Rumsfeld-Berater schließt Präventivschlag nicht aus

6. Juni 2003, 11:15
69 Postings

Um Weitergabe nordkoreanischer Nuklearwaffen zu verhindern - Perle: "UN sind weitgehend irrelevant"

Berlin - Ein Militärschlag der USA gegen Nordkorea sei gerechtfertigt, wenn sich damit die Weitergabe nordkoreanischer Nuklearwaffen verhindern lasse. Diese Auffassung hat Richard Perle, einer der wichtigsten Berater von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, nach einer im voraus ausgesendeten Meldung des deutschen Nachrichtensenders N24.

Perle macht demnach deutlich, dass man eine präventive militärische Lösung "nicht ausschließen" dürfe. "Wenn wir das täten, würden wir den Nordkoreanern sagen, ihr könnt tun, was ihr wollt, wir werden auf keinen Fall Gewalt anwenden. Das würde doch unsere Diplomatie untergraben", sagte Perle im Gespräch mit dem N24-USA-Korrespondenten.

Weitergabe von Nuklearwaffen möglich

Zur Begründung erinnert Perle an das Al-Kaida-Attentat in New York. Es sei nicht auszuschließen, "dass Nordkorea Nuklearwaffen weitergeben könnte", so Perle. "Die Frage ist dann doch, ob wir eingreifen, bevor es zu einer solchen verhängnisvollen Übergabe käme. Hätten wir Al-Kaida vor dem 11. September angegriffen, wären heute 3.000 Menschen noch am Leben."

Auf die Hilfe der UNO könne man nicht vertrauen, gibt der Rumsfeld-Berater zu verstehen: "Die Vereinten Nationen sind heute weitgehend irrelevant." Erst müsse die Satzung der UNO die Unterstützung von Terroristen ahnden, "dann könnten die Vereinten Nationen wieder eine nützliche Rolle spielen".

Deutschland "willkommen"

In dem N24-Interview begründet Perle außerdem, warum Deutschland jetzt allenfalls als Lieferant von Hilfslieferungen im Irak willkommen sei: "Deutschland hat sich auf die Seite Saddams gestellt - anders kann man die deutsche Position nicht bezeichnen. Da wäre es doch eine bittere Ironie, wenn sich Deutschland im Irak jetzt auf eine Stufe stellen dürfte mit den Staaten, die gekämpft haben, um den Irak zu befreien." Darum würden die Iraker deutsche Hilfslieferungen "sicher gerne annehmen", so Perle. "Ganz anders sieht es aus, wenn deutsche Firmen jetzt im Irak Geschäfte machen wollen. Das werden die Iraker wahrscheinlich nicht so gerne sehen." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Nach der Auffassung von Richard Perle sei eine präventive militärische Lösung nicht auszuschließen.

Share if you care.