Caterer steht Mitte Jänner

ÖBB-Speisewagen führt Risiko für Anbieter mit

Luise Ungerboeck, 16. Dezember 2011, 17:59
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    foto: standard/fischer

    Moderne Schlichtheit regiert in den neuen Speisewägen des ÖBB-Railjet. Mitte Jänner wird feststehen, wer in den vier Jahren ab April 2012 die Verköstigung liefern wird.

Hohe Personalfluktuation, hohe Pönalezahlungen bei Qualitätsmängeln: Das neue ÖBB-Speisewägen-Konzept führt für Bewerber einiges an Risiko mit

Wien - Abgelaufene Debreziner-Würsteln dürften die Entscheidung, einen neuen Caterer zu engagieren, nur beschleunigt haben. Wiewohl der Vertrag mit E-Express per Jahresende ausläuft und die ÖBB die Zugbewirtschaftung, wie Speisewagenservice im Fachjargon heißt, ausschreiben muss, kamen der Bundesbahn derartige Meldungen vermutlich zupass.

Denn abseits kolportierter Mängel (die E-Express stets vehement in Abrede stellte), gibt es zwischen ÖBB-Personenverkehr und ihrem langjährigen Verpflegungspartner stets Streit um die Subventionierung des Essens auf Rädern. Es geht dabei um Millionen, die die Staatsbahn jährlich aufbringt. 2011 sollen es - je nach Quelle - an die 16 Millionen Euro sein, die in die kulinarische Fahrgastversorgung fließen.

Der Vorwurf dahinter, der auch seitens der Dienstleistungsgewerkschaft Vida vehement geäußert wird: E-Express setze seit der Öffnung des Arbeitsmarkts verstärkt über ihre ungarische Schwesterfirma rekrutierte Mitarbeiter ein und drücke so Lohn- und Personalkosten. Da der Zuschuss für das Catering seitens der staatlich subventionierten ÖBB gleich bleibe, steige die "Marge" für E-Express automatisch. Indirekt subventioniere damit die Republik Österreich Niedrig- oder Dumpinglöhne, so der Vorwurf.

Böse Vorwürfe

"Stimmt nicht", kontert E-Express-Gründer und -Geschäftsführer Josef Donhauser. Weder seien im großen Stil ausländische Leiharbeiter im Einsatz, noch erhöhe sich die Spanne für E-Express. "Weil wir weit über ungarischem Kollektivvertrag zahlen müssen, um Mitarbeiter mit Deutschkenntnissen zu bekommen, die den Qualitätsanforderungen entsprechen. Von insgesamt 440 "fahrenden Mitarbeitern" seien maximal 80 bis 90 aus Ungarn, und die brauche man, um bei der Abfahrt von Zügen in Budapest Speisewagenservices bieten zu können. Genau dafür habe man den Ungarn-Ableger gegründet, sonst müssten ja österreichische Arbeitnehmer "in Leerfahrt" nach Budapest zum Dienstantritt geführt werden. Das wäre noch teurer, sagt Donhauser.

ÖBB nascht mit

Eine höhere Marge sei für E-Express schon allein deshalb nicht zu erzielen, weil das von der ÖBB gezahlte Dienstleistungsentgelt jährlich an Bedarf, Fahrplanänderungen und neue Zugsfolgen angepasst werde. Außerdem seien höhere Deckungsbeiträge an die ÖBB abzuliefern, sagt Donhauser. Folgte man diesem Prinzip, würde die ÖBB also mitkassieren.

Laut früheren ÖBB-Angaben schlug die Zugbewirtschaftung von 2008 bis Ende 2011 mit gut 85 Millionen Euro zu Buche.

Für die Bewerber um das ÖBB-Catering - im Rennen sind dem Vernehmen nach noch Do&Co, die Wagon-Lits-Tochter New-Rest, die zur Lufthansa gehörende LSG SkyChefs und E-Express - birgt der Vertrag für vier Jahre ab April 2012 einiges an Risiken - nicht nur wegen der hohen Fluktuation bei den Beschäftigten (sie beträgt laut E-Express 60 bis 70 Prozent, laut ÖBB-Insidern sogar 80 bis 90 Prozent pro Jahr), die der neue Anbieter übernehmen muss. Fällt der Speisewagenservice aus, verlangt die ÖBB 5000 Euro Pönale pro Tag.

