Eine neue Schicht von Perspektivlosen, Frustrierten, potenziellen Problemjugendlichen wächst heran
Lerncafé. Die Salzburger "Caritas" hat ein sogenanntes Lerncafé eingerichtet. Hier sollen Kinder mit dem sogenannten Migrationshintergrund und aus sozial schwächeren Familien am Nachmittag Hausübungen machen, lernen, sich auf Tests vorbereiten und dann eine Stunde spielen - unterstützt von ehrenamtlichen Helfern.
Diese Meldung sagt mehr aus über gesellschaftliche Zustände als viele Studien und Umfragen. Wir haben eine nennenswerte Anzahl von Kindern, die Sprachprobleme und Lernschwierigkeiten aufweisen - viele davon "mit Migrationshintergrund", aber nicht nur. Die Schule kann das nicht beheben, das Elternhaus auch nicht oder schon gar nicht. "Kein Geld für Nachhilfestunden, ein niedriges Bildungsniveau der Eltern, das es ihnen unmöglich macht, die Kinder zu unterstützen", erklärt der Salzburger Caritas-Direktor. Eine neue Schicht von Perspektivlosen, Frustrierten, potenziellen Problemjugendlichen wächst heran - im reichen Österreich.
Wenn die Caritas einen Raum zur Bildung bieten muss, um Kinder nicht auf der Straße verwahrlosen zu lassen, dann stimmt mit dem System etwas nicht - ebenso, wie wenn Nacht- und Notdienste im größten Spital Mitteleuropas gestrichen werden müssen, weil neun Millionen fehlen (die die Inseratenverteilungsmaschine der Stadt Wien unterwegs am Gang verliert). Irgendwo wird das Geld falsch verwendet. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.11.2011)