Man zählt all jene dazu, die im weitesten Sinne am Kreditvergabeprozess mitwirken, ohne der Bankenregulierung zu unterliegen. 60 Billionen Euro sollen sie bewegen
Berlin - Politiker weltweit wollen sie regulieren -
die Schattenbanken. Die umstrittenen Firmen haben die Finanzkrise von
2007/2008 mitverursacht und sollen künftig an die Kette gelegt
werden. Neben Hedgefonds tummeln sich auch andere Finanzmarktakteure
im "Shadow Banking" außerhalb der Aufsicht. Dies hat allgemein
anerkannte Vorteile für die gesamte Wirtschaft, birgt aber auch
systemische Risiken.
Als Lehre aus der Finanzkrise wollen die Regierungen der 20
größten Industrie- und Schwellenländern jedes Produkt, jeden Akteur
und jeden Markt strenger überwachen. Dabei lag der Fokus zunächst auf
Banken. Konkrete Pläne, auch Schattenbanken wie angekündigt näher
unter die Lupe zu nehmen, gibt es aber noch nicht. Chefvolkswirt
Siegfried Utzig vom Bankenverband BdB betont, im sogenannten "Shadow
Banking" seien alle wichtigen Spieler des Finanzmarkts unterwegs -
"von der Bank über den Hedgefonds bis hin zum institutionellen
Anleger". Es sei ein normaler Bestandteil des Finanzmarktsystems. "Da
ist nichts Anrüchiges, nichts Verbotenes", sagt der Experte der
Privatbanken.
Kredite vergeben ohne Bank zu sein
Der Finanzstabilitätsrat (FSB) zählt zum Schattenbanksystem alle
Marktteilnehmer, die im weitesten Sinne am Kreditvergabeprozess
mitwirken, ohne der Bankenregulierung zu unterliegen. Ausgangspunkt
sind oft Hypotheken oder Darlehen für Autos, Kreditkarten,
Unternehmens- oder Leasingkredite. Schattenbanken handelten nicht in
einer legalen Grauzone, sagt Utzig. Die Akteure nähmen vielmehr
bankähnliche Funktionen wahr, ohne dabei wie Kreditinstitute
kontrolliert zu werden. Anders als normale Geldhäuser haben sie auch
keinen Zugang zur Einlagensicherung oder Zentralbankgeld. Als
Schattenbanken gelten laut BdB etwa Broker-Dealer, Hedgefonds,
Finanzinvestoren (Private Equity), Geldmarktfonds oder Nicht-Banken,
die Hypothekenkredite vergeben.
Die Vorteile liegen für Utzig auf der Hand. "Shadow Banking" senke
die Kosten und erhöhe die Verfügbarkeit von Krediten. Wenn man
Unternehmenskredite von der Bankbilanz nehme, könne man Eigenkapital
freischaufeln und letztlich mehr Kredite vergeben. Laut FSB waren
Schattenbanken 2010 global mit einem Kreditvolumen von 60 Billionen
Dollar (45,928 Billionen Euro) engagiert, Banken mit knapp 100
Billionen Dollar. Das Volumen der Schattenbanken verdoppelte sich in
den Jahren vor der Finanzkrise, stagniert seitdem aber. Hedgefonds
kommen demnach auf zwei Billionen Dollar, Geldmarktfonds auf etwa
sechs Billionen Dollar.
Mehr Regulierung, mehr Sicherheit
Dass die Schattenbanken ihre Volumen künftig hochfahren, hält
Utzig kurzfristig für unwahrscheinlich. Denn der Verbriefungsmarkt,
der in der Finanzkrise als Brandbeschleuniger galt, sei quasi tot.
"Niemand will das Zeug haben."
Doch die Schattenbanken gelten auch als Gefahr für die Stabilität
des Finanzsystem. "Wir sehen die Notwendigkeit, dass dieser Bereich
stärker reguliert wird als bisher", sagt Utzig. "Wir haben dort
hochkomplexe Beziehungsgeflechte und Ketten von Geschäften, die
erstmal durchleuchtet werden müssen, ob es da systemische Risiken
gibt." Allerdings will die BdB-Lobbygruppe selbst von einer härteren
Kontrolle verschont bleiben. "Wir fänden es nicht gut, wenn die
Regulierung der Schattenbanken dazu führen würde, dass die Banken
stärker reguliert würden", betont Utzig. Denn dann könnten auf die
Institute zusätzliche Eigenkapitalanforderungen zukommen.
Der BdB sorgt sich zudem global über "ein gewisses
Regulierungsgefälle". Vieles, was in den USA noch
Schattenbankgeschäft sei, stehe in Europa bereits unter der Kontrolle
der Aufsicht, sagt Utzig. (APA)