Faymanns neue Steueridee

Kolumne | Hans Rauscher, 16. Dezember 2011, 19:04

Den praktisch letzten Weg eines privaten Eigentumsaufbaus ohne Zugriff des Staates will die SPÖ nun offenbar verbauen

Vor etwas über zwei Monaten wurde an dieser Stelle der Versuch unternommen, Kanzler Werner Faymanns Ankündigung nachzurecherchieren, er wolle mit einer Vermögenssteuer die 80.000 Reichen in Österreich "erwischen" .

Die neueste Besteuerungsidee des Kanzlers und SPÖ-Vorsitzenden hingegen würde jeden treffen, ob er nun reich ist oder ziemlich wohlhabend oder gerade noch. Er muss nur eine Immobilie besitzen, die nicht sein Hauptwohnsitz ist.

Faymann will eine Immobilien-Transaktionssteuer auf Verkäufe von Grundstücken, Eigentumswohnungen, Einfamilienhäusern etc., die sich in privatem Besitz befinden. Dieses Eigentum war bisher von der Besteuerung beim Verkauf ausgenommen, solange es a) als Hauptwohnsitz selbst genutzt oder b) zehn Jahre lang behalten wurde.

Diese zehnjährige Frist wurde seinerzeit eingeführt, um rasche, spekulative An- und Verkäufe zu erschweren. Man wollte aber wohl auch privaten Vermögensaufbau (Altersvorsorge) begünstigen.

Diesen praktisch letzten Weg eines privaten Eigentumsaufbaus ohne Zugriff des Staates will die SPÖ nun offenbar verbauen. Denn diese Zehnjahresfrist soll nun nach den Vorstellungen von Faymann und der SPÖ fallen. Hauptwohnsitze sollen weiterhin steuerfrei bleiben, sonstiges Immobilienvermögen aber wie etwa ein Wochenendhaus und/oder eine Eigentumswohnung für die Kinder (oder eine vermietete Eigentumswohnung) unterliegen dann der Besteuerung beim Verkauf.

Damit wären die vielen, vielen Bürger, die in jüngster Zeit angesichts der Finanzkrise nach dem Motto "Grundbuch statt Sparbuch" Eigentumswohnungen gekauft haben, massiv betroffen.

Faymann will aus dieser Steuer 700 Millionen pro Jahr erzielen. Wie kommt er darauf? Das kann man so genau noch nicht sagen, erklärt sein Pressesprecher Nedeljko Bilalic, denn es gebe noch Variablen. Zum Beispiel den Steuersatz - man denkt an 25 Prozent des Veräußerungsgewinns wie beim Verkauf von Aktien (wobei dann die Frage ist, wie der Anschaffungspreis in die Berechnung einbezogen wird - inflationsbereinigt?). Außerdem, so Bilalic, hänge das davon ab, wann der Stichtag angesetzt werde: "zehn, fünf, drei Jahre zurück".

Hier wird es etwas kryptisch, denn das hieße ja eine rückwirkende Besteuerung. Bilalic ist kein Steuerexperte und referiert, was man ihm aus SP-nahen Expertenkreisen gesagt hat. Unabhängige Steuerberater können sich vorstellen, dass beabsichtigt sei, dem entsprechenden Gesetz Verfassungsrang zu geben, um hier Anfechtungen vorzubeugen.

Auf jeden Fall besteht hier allergrößter Klärungsbedarf; auch für die ÖVP, deren Kernklientel - der Mittelstand - hauptbetroffen wäre. Das Wirtschaftsforschungsinstitut wäre übrigens für eine Anhebung der Grundsteuer, die bis zu einer Milliarde jährlich bringen könnte. Das wäre dann allerdings wirklich eine Art Massensteuer, und solche werden von der SPÖ abgelehnt. Eine Wertzuwachssteuer auf private Immobilien entspricht da eher der Fixierung auf tatsächliche oder angebliche "Verteilungsgerechtigkeit" bei SPÖ und Grünen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.12.2011)

Kommentar posten
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thinkonyourfeet
01
19.12.2011, 19:47
Faymanns Vorstellung vom Sparen.

Wenn jemand gezwungen ist zu sparen, dann geht er ja nicht zu seinem Arbeitgeber und sagt: Ich will 30 Prozent mehr Gehalt.
Das ist nicht Sparen, Herr Faymann. Das, was Sie vorhaben, ist das Gegenteil...

Burt Reindl
31
19.12.2011, 18:15
Warum das erben nicht ersatzlos streichen?

Was war die leistung des erbens? Der umgang mit eigentum nach dem todesfall ist in unserer gesellschaft grundsaetzlich falsch geregelt und ist auch ein grund fuer unsere "besitz-gesellschaft".

Ich finde der diskutierte vorschlag geht bei weitem nicht weit genug.

