Überprüfung

Wien lässt Theaterreform für Off-Szene evaluieren

17. Dezember 2011, 12:50

SPÖ-Alleinregierung hatte Projekt 2003 initiiert - Ergebnisse der Überprüfung sollen Ende März 2012 vorliegen

Die rot-grüne Stadtregierung in Wien lässt die 2003 mit großem Pomp initiierte Theaterreform für die Bundeshauptstadt evaluieren. Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny will in Absprache mit dem Koalitionspartner seine 2003 initiierte Reform der Wiener Off-Szene überprüfen, wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe berichtet. "Wir nehmen die Neuausschreibung der Konzeptförderung zum Anlass, uns gemeinsam mit einer neuen Jury und einer externen Expertise anzuschauen, ob wir die Ziele, die wir uns vorgenommen haben, auch tatsächlich erreicht haben", so der Kulturstadtrat.

Die Evaluierung soll das NPO-Institut, eine Einrichtung der Wirtschaftsuniversität, erstellen und dabei dem Renommierprojekt sowohl qualitativ als auch quantitativ auf den Zahn fühlen. Der Schlussbericht hierzu soll Ende März 2012 vorliegen und in Folge auch veröffentlicht werden. (APA)

Cooper the Bloom1
 
00
18.12.2011, 22:00
Die Theaterreform ist gescheitert. Daran gibt es keinen Zweifel.

Die Freie Szene wurde nie selbst befragt, was sie braucht, sondern es wurde eine Reform oktroyiert. Und das ist das Gegenteil von dem, was eine Freie Szene braucht: Freiräume, Selbstverwaltung und einen langen Atem um neue, radikale Wege zu gehen, Öffnung der Großbühnen für Freie, Eingliederung der "Arrivierten" in bestehende Häuser. Was haben wir bekommen? Peinliche, achsojunge Intendanten einiger Kleintheater, "Arrivierte", die fast das gesamte Budget verbrauchen, völlig unterdotierte "Kuratoren", die nur ein Beirat mit 3 Mitgliedern sind, anstatt einem echten Kuratorensystem, das freihändig wirklich viel Geld verteilen könnte, Abschottung der Mittel- und Großbühnen. Verordnete Strukturen bringen die Freie Szene um. Einfach Bescheuert!

Franz Altenberger
00
21.12.2011, 12:28

In alledem zeigt sich, wie überdrüssig der Herr Stadtrat seines ehemaligen Spielzeugs gewoden ist.
> Die ersten Kuratoren hatten noch ein feines Büro, die nächsten durften in immer miesere Zimmerln im Tanzquartier unterschlüpfen, nun gibt es gar nix mehr - dabei ist das ein enorm kommunikationsintensiver Job.
> Überhaupt keine Reaktion der Kulturabteilung auf die neuen, zynisch gesetzten Einreichtermine des Ministeriums. (15.10. u. 30.4.). Auswirkung z.B.: die Einreichungen zur Projektförderung in Wien am 15. Juni werden ja ca. am 20. Oktober benachrichtigt. Man kann also erst am 30. 4. des nächsten Jahres beim bm:ukk ansuchen. Dasselbe zum Jännertermin.
- Und der Bürgermeister lässt ihn trotzdem noch immer fühlen, dass er ihn nicht mag!

Die Aufklärung
 
01
18.12.2011, 17:31
Nach dem Kahlschlag

Nach dem künstlerisch-theatralen Kahlschlag der sogenannten "Theaterreform", die ein Lobbying taffer Karrieristen mit Blick nach Deutschland sowie der Ausweis personaler Inkompetenz des (auch) sogenannten "Kulturstadtrats" war, tritt nun die Ausbildungsstätte für Kaufleute, Banker, Werbungsfritzen und Zocker, die WU, auf den Plan.

Was können denn die ausser quantifizieren und mittels dubioser Formeln behaupten, die könnten etwas messen, bei der sogennanten Reform.

"Ridicule" oder auf gut Wienerisch "lächerlich" ist das alles, und ein weiterer Beweis, wie sehr abgewirtschaftet Kunst und Kultur im aktuellen Gemeindesystem der spießigen Kleinbürgerei worden sind.

TAG statt "Gruppe 80", Geblase statt Innovation, that's it.

fipps
01
17.12.2011, 18:18
sehr interessant

Bin gespannt wie die WU insbesondere die Qualität des Theaters beurteilen will. Dazu fällt mir einiges sehr Lustiges ein...

Die Theaterreform hat die freie Szene so gut wie vernichtet, nur sehr Arrivierte hatten eine Chance auf Förderung, der Beirat fördert im Prinzip nur sich selbst und seine Klientel.

sindbaden
00
18.12.2011, 16:06
Der Neisseer
01
18.12.2011, 06:21
Es gibt keine "freie Szene" (mehr?)

Es gibt nur "nicht, oder noch nicht arriviertes" Theater, das hofft, möglichst bald arriviert zu werden.

Aber ein wirkliches Off-Programm, das sich bewußt dem arrivierten Betrieb gegenüberstellt, eine Sprache und ein Publikum sucht? Schlichtweg nicht existent. "Innovationen" sind verordnet und bestellt.

Zehn Jahre Zentralintendanz - und alles ist zubetoniert. Nicht einmal (frei) plakatieren kann man mehr, schon das sagt alles.

Wobei es eine "freie Szene" zuvor ja auch kaum gab. Aber jetzt ist der Wildwuchs halt inhaltlich wie in einen Zentralbetrieb eingegliedert und ausgerichtet, was "neu" ist und was sein soll (=wonach "Bedarf" besteht) wird von oben definiert. Und wie man so hört, soll das noch organisierter werden.

Der Neisseer
00
18.12.2011, 06:22
Ich spreche von Wien, natürlich.

Thomas Rothschild
 
07
17.12.2011, 16:10
Überflüssig

Diese Überprüfung kann man sich sparen. Je nachdem, wer sie vornimmt, lässt sich das Ergebnis voraussagen. Die Evaluierung kultureller Einrichtungen durch eine Abteilung einer Wirtschaftsuniversität ist von vornherein unangemessen. Wieso kommt niemand auf die Idee, die Effizienz von Universitäten und Institutionen der Stadtverwaltung durch Schauspieler und Musiker überprüfen zu lassen? Warum wohl? Wir wären schon zufrieden, wenn die Wirtschaftsleute die Banken evaluierten und den nächsten Finanzskandal verhinderten. Der wird nicht durch ein aufwendigeres Bühnenbild oder eine Sängerin, die das hohe C trifft, verursacht.

byron sully
21
17.12.2011, 15:35

wurde langsam auch zeit...

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