"Wichtig, dass der Name Timoschenko jetzt nicht aus der Politik verschwindet"
Wien - Die Tochter der inhaftierten ukrainischen
Ex-Ministerpräsidentin Julia Timoschenko wäre bereit, statt ihrer
Mutter bei den Parlamentswahlen 2012 anzutreten. Wenn es "notwendig"
sein sollte "und mich meine Mutter darum bittet, werde ich natürlich
an ihrer Stelle bei den Wahlen kandidieren", sagte Eugenia
(Jewgenija) Timoschenko (seit 2005 verheiratete Carr, Anm.) im
Interview mit der "Kronen-Zeitung". Es sei "wichtig,
dass der Name Timoschenko jetzt nicht aus der Politik verschwindet."
Ihre Priorität sei nun aber, dass Julia Timoschenko wieder aus dem
Gefängnis kommt. Die 31-Jährige schilderte den Gesundheitszustand
ihrer 51-jährigen Mutter als dramatisch: "Sie kann nicht gehen, hat
sehr starke Rückenschmerzen und ihre Arme sind von einem seltsamen
Hautausschlag überzogen." Timoschenko erhalte keine medizinische
Betreuung und würde im Bett liegend verhört. "Das ist auch in der
Ukraine illegal."
Eugenia Timoschenko sieht in dem Prozess gegen ihre Mutter vor
allem einen Racheakt von Staatspräsident Viktor Janukowitsch. "Wenn
Rache und Angst einen Menschen antreiben, handelt er nicht mehr
rational." Sie deutete gleichzeitig an, dass die Ex-Regierungschefin
nach einer eventuellen Freilassung zur Führungsfigur einer neuen
"Orangen Revolution" werden könnte: "Er (Janukowitsch) weiß, in dem
Moment, in dem sie wieder in Freiheit ist, wird sie das ganze Land
zum Aufstehen bringen. (...) Ich halte es für möglich, dass die
Menschen im Frühling für ihre Rechte auf die Straße gehen."
Im Oktober war die ukrainische Oppositionspolitikerin, eine der
Galionsfiguren der "Orangen Revolution" von 2004, in einem
umstrittenen Prozess wegen angeblichen Amtsmissbrauchs zu sieben
Jahren Haft verurteilt worden. Sie soll mit einem im Jahr 2009 mit
Russland abgeschlossenen Gasliefervertrag ihrem Land schweren
finanziellen Schaden zugefügt haben. Das Urteil wurde von EU und USA
kritisiert. Derzeit läuft ein Berufungsverfahren. (APA)