Nulldefizit der Gemeinden

Ein trügerischer Erfolg

Kommentar | Gerald John, 16. Dezember 2011, 19:09

Die Kommunen haben sich den Budgeterfolg teuer erkauft, indem sie Investitionen heruntergefahren haben - Das ist keine Zukunftsstrategie

Aus dem Jammertal tönen plötzlich Jubelchöre. Österreichs Städte und Dörfer vermelden ein kollektives Nulldefizit, zumindest nach wohlwollender Rechnung. Ganz allein hätten die Gemeinden die "Sensation" geschafft, heißt es: durch Kürzungen, ganz ohne Steuern.

Klingt wie aus einem Testlabor für Schuldenbremsenentwicklung: Ein Nulldefizit geht ja doch. Die Politiker müssen sich nur zu mutigen Sparpakten durchringen.

So einfach ist die Sache freilich nicht. Natürlich trug der Wirtschaftsaufschwung sein Scherflein bei, und die Kommunen haben sich den Budgeterfolg teuer erkauft, indem sie die Investitionen um 18 Prozent heruntergefahren haben. Eine Zukunftsstrategie ist das nicht. In der Hochkonjunktur sind solche Einschnitte verkraftbar - in einer Rezession, wie sie nun droht, hingegen ein Beschleuniger für Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Talfahrt.

Auf der Strecke bleiben nicht nur die Sanierung der Gemeindestraße, der Neuverputz der Dorfschule oder das Prestigeprojekt eines Bürgermeisters, sondern auch Interessen der gesamten Gesellschaft. Mehr und bessere Kinderbetreuung verspricht die Regierung etwa - ein leeres Bekenntnis, wenn den Gemeinden das Geld fehlt. Die negativen Folgen sind vielfältig: Integration und Bildungsniveau von Kindern leiden ebenso wie die Frauenbeschäftigung - und damit Wirtschaft und Pensionsfinanzierung. Sparen auf diese Art kommt später teuer zu stehen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.12.2011)

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Posting 1 bis 25 von 44
1 2
roland geheim
00
18.12.2011, 13:21
nur einmal NÖN-nachrichten lesen...

und schon weiß man für welch blödsinn geld für die gemeinden ausgegeben wird - warum muß jedes 2te kaff ein kunsthaus, ein riesiges hallenbad oder einen eislaufplatz haben??

noch lustiger ists wenn die kirchen um teures steuergeld saniert werden - wo doch eh jeder weiß, daß die kirche die mit abstand reichste institution des landes ist...

nur meine meinung

Der Artikel gefällt mir
00
18.12.2011, 13:59
Kultur brauchmaned, am Land genügt ein Raiffeisenturm!

site:°~+*-||!#.\>
02
18.12.2011, 01:55

Werter Herr John, wenn sie ein Qualitätszeitungs-Journalist wären, würden sie die Zahlen eines Mödlhammer und der Kommunalkredit hinterfragen.

1. "Ganz ohne Steuern hätten es die Gemeinden geschafft", ist blanker Unsinn. Viele Gemeinden haben die Gebühren gewaltig erhöht und Familiensilber verkauft.

2. haben die Gemeinden die Investitionen nicht um 18 % gekürzt, denn die Subventionskürzungen bei Schwammerlbrocker- und Theatervereinen haben konjunkturell keine Auswirkungen.

3. Was glauben sie, wie viele desolate Straßen und Schulen man sanieren und Kinder besser betreuen könnte, wenn man die 2357 (!) Gemeinden bezirksweise zusammenlegt und die Länder abschafft?

Der Föderalismus macht uns zum Entwicklungsland.

jon wostre
01
18.12.2011, 12:57
Schafft die Bundesländer ab...

... und das Sparpaket wäre fertig.

site:°~+*-||!#.\>
01
18.12.2011, 02:09

Nachtrag:

Kanal- und Wassergebühren, Tourismus- und Müllabgaben, Bestattungsgebühren, Luftsteuern etc. sind längst zu illegalen Steuern der Gemeinden geworden.