Jedes erbe sollte zu 100 prozent verkauft werden und der erlös sollte in die bildung und infrasturktur unseres landes investiert werden. Augenommen wären natuerlich persönliche gegenstände.

thinkonyourfeet
00
20.12.2011, 21:41
Ihre Ideen sind so bizarr.

Da könnten Sie ja genauso verlangen, dass man auch zu Lebzeiten nichts verschenken darf. Weil das ja Betrug am Staat wäre.
Natürlich dürfte man dann auch nichts verkaufen oder verbrauchen. Damit das unterbunden wird, sollte man jeden Besitz gleich verstaatlichen, um Missbrauch zu unterbinden. Das haben die Russen schon 1917 eingeführt und hat auch nicht gerade den allgemeinen Wohlstand gebracht. Nein danke...

Dalien
 
02
19.12.2011, 11:23
Die Stimmung im Volk

ändert sich bereits rapide.
Die Leute werden sich erinnern, wer sie (um mit Düringer zu sprechen...)
mit Müll und Lügen zugeschixxen hat.
Hr. Rauscher und bezahlte Konsorten.

Magnetische Banane
12
19.12.2011, 09:24
wegen Rauscher und Frey

... hab ich nach über 10 Jahren den "Stantart gekündikt" ... die richtige Entscheidung, wie dieser Artikel wieder beweist

Magnetische Banane
51
19.12.2011, 09:19
Blödsinn

wer mehr als 1 Immobilie besitzt, ist nicht mehr Mittelstand.
sollte überhaupt verboten werden, mehr als 1 Immobilie zu besitzen, dient nur der Spekulation und der Umverteilung von Arm zu Reich (vom Mieter zum Vermieter)

- rau -
00
20.12.2011, 10:41
Aber mehr als 1 Hose darf man schon haben, oder ?

Magnetische Banane
00
20.12.2011, 14:07

Ja, Unterhose schon

thinkonyourfeet
01
20.12.2011, 14:39
Das ist richtig kindisch.

Wenn ich nur ein Auto besitze, verlange ich die Besteuerung des Zweitautos. Wenn ich 5 Fahrräder habe, verlange ich die Förderung des Fahrradbesitzes. Wenn ich wenig verdiene, verlange die die Bestrafung der Vielverdiener. Und wenn ich leider nur ein Haus besitze, dann bin ich gegen die Zweithäuser.
Geht's noch primitiver?

Rudolph Van Richten
13
19.12.2011, 08:43

Die "vielen, vielen Bürger", die sich in den letzten Jahren ein paar Wohnungen als Anlage zugelegt haben.

Das ist einfach nur lächerlich Herr Rauscher. Tut mir leid, dass Ihre Steuersparidee Vorsorgewohnung nun nicht aufgeht, ich verstehe ja, dass Sie sauer sind, aber bleiben's bitte am Boden.

Dani Düsentrieb
 
00
13.1.2012, 11:44
ich kenn schon einige,

die sich einen Kredit für den Kauf einer Wohnung aufgenommen haben.
Oder Gemeinschaften, die alte Wohnhäuser gekauft, hergerichtet und nun vermieten...
Ist durchaus nicht abgehobene Mittelschicht sondern wirklich Mittelschicht.
Ich denk man darf nicht allen vorwerfen ihr ganzes Geld für Konsumgüter rauszuwerfen.
Ich spar mir Geld, weil ich maximal alle 4 Jahre ein Handy kauf, alle 20 Jahre einen TV und kein Auto besitze. Bin ich deswegen abgehobene Mittelschicht, weil ich mir ein Haus leiste?!?

sawi48
00
19.12.2011, 08:10
Ich verstehe das auch so,

daß erst ab einer gewissen Gewinnhöhe die 25 % schlagend werden und ein bestimmter Sockelbetrag steuerfrei bleibt.

Sodaß für das kleine renovierungsbedürftige Häuschen, beo dem ich mit etwa 25.000,00 Verkaufspreis aussteige, keiner Abgaben zu entrichten wären.
(Zahl geschätzt)

Hermine Berg
 
41
19.12.2011, 08:07
ich finde den vorschlag gut

die wohnraumverteilung in unserer gesellschaft ist ein witz und das wuerde dazu beitragen es zu normalisieren. fuer jeden der eine eigentumswohnung vermietet gibt es jemanden, der dort wo er wohnt keine besitzt. das mag gut scheinen, wenn sich kaum jemand eine leisten kann, ist aber extrem makrtverzerrend.

grundbuch statt sparbuch heisst letztlich nichts weiter als lebensraum zum spekulationsobjekt zu machen und damit wohnungspreise kuenstlich in die hoehe zu treiben.

feymanns vorschlag ist das beste was er bisher in seiner amtszeit geleistet hat.

Dani Düsentrieb
 
00
13.1.2012, 11:45
mieten

die mieten sind die letzten jahr massiv in die höhe getrieben worden, weil einige gesetzte zur regulierung aufgehoben wurden. es ist unglaublich wie viele wohnungen und büros in wirklichkeit freistehen.

tja
11
19.12.2011, 08:06
Eigentumsaufbau ...

