Er visiert nach Wahl im Jänner 2013 eine dritte Amtszeit mit Zugewinnen an - Gemeinderat und Regierung kleiner
Graz - Der Grazer VP-Bürgermeister Siegfried Nagl hat sich
für die Gemeinderatswahl im Jänner 2013 einiges vorgenommen. Nagl,
der 2008 ein gutes Ergebnis eingefahren hat, möchte weiter zulegen,
an Prozenten und Mandaten. Eine Neuauflage von Schwarz-Grün kann er
sich durchaus vorstellen, wenn auch mit Vorbehalten. "Ich stecke mir
hohe Ziele", sagte Nagl im APA-Interview.
Nagl glaubt, dass der Knick bei der Landtagswahl 2010, als das
Grazer Ergebnis der SPÖ den Landeshauptmann rettete, bei dem
Urnengang in gut einem Jahr keinen Niederschlag finden wird. Die
offizielle Kür zum Spitzenkandidaten steht zwar erst im Jänner 2012
an, Nagls Wiederkandidatur steht aber außer Zweifel. Eine
Weiterführung der schwarz-grünen Koalition kann er sich vorstellen:
"In Österreich gibt es das Modell in Bregenz, Oberösterreich und
Graz. In ersteren hat es nach der ersten Periode eine Wiederauflage
gegeben". Dennoch dürfe man nichts vorwegnehmen, zumal bei den Grazer
Grünen ein größerer personeller Umbau im Gange sei: "Ich bin da für
Abwarten, ob wir miteinander können". Die Bilanz nach vier Jahren sei
durchwachsen, insgesamt aber positiv: "Ich wusste, es gibt Themen,
bei denen wir uns nicht einigen. Aber der neue Stil des
Miteinanderumgehens gefällt mir gut". Auch die Magistratsreform sei
nur mit den Grünen machbar gewesen.
Mit der Wahl, die am 13. oder 20. Jänner 2013 stattfinden wird,
werden Gemeinderat und Stadtsenat reduziert: Statt 56 gibt es - wie
künftig auch im Landtag - nur noch 48 Mandatare, die Regierungsriege
schrumpft von neun auf sieben Mitglieder. So erspare man sich
inklusive der Büroleistungen fünf Mio. Euro pro Periode. "Leider ist
der Proporz nicht weg", so Nagl, der bedauert, dass im Gegensatz zum
Land ein schwer zu erwirkende Bundesverfassungsänderung notwendig
ist. Der Idee von nicht amtsführenden Stadträten - wie in Wien -
verfolgt er nicht weiter: "Die Menschen wollen, dass regiert wird."
Dass die FPÖ den für 2012 geplanten Baustart der ersten Grazer
Moschee zum Wahlkampfthema machen könnte, sieht Nagl gelassen: "Es
gibt in dem Zusammenhang zwei Möglichkeiten: Ideen haben und
umsetzen, oder keine Ideen und auf jemanden losgehen." Wenn man
aufzeige, wie es friedlich gehe - "und das ist die wichtigste Aufgabe
eines Bürgermeisters", - dann sei es auch möglich, den sozialen
Frieden zu erhalten: "Da hat sich auch bei mir in den vergangenen 15
Jahren unheimlich viel verschoben", so Nagl, der den in Graz
vertretenen über 100 verschiedenen Konfessionen und
Glaubensrichtungen mit Respekt begegnen möchte: "Wenn ich eingeladen
werde, bin ich von jeder Veranstaltung bereichert weggegangen". Die
bosnischen Muslims zeigten beim Moscheebau großes Vertrauen: "Sie
haben den Architektenwettbewerb in unsere Hände gelegt".
Einen Neustart gibt es im Fall des seit Jahren verfolgten
Entwicklungsprojektes "Reininghausgründe": Ob sich Nagls Vision eines
Stadtteils des 21. Jahrhunderts im Westen als Gegenstück zur Altstadt
realisieren lässt, könnte sich schon im Jänner nach Gesprächen mit
dem neuen Eigentümer zeigen: "Es gibt Dinge, für die zahlt es sich
aus zu kämpfen."
Beim Thema Feinstaub, bei der sich seine zuständige Grüne "Vize"
Lisa Rücker weitgehend eins weiß mit Nagl, ortet der Stadt-Chef "ein
ausschließliches Regieren von Feigheit". Der Vorwurf geht in erster
Linie an die Adresse des steirischen Umwelt- und Verkehrslandesrates
Gerhard Kurzmann (F), indirekt aber wohl auch an SPÖ und ÖVP, die der
Geschäftsverteilung im Land eben für diese Zuständigkeiten gesorgt
haben. "Wir wünschen uns die Einführung einer Umweltzone, da gibt es
nirgendwo einen Anschlag auf die Wirtschaft", drängt Nagl auf
Maßnahmen. Seit Jahren will er eine Nahverkehrsabgabe, mit der
einiges bewegt werden könnte, notwendigerweise auch über die
Stadtgrenzen. Keinen Gedanken verschwendet Nagl im Lichte der
aktuellen Gemeindefusionsdebatte an ein künftiges Amt als
"Oberbürgermeister", wie ihn LH Franz Voves (S) einmal scherzhalber
tituliert hat: Als Vorsitzender einer Region, bestehend aus Graz und
57 Umlandgemeinden, gehe es ihm darum, Vertrauen zu entwickeln und
darauf zu achten, eine sich langsam entwickelnde Basis der
Zusammenarbeit nicht zu zerstören.
Zu den bisherigen Erfahrungen mit dem generellen Bettelverbot und
dem auf dem Hauptplatz verhängtem Alkoholverbot sagte Nagl, in Graz
mache man beides - Grenzen aufzeigen und sich mit Projekten
einbringen. Das Bettelverbot habe sich seiner Meinung nach positiv
ausgewirkt, beim Alkoholverbot habe es nur eine kleinräumige
Verlagerung gegeben, weshalb man eine Ausweitung vorbereite.
Zum umstrittenen Projekt eines Stadtkraftwerks meinte der
Bürgermeister, er sei nach wie vor Befürworter. Gelänge den Grünen
und Naturschützern eine Volksbefragung, dann würde er es zur Kenntnis
nehmen und das Ergebnis respektieren. Doch derzeit scheitere man den
notwendigen 10.000 Unterschriften für die Einleitung: "Ich warte
jedenfalls ab".
Zufrieden ist Nagl mit der Budgetentwicklung, die in den
vergangenen Jahren insgesamt eine Entspannung gebracht habe:
Einerseits habe man von Verbesserungen in der FAG-Bemessung über ein
Bevölkerungsplus - Graz ist die am schnellsten wachsende Stadt
Österreichs - bei den Ertragsanteilen profitiert, andererseits
steuere man seit zehn Jahren einen Kurs der Konsolidierung und
Neustrukturierung, der nun das zweite Jahr operativ schwarze Zahlen
zur Folge habe. So könne man sich auch 2012 mit 171 Mio. Euro - die
bisher höchsten Investitionen - vornehmlich in Verkehrsprojekte -
leisten. (APA)