Die Herren Abfahrt wird aufgrund von starkem Wind nach 21 Läufern abgebrochen - Führende Franzosen ärgern sich, der Rest atmet durch
Wolkenstein/Grödnertal - Der Abfahrts-Klassiker des alpinen
Ski-Weltcups der Herren in Gröden ist am Samstag nach 21 Läufern abgebrochen
worden. Starker Wind machte ein faires Rennen auf der Saslong unmöglich. Die
großen Verlierer des Abbruchs waren die Franzosen. Johan Clarey und sein
Teamkollege Adrien Theaux nützten mit den Startnummern 10 und 9 die
vergleichsweise optimalen Bedingungen perfekt aus und sorgten für eine
Doppelführung Frankreichs, das seit 2003 (Antoine Deneriaz) auf einen
Gröden-Triumph wartet.
"Ich würde am liebsten weinen. Dieser Abbruch war ungerecht", schäumte
Clarey, dem 100 Punkte für den ersten Weltcup-Sieg und 22.000 Euro Prämie durch
die Lappen gingen, vor Wut. "Die Bedingungen waren wechselhaft, aber doch auf
keinen Fall gefährlich", so Clarey, der 2009 als Dritter in Gröden sein
weiterhin einziges Weltcup-Podest erreicht hat. Theaux war ebenfalls am Boden
zerstört, seiner Meinung nach war die Entscheidung von FIS-Renndirektor Günter
Hujara und der Rennjury nicht nur ungerecht, sondern auch verfrüht.
"Natürlich hatten wir Glück, aber in Lake Louise hatte ich zum Beispiel Pech
und da wurde das Rennen auch nicht abgebrochen. Außerdem wäre noch genügend Zeit
gewesen, um abzuwarten", erklärte Theaux. Hujara verteidigte natürlich den
Abbruch: "Die Entscheidung der Jury erfolgte aus Sicherheitsgründen. Der Wind
hat alle 15 Sekunden die Richtung geändert. Aber ich verstehe natürlich die
Enttäuschung der Franzosen."
"Die Fairness hat gesiegt"
Andere Läufer sahen die Lage naturgemäß ganz anders als die Franzosen. Die
Topathleten wie Aksel Lund Svindal, Didier Cuche, Romed Baumann oder Klaus Kröll
wurden allesamt vom Wind verblasen und kassierten ohne ersichtliche Fehler
Rückstände von teilweise mehr als zwei Sekunden. Nach Cuche (Startnummer 18) zog
Hujara die Notbremse und unterbrach die Abfahrt. Nach 45-minütigem Zuwarten
wurde noch ein Versuch unternommen, mit Super-G-Sieger Beat Feuz, Svindal und
Kröll gingen noch drei Athleten über die Saslong, ehe dann endgültig Schluss
war.
Laut Weltcup-Regulativ müssen zumindest 31 Läufer im Ziel sein, damit Punkte
vergeben werden. "Das war eine Lotterie", meinte der Tiroler Mario Scheiber, der
als erster Österreicher ins Rennen ging. "Die Absage ist natürlich schade, aber
die Fairness hat gesiegt. Eine Absage ich viel besser als ein durchgepeitschtes
Rennen mit einem Ergebnis, mit dem man nichts anfangen kann", war auch Kröll
ganz der Meinung von Hujara. Und auch Baumann stellte klar: "Das wäre nur ein
weiteres vom Wind beeinflusstes Schweinsderby gewesen. Es geht da nicht um die
goldene Wurstsemmel, sondern um den Weltcup."
Gröden hatte 2011 kein Glück mit dem Wetter. Die beiden Abfahrtstrainings am
Mittwoch und Donnerstag arteten wegen Nebels und zahlreichen Unterbrechungen zu
drei- bzw. vierstündigen Marathons aus. Der Super G am Freitag musste wegen
Nebels auf verkürzter Strecke stattfinden. Und die Abfahrt wurde zunächst
aufgrund des Windes ebenfalls verkürzt und schließlich sogar abgebrochen. Nach
dem Abbruch trat der Weltcup-Tross die Reise übers Grödnerjoch nach Alta Badia
an, wo am Sonntag ein Riesentorlauf und am Montag ein Slalom auf dem Programm
stehen. (APA)