... wieso eigentlich ? i vastehs ned.
zawos braucht ma des eigentlich ?
wieso muss man mehr "besitzen" als man zum leben braucht ?
warum betrachtet man das als menschenrecht ?
und weshalb soll der staat da rücksichtsvoll sein ?

amused8
05
19.12.2011, 06:56
Einsteins Zitat: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher" müßte im Spätkapitalismus erweitert werden: auch die Gier scheint unendlich geworden zu sein

Österreichs Haushalte besitzen Finanzvermögen von 471 Milliarden Euro. Bei einem Schuldenstand der Haushalte von 163 Milliarden Euro verfügten die Österreicher per Juni 2011 über ein Nettovermögen von 308 Milliarden Euro.

http://diepresse.com/home/wirt... -Vermoegen

Da dieser Guthabenaufbau, wie uns Finanzmathematiker Schachermayer erkärt, ohne Staatverschuldung gar nicht möglich gewesen wäre, wäre es nur recht und billig, eine Vermögenssteuer, die ihren
Namen auch verdient, zur Rettung des Staates einzuführen. Rund 40 der 308 Milliarden würden benötigt, um wieder unter das Mastrich Kriterium zu kommen. Wird es zu eienr Vermögenssteuer kommen? Eher nicht - siehe Titel

(°)(°)
00
19.12.2011, 01:10
80% Erbschaftssteuer auf alles über einem wertgesicherten Freibetrag von EINER Million Euro.

Das wirkt den dynastischen Ambitionen des Geldadels etwas entgegen und sorgt für gleichere Chancen für jedermann.

Der Tod mischt die Würfel neu.

Leukozyt
 
011
19.12.2011, 00:45
Schauen mir sich einmal an:

Wem denn die meisten Immobilien so gehören. Vor allem jene, die leerstehen und/oder zum Verkauf stehen. Schauen mir sich einmal die ganzen Immo-Anzeigen an. Sehe ich da nicht fast nur Banken, Versicherungsgesellschaften und Immobilienagenturen?

Vielleicht habe ich die falsche Brille auf und in Wirklichkeit verkaufen immer nur arme Leute, die durch reines Glück ein kleines Häuschen von Opa geerbt hatten, diese Immobilien wegen ihrer bitteren Not.

Hubert Ungeist
 
01
19.12.2011, 04:23
Kleiner Denkfehler..

wenns den Artikel gelesen haben, gehts darum den privaten Eigentumsaufbau (oft über Generationen) zu stützen oder wie Faymann wil zu unterbinden.

Und privat heisst eben das man es nicht inseriert, und Aufbau heisst eben, das man nicht inseriert es zu verkaufen. Und daher lesens das auch nicht in den von IHnen genannten Anzeigen

Leukozyt
 
00
19.12.2011, 01:15
Bitte durchklicken...

http://derstandard.at/anzeiger/... ebnis.aspx

Wer einen Privatverkauf findet, bitte sofort melden!

Weiters:

http://www.riv.at/index.php... ng=DE&id=2

http://www.ba-is.at/de/ba-is/... List.xhtml

http://www.sparkasse.at/erstebank... hList_pc=1

Und so weiter... stellen wir us vor, die würden besteuert werden... um Gottes Willen...

- rau -
00
20.12.2011, 10:44
Kann es sein, dass Sie Immobilienmakler

mit Immobilienbesitz-Firmen verwechseln ?

Nathaniel Winerib
00
20.12.2011, 12:55

In 90 Prozent der Fälle sind Immobilien-Inhaber, Hausverwaltung und Makler ein eingespieltes Team. Neuerdings muss im Mietvertrag auf ein Naheverhältnis zwischen Makler und Inhaber/Verwaltung verwiesen werden, was nahezu Standard ist.

AlliGator
00
18.12.2011, 23:49
Sparen heißt arbeiten, um gute Lösungen zu finden.

Leider ist der Vorsitzende unserer Arbeiterpartei aber ausgesprochen arbeitsscheu.

Neue Steuern kann jeder erfinden. Unser Geld gut managen und nur sinnvoll ausgeben kann Fail-Man aber leider nicht.

th004900
 
00
18.12.2011, 23:06
Wenn man wollte, könnte man auch Derartiges ohne weiteres in den Griff bekommen

http://diepresse.com/home/wirt... n-Pfuscher

th004900
 
58
18.12.2011, 23:02

Auch wenns jetzt rot stricheln wird bis zum Umfallen: solange "Owezahrer" ungeschoren mitgeschleppt und "Nimmersatts" weiterhin gestopft werden, während die Meisten arbeiten bis zum Umfallen und dennoch schaun müssen, wie (und ob überhaupt) sie über die Runden kommen, wird es keine befriedigende Lösung geben.

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