Zusätzlich belastet wird der neue Anbieter durch Kosten für Hotelzimmer. Denn die früher gebotene Übernachtungsmöglichkeit in ÖBB-Quartieren fällt auch weg. Und: Das spezielle Equipment (Geschirr, Kassensysteme, Rollwägen zum Transport auf die in Österreich uneinheitlich hohen Bahnsteige etc.) muss ein neuer Anbieter dem Vorgänger E-Express abkaufen - sonst "steht er drei bis vier Monate ohne Catering da", sagt ein Bewerber. Ob die neue ÖBB-Kulinarik also billiger wird, bleibt abzuwarten, denn jeder neue Anbieter wird diese Kosten wohl aufschlagen.

Dafür fällt der Aufwand für das häppchenweise Essen im Railjet weg. Denn die Premium-Class im ÖBB-Railjet hat ein Ablaufdatum. Sie wird an IC-Niveau angeglichen, sagt eine Sprecherin - auch, um die Auslastung zu erhöhen und das Angebot zu optimieren. Auch die Preisgestaltung werde überprüft. Fahrgäste können sich diesbezüglich aufwärmen und ihre Verköstigungswünsche in Railjets und anderen Speisewägen via Facebook deponieren. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 17./18.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 131
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schetan
00
25.12.2011, 13:22
E-express hält sich an keine bzw wenige Gesetze

Die Firma E-express hält sich an keine Arbeitnehmerschutzgesetzte wie Arbeitszeit/Ruhezeiten/Sicherheitsrichtlinien.Die Lagerarbeiter sind im gastgewerblichen kollegtivvertrag angemeldet.(wie geht das ein lagerarbeiter als kellner??zb)
Hoffentlich bekommt eine seriöse firma den auftrag!!!

Stefan Lindemann
10
20.12.2011, 10:47
War noch nie in einem Speisewagen

wo ich wirklich gut gegessen habe. Da frage ich mich wozu die Dinger gut sein sollen.

Wenn es nur darum geht, etwas reinzustopfen um den Hunger zu stillen, dann kann ich das genauso am Sitzplatz mit einem Wurstbrot.

Klar ist es schwieriger in einem Zug Gourmet-Essen zu kochen, aber wenn sogar (manche) Fluglinien es schaffen, schmackhaftes Essen zu servieren, dann sollte es die OEBB auch schaffen.

MA_dam
00
18.12.2011, 13:38
Die neuen Speisewägen in den Railjets haben den Charme

des Vorzimmers im Bau einer kühlen Verwaltungsbehörde.

Pierre d´Aubusson
10
18.12.2011, 12:40

Der Speisewagen ist systemrelevant, die Betreiberfirmen müssen also durch Staatshaftung abgesichert werden...

Hoppla, wenn mans genau liest: is eh da! So, als ob das Mitführen des ÖBB-Speisewagens nicht schon Subvention genug wäre! Ich brauch das nicht.

Natürlich kann man mir sagen, daß da grad der Richtige redet, aber ich fahr eben mit der Flasche fertiggemischtem Himbeersaft und der Alu-Proviantdose voll mit Buchteln. Oder ich fahr sowieso mit dem Auto, wenn die Family mit ist...

joky1
00
18.12.2011, 14:18

von Linz nach Salzburg oder Wien gut und gerne, aber von Wien nach Bregenz oder von Wien nach Frankfurt möchte ich auf ein Boardrestaurant nicht verzichten.

Mit der Familie fahre ich auch lieber mit der Bahn - wesentlich entspannter, Zeit zum Plaudern, Möglichkeit zum Bewegen, WC ohne stehen zu bleiben. Schade, wenn dann im REX das Wasser zum Händewaschen wiedermal nicht geht, die Fahrkarten für die Family ein vielfaches der Benzinpreise ausmachen oder die Verbindungen schlichtweg scheiße sind.

Aber gut, dafür werden ja jetzt 3 sauteure Tunnels gebaut und die Nebenstrecken aufgelassen :-(

Pierre d´Aubusson
00
18.12.2011, 14:53

Schön für Sie, daß Sie es sich leisten können.
Ich hab zwar auch die Family-Card des Landes NÖ und könnte zum halben Preis fahren, wenn ich ein Kind mithab. Aber da wär noch eine Frau und noch ein Kind. Und ab da ist das Auto billiger.
Aber da liegt der eigentliche Unterschied wahrscheinlich darin, daß, wenn ich übers Wochenende wegfahre oder gar auf Urlaub, in der Früh nicht weiß, wo ich am Abend mein Zelt aufstellen werde. Und jedes Wald-WC ist eine Gelegenheit, sich die Welt noch näher anzusehen. Genau das geht bei der Bahn nicht.
Obwohl ich gerne mit der Bahn unterwegs bin, für mich waren als Kind genau diese ungeplanten Aufenthalte immer das Schönste.

adal1
00
18.12.2011, 11:25
Ich gebe mich geschlagen

Das Ausgeben öffentlichen Geldes ist unbeschränkt mehrheitsfähig.