Die Einnahmen aus diesen Gebühren übersteigen den Aufwand in vielen Gemeinden um ein Vielfaches.

So werden Gemeindegebühren zu Gemeindesteuern.

ugo tognazzi
00
17.12.2011, 23:02

wo fangen wir denn sonst an? der dorfplatz kann warten. die musikschule kann warten. rezension haben wir absolut keine,
alles richtig

berlini
22
17.12.2011, 20:32
Wieder einer der das Kapputtsparen an die Wand malt

nur es es gibt keine Beispiele von Kaputtsparen, dafür sehr viele Beispiel von Kaputtausgeben. Wieviele Gemeinden stehen unter Kuratel? Hier Springt das Land, bei Staaten gibts nur den Bankrott.

oblomow II
00
18.12.2011, 14:13
beispiel für kaputtsparen gefällig?

schlagen Sie bitte einmal googelnd brüning nach und überlegen Sie die politischen folgen.
und dann vergleichen Sie bitte ein beispiel aus der selben zeit:
new deal

berlini
00
18.12.2011, 22:22

Das war kein Kaputtsparen, Deutschland war kaputt. In so einer Situation sollte man investieren.
Dew Deal ist auch ein Beispiel dafür zumal die USA sich zu dieser Zeit Schulden leisten konnte.
Nur viele haben nicht verstanden, das ist invstieren in extremen Krisen - habe kein Verständnis dafür, das man das als Argumentation für sinnloses Geldausgeben hernimmt.

Beispiele für Kaputtausgeben - die sozialen Folgen kann man auch recherieren:
http://de.wikipedia.org/wiki/Benu... sbankrotte

Kondratjew -Zyklus
 
01
17.12.2011, 20:22
Tulln schafft nicht einmal das !

Dafür lässt man sich während der Auflagefrist des Rechnungsvornschlags um 500.000.- EURO von einem Strasser-Freunderl "beraten", wie man für 2012 die 1.2 Millionen EURO Defizit wegbekommt.

BioLex .
01
17.12.2011, 16:29

der Artikel strotzt ja nur so von Zahlen und Analysen derer!
und er ist ein Beispiel wie man gut wirtschaften auch ohne jeglichen Hintergrund schlechter beschreiben kann...

Francesca
00
17.12.2011, 23:49
Investitionen massiv runter schrauben ist

gut wirtschaften? Fekter wird ausserdem den doofen Landbürgermeistern schon zeigen, wie ihr defizit berechnet wird, da brauchen sie nicht auf kreative buchhaltung rechnen!

BioLex .
00
18.12.2011, 17:24

nein, alle Aufgaben der Gemeinde gut zu erledigen ohne Schulden zu machen ist gut wirtschaften...
da der Artikel leider darauf nicht eingeht...

im Umkehrschluss müsste man sonst sagen, eine Gemeinde mit riesigen Schulden ist toll, denn sie hat für ihre Bürger ja jede Menge.... ausgegeben...

chrilly donninger1
12
17.12.2011, 09:58
Wo könnte man einsparen?

Eine vollkommen überflüssige Einrichtung sind die Ortsvorsteher. Wir haben bei 850 Ew. 9 Ortsvorsteher. Die bekommen - wenn sie nicht in anderwertigen Funktionen mehr verdienen - 100-150 Euro pro Monat. De facto finanziert sich in Landgemeinden die ÖVP damit ihren Parteiapparat.

Ins Eingemachte geht schon die Zusammenlegung von Feuerwehren. Wir haben 2. Die 4000 Ew. Gemeinde Gr.Gerungs hat 13, die Stadt Zwettl 23.
Aber das kann nur durch Druck vom Land aus kommen. Lokal ist das nicht zu derstemmen. Der Bgm. der das durchzieht begeht politischen Selbstmord.

Die ganz grossen Brocken Krankenhaus- und Sozialabgaben sind aber kein lokal lösbares Problem.
Ebenso die absurde Aufsplittung der Verantwortung und Kosten im Schulbereich.

