgefälle

Es störe sie, dass die Menschen im Westen so viel über die Verstümmelung von Frauen sprächen und dies als Zeichen von Barbarei werteten. Es sei einfach, gegen diese Praxis Stimmung zu machen. In Wahrheit sei es Frauen in moslemischen Gesellschaften ein viel dringlicheres Anliegen, Zugang zu sauberem Trinkwasser zu haben. Mayer: "Das beunruhigt mich, denn ich glaube, dass wir im Westen dazu neigen, über bürgerliche und politische Rechte zu sprechen, und die sind natürlich sehr wichtig, verstehen Sie mich nicht falsch, ich denke, dass bürgerliche und politische Rechte sehr wichtig sind, aber sie kosten uns nichts." Für Hilfe in sozialen und wirtschaftlichen Bereichen müßte der Westen hingegen die entsprechenden Mittel aufzuwenden bereit sein, erklärte die Juristin.

Interpretation islamischer Quellen

Zur Lage der Frauenrechte in islamischen Staaten sagte Mayer, das islamische Recht werde unterschiedlich ausgelegt. Laut Ansicht der Expertin geht es dabei weniger um die Grundlagen des Islam selbst als um Politik: "Es ist wesentlich, zu versuchen zu verstehen, wie die Menschen die islamischen Quellen interpretieren." Dies sei ein sehr interessantes Thema. "Aber ich glaube nicht, dass wir sagen können, dass die islamische Religion als solche für die Auseinandersetzungen um die Frauenrechte verantwortlich ist", erklärte Mayer.

Saudiarabien und Iran

In ihrem Vortrag an der Diplomatischen Akademie erläuterte Mayer die unterschiedliche Situation der Frauenrechte in der islamischen Welt anhand von Saudiarabien und dem Iran. Saudiarabien, dessen Frauenpolitik unter anderen von amnesty international scharf kritisiert werde, habe im Gegensatz zu Teheran die Frauenrechtskonvention der UNO ratifiziert, wenngleich auch mit einer Reihe von Einschränkungen. Der Iran hingegen habe Frauenrechte "gemäß islamischen Grundsätzen" in seiner Verfassung verankert. (APA)

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    Schaut bei Frauenrechten lieber weg - George W. Bush.
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    Frauenrechte in islamischen Ländern werden unterschiedlich ausgelegt.
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