Herausragender Artikel dazu: http://diepresse.com/home/wirt... e/index.do

Diese Form des Sozialismus endet erst, wenn den Tätern das "OPM" (other people's money) ausgeht.

trockenes brot
00
18.12.2011, 11:14

Und wer kennt jetzt die warheit ?

Thor Freekicker
01
18.12.2011, 10:44
Eng

Sie wollen NICHT im engen 2.Kl Abteil sitzen, sstephan ! Das Wohnzimmer des Speisewagens hat schon was - für den Preis von einem Bier !

Als Aufenthaltsraum isz der Spesewagen aber nicht gedacht und auch nicht als "Heurigenlokal".

Würde man auch nur 2 € Eintritt zahlen müssen (oder 1 € pro h) wären Sie weg aus dem Dining Car ...

sstephan
00
18.12.2011, 11:48
wo schreib ich das?

Tuns da net was interpretieren, was nirgens steht. Wenn ich schreib "ob ich den Speisewagen nutze entscheide ich spontan" schließen Sie offenbar daraus, ich würde ihn als Aufenthaltsraum nutzen --> was soll man dazu sagen!?

sstephan
00
18.12.2011, 11:47
wo schreib ich das?

sstephan
11
18.12.2011, 10:25
Den versuch ohne Speisewagen hat man ja bei den Railjets gemacht:

Und es ist krachend schiefgegangen. Die Stehbuffets werden nicht angenommen, die Fahrgäste bleiben dem Railjet fern und nehmen den ein paar Minuten langsameren Intercity - mit Speisewagen. Und jetzt werden ums teure Geld Speisewagen nachgerüstet --> weils ohne nicht geht. Versuch diese Kostenstelle einzusparen wurde gemacht --> und ist schiefgegangen.

mta007
00
26.12.2011, 19:55
Wer hat denn den RJ eingeführt?

Falls Sie das nicht wissen, es war der ehemalige Vorstand der ÖBB, Herr Wehinger, der jetzt gegen die ÖBB wettert.
Nun betreibt er die Westbahn und wirft den ÖBB jene Sachen vor, die er damals als ÖBB-Vorstand erfolgreich verhindert hatte...

Mit dem Insider-Wissen im Gepäck hatte Hr Wehinger die ÖBB verlassen und die Westbahn gegründet.
Aber wieso betreibt er nicht auch andere Neben-Strecken? Dreimal dürfen Sie raten!

Zitat aus http://vbgv1.orf.at/stories/264579

"31. März 2008: Seinen Vertrag, der erst Ende September 2008 ausläuft, bekommt Wehinger dennoch ausbezahlt..."
Ein Schelm, der böses dabei denkt!

der_kleine_pariser
 
00
18.12.2011, 22:23

Die railjets sind voll und trotzdem waren die Bistros leer, so soll es heissen.

Ein richtiger Speisewagen ist rentabler als der Bistrosch****

Dorian Gray
00
18.12.2011, 13:06
Na sie fahren aber oft mit dem railjet...

ich meide in manchmal nur weil er so voll ist ....

Robert Sinzinger
00
18.12.2011, 12:15

die fahrgäste bleiben dem railjet fern? wann soll das sein? zwischen wien und salzburg sind die railjets eigentlich immer gerammelt voll

sstephan
00
18.12.2011, 13:59
nun, dann lesens halt nach -

- oder warum glauben Sie rüstet man um 2 Mio EUR nach?

adal1
00
18.12.2011, 16:08
Schlechtes Management?

Aber man wird es bald sehen, die Westbahn fährt ja glaub ich ohne Restaurants (nur Bistro und Snacks, konsumiert wird an dem Platz, für den man bezahlt hat).

Klar muss das neue Management ein paar Entscheidungen des alten Managements wieder zurückändern, das ist eh normal.

