ÖBB-Speisewagen führt Risiko für Anbieter mit

16. Dezember 2011, 17:59
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Hohe Personalfluktuation, hohe Pönalezahlungen bei Qualitätsmängeln: Das neue ÖBB-Speisewägen-Konzept führt für Bewerber einiges an Risiko mit

Wien - Abgelaufene Debreziner-Würsteln dürften die Entscheidung, einen neuen Caterer zu engagieren, nur beschleunigt haben. Wiewohl der Vertrag mit E-Express per Jahresende ausläuft und die ÖBB die Zugbewirtschaftung, wie Speisewagenservice im Fachjargon heißt, ausschreiben muss, kamen der Bundesbahn derartige Meldungen vermutlich zupass.

Denn abseits kolportierter Mängel (die E-Express stets vehement in Abrede stellte), gibt es zwischen ÖBB-Personenverkehr und ihrem langjährigen Verpflegungspartner stets Streit um die Subventionierung des Essens auf Rädern. Es geht dabei um Millionen, die die Staatsbahn jährlich aufbringt. 2011 sollen es - je nach Quelle - an die 16 Millionen Euro sein, die in die kulinarische Fahrgastversorgung fließen.

Der Vorwurf dahinter, der auch seitens der Dienstleistungsgewerkschaft Vida vehement geäußert wird: E-Express setze seit der Öffnung des Arbeitsmarkts verstärkt über ihre ungarische Schwesterfirma rekrutierte Mitarbeiter ein und drücke so Lohn- und Personalkosten. Da der Zuschuss für das Catering seitens der staatlich subventionierten ÖBB gleich bleibe, steige die "Marge" für E-Express automatisch. Indirekt subventioniere damit die Republik Österreich Niedrig- oder Dumpinglöhne, so der Vorwurf.

Böse Vorwürfe

"Stimmt nicht", kontert E-Express-Gründer und -Geschäftsführer Josef Donhauser. Weder seien im großen Stil ausländische Leiharbeiter im Einsatz, noch erhöhe sich die Spanne für E-Express. "Weil wir weit über ungarischem Kollektivvertrag zahlen müssen, um Mitarbeiter mit Deutschkenntnissen zu bekommen, die den Qualitätsanforderungen entsprechen. Von insgesamt 440 "fahrenden Mitarbeitern" seien maximal 80 bis 90 aus Ungarn, und die brauche man, um bei der Abfahrt von Zügen in Budapest Speisewagenservices bieten zu können. Genau dafür habe man den Ungarn-Ableger gegründet, sonst müssten ja österreichische Arbeitnehmer "in Leerfahrt" nach Budapest zum Dienstantritt geführt werden. Das wäre noch teurer, sagt Donhauser.

ÖBB nascht mit

Eine höhere Marge sei für E-Express schon allein deshalb nicht zu erzielen, weil das von der ÖBB gezahlte Dienstleistungsentgelt jährlich an Bedarf, Fahrplanänderungen und neue Zugsfolgen angepasst werde. Außerdem seien höhere Deckungsbeiträge an die ÖBB abzuliefern, sagt Donhauser. Folgte man diesem Prinzip, würde die ÖBB also mitkassieren.

Laut früheren ÖBB-Angaben schlug die Zugbewirtschaftung von 2008 bis Ende 2011 mit gut 85 Millionen Euro zu Buche.

Für die Bewerber um das ÖBB-Catering - im Rennen sind dem Vernehmen nach noch Do&Co, die Wagon-Lits-Tochter New-Rest, die zur Lufthansa gehörende LSG SkyChefs und E-Express - birgt der Vertrag für vier Jahre ab April 2012 einiges an Risiken - nicht nur wegen der hohen Fluktuation bei den Beschäftigten (sie beträgt laut E-Express 60 bis 70 Prozent, laut ÖBB-Insidern sogar 80 bis 90 Prozent pro Jahr), die der neue Anbieter übernehmen muss. Fällt der Speisewagenservice aus, verlangt die ÖBB 5000 Euro Pönale pro Tag.

Zusätzlich belastet wird der neue Anbieter durch Kosten für Hotelzimmer. Denn die früher gebotene Übernachtungsmöglichkeit in ÖBB-Quartieren fällt auch weg. Und: Das spezielle Equipment (Geschirr, Kassensysteme, Rollwägen zum Transport auf die in Österreich uneinheitlich hohen Bahnsteige etc.) muss ein neuer Anbieter dem Vorgänger E-Express abkaufen - sonst "steht er drei bis vier Monate ohne Catering da", sagt ein Bewerber. Ob die neue ÖBB-Kulinarik also billiger wird, bleibt abzuwarten, denn jeder neue Anbieter wird diese Kosten wohl aufschlagen.

Dafür fällt der Aufwand für das häppchenweise Essen im Railjet weg. Denn die Premium-Class im ÖBB-Railjet hat ein Ablaufdatum. Sie wird an IC-Niveau angeglichen, sagt eine Sprecherin - auch, um die Auslastung zu erhöhen und das Angebot zu optimieren. Auch die Preisgestaltung werde überprüft. Fahrgäste können sich diesbezüglich aufwärmen und ihre Verköstigungswünsche in Railjets und anderen Speisewägen via Facebook deponieren. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 17./18.12.2011)

  • Moderne Schlichtheit regiert in den neuen  Speisewägen des ÖBB-Railjet.  Mitte Jänner wird  feststehen, wer in den vier Jahren ab April 
2012 die Verköstigung liefern wird.
    foto: standard/fischer

    Moderne Schlichtheit regiert in den neuen Speisewägen des ÖBB-Railjet. Mitte Jänner wird feststehen, wer in den vier Jahren ab April 2012 die Verköstigung liefern wird.

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