Andreas Prucha
10
17.12.2011, 15:23

Hä? Zwettl soll 23 Feuerwehren haben? Des kanni ma ned wirklich vorstellen.

Kondratjew -Zyklus
 
00
17.12.2011, 20:24
Die Freiwilligen Feuerwehren sind oft die einzigen Öffentlichen Einrichtungen im Dorf.

Meist gibt es nicht einmal Gasthäuser mehr.

chrilly donninger1
01
17.12.2011, 20:20
Ganz einfach

zur Marktgemeinde Zwettl gehören viele kleine Orte. Friedersbach, Zwettl-Stift ....
Und in jeden dieser Orte gibt es eine FF.

franz der freie
 
03
17.12.2011, 09:27
und es is ollas ned wohr.

die gemeinden und städte haben ihre schulden schon lange verschleiert durch die gründung von sondergesellschaften. diese haben meist die form einer gmbh , die gemeinde haftet aber dafür> meistens für die hohen kredite. praktischerweise können die bürgermeister ihre ganze verwandtschaft mit hohen gehältern in diesen firmen unterbringen. natürlich lauter erfahrene geschäftsleute, oder ? so hält man milliardenschulden aussen vor. ich nehme aber an, dass die ratingagenturen diesen schwindel auch einmal durchschauen werden. dann gute nacht für unser rating>> ccc+ wäre dann ein hit.

Francesca
01
17.12.2011, 23:57
Diese Auslagerung der Investitionen und Schulden

ist in OÖ vom LAnd befohlen (auf diese weise holt man sich die Mehrwertsteuer als Vorsteuer vom Finanzamt - zulasten aller Finanzausgleichspartner - zurück und muss dann in der Folge mit der Miete für das Gemeindeamt, das Feuerwehrhaus, usw. 10 prozent mehrwertsteuer zahlen. Kreative Buchhaltung von oben angeordnet.

Francesca
00
17.12.2011, 23:51
Diese Auslagerung der Investito

chrilly donninger1
02
17.12.2011, 10:05
Man braucht nicht einmal eine Gmbh

Man kann unter dem Titel "marktbestimmender Betrieb" aus Kanal, Wasser .... fiktive Gewinne im Budget verbuchen. Die Regel wurde eingeführt, damit die Kosten für Kanal, Wasser .... nicht Maastricht relevant sind.
In Niederösterreich geht der Grossteil der Bedarfszuweisungen des Landes bereits für die nackte Schuldenabdeckung drauf. Viele Gemeinde könnten sonst kein Budget mehr erstellen.
Die Bedarfszuweisungen waren ursprünglich als Subvention für spezielle Ausgaben wie z.B. die Errichtung einer Abfallsammelstelle gedacht.

franz der freie
 
02
17.12.2011, 13:45
das ist lange nicht alles:

weiters werden ausgelagert: strassen + -räumung +erhaltung, energieerzeuger, fernwärmrerzeugung und -verteilung, sportplätze, kreisverkehre +künstlerischer behübschung, schwimmbäder, gemeindesäle und gemeindezentren, biomassekraftwerke, kunst- und kulturvereine, sozialdienste, kindergärten, altenheime plus -betreuung, usw usf. der phantasie der bürgermeister ( nicht meiner ) sind fast keine grenzen gesetzt. man kann fast alles auslagern und nicht-maastricht-relevant machen. leider aber ein schwindel, der irgendwann einmal auffliegt. weil schuldenrelevant sind diese kreativen falschbuchungen sehr wohl.

Francesca
10
17.12.2011, 23:59
Irrtum, das ist kein schwindel, höchstens auf

Basis der Maastricht-Kriterien kreative Buchhaltung und so gewollt.

Schnurz Homunculus
02
17.12.2011, 09:14
die gezeigten Statistiken haben einen großen Fehler:

Wien ist nicht berücksichtigt!

Wenn Wien eingereichnte wird, sieht es zappenduster aus

Thomas Geißler
00
17.12.2011, 14:40

Die Gemeinde Wien ist die Vermögendste in ganz Österreich, diese ist wirklich nicht das größte Problem.

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