Dass der railjet ziemlich voll ist, kann ich jedenfalls bestätigen.

der_kleine_pariser
 
00
18.12.2011, 22:26

das mit dem Servieren eines Gummiweckerls auf dem Platz kannst auf einer Kurzstrecke wi Wien und Salzburg machen, nicht aber zwischen Wien und Innsbruck oder Bregenz.

sstephan
02
18.12.2011, 17:38
auf der Westbahnstrecke ist alles voll -

- dort erhalten ja auch die ÖBB keine Subventionen!
In Wirklichkeit gehts darum, ob sich der Staat Österreich eine Staatsbahn leisten will (welche aufgrund des Versorgungsauftrages defizitär sein muss) oder eben nicht (und nur mehr die rentablen Strecken bewirtschaftet werden - wie auch immer, da kann ja dann keiner dreinreden).
Aber die Staatsbahn zizzerlweise aushungern zu wollen, die Atouts zu nehmen und dann der privaten Konkurrenz - die auf der einzig rentablen Strecke in At ein Butlerservice in DDR-Retro-Charme-Uniformen an allen Plätzen bietet anstatt die ÖBB preislich zu unterbieten, gleichzeitig aber gegen Tiefpreise der ÖBB klagt - zu huldigen: Das erinnert an Grasser/Meischberger Wirtschaft zur übelsten Zeit!

sstephan
00
18.12.2011, 10:21
den immer wieder gebrachten Vergleich mit den Fliegern find ich unpassend:

Der Bahnverkehr hat einen ganz entscheidenden Vorteil gegenüber Luft- und Straßenverkehr: Platz! Ich halte es daher für idiotisch, diesen Platz - das Argument für die Bahn! - zu beschneiden mit dem Argument "die Flieger machens auch so". Na und? Die Bahn kann hier einen Vorteil bieten - den gilt es zu nutzen, nicht zu beschneiden. Zu diesem "Platz-Bequemlichkeitsargument" zählt selbstverständlich auch der Speisewagen. 15cent pro Fahrkarte - lächerlich wenig für diese Bequemlichkeit. Und für mich ist das Vorhandensein eines Speisewagens ein Argument den Zug zu nehmen - ganz egal ob ich dann wirklich was esse oder nicht - das entscheide ich spontan. Die Möglichkeit dazu will ich haben -wenn ich nichtmal die Möglichkeit hab, fahr ich halt Aut

BearT
00
18.12.2011, 12:43
Wo werden die denn angehängt beim Railjet

Die Speisewägen wo nur ein Bruchteil der Leute Platz findet, die in einem normalen Reisewagon Platz finden, brauchen ja auch Platz am Bahnsteig.

Gut, sie wenn die Premium Class verschwindet gibt's wieder etwas mehr Sitzplatz aber ich bezweifel, dass das den verschwendeten Platz durch einen Speisewagen aufwiegt.

Wenn ich Zug fahr will ich halbwegs flott von A nach B kommen und nicht überteuert Mikrowellenessen futtern. Imo ist der Speisewagen unnötige Platzverschwendung, zumindest zu den Stoßzeiten auf der Westbahnstrecke.

sstephan
00
18.12.2011, 17:45
beim Railjet kann man technisch nix anhängen - unabhängig vom Bahnsteig:

Trotzdem werden Speisewägen nachgerüstet. Warum wohl? Weil der Bahnfahrer keine Flugzeugversorgung will - auch wenn der Railjet in den Westen (in den Süden fährt er ja jetzt auch) zu Stoßzeiten halbwegs voll sein mag. Meistens fährt er halb leer oder noch leerer --> und nur wegen der Freitag nachmittag Pendler die Speisewagen zu stanzen ginge wohl doch zu weit.
Die Pseudo-Bistros waren jedenfalls ein Flop - die leer mitzuziehen macht gar keinen Sinn. Alternative zu den Speisewagen wäre daher _gar keine_ Versorgung. Und das will der Bahnfahrer eben nicht.

adal1
00
18.12.2011, 11:17
15 Cent pro

Fahrkarte ist ein Kalkulationsfehler, es geht um die Kosten pro Benutzer des Speisewagens. Man kann jede Verschwendung auf eine zu große Grundgesamtheit rechnen. Ich fahr - wenn ich fahr - erste Klasse und nutze den Speisewagen nicht.

Wieviele Leute fahren wirklich weniger mit einem Zug, weil es keinen Speisewagen gibt?

Und dann muss man natürlich einrechnen, wieviele Leut kaufen ein 2. Klasse Ticket, dass sie auf Kosten der Allgemeinheit per Speisewagen auf 1. Klasse "upgraden".

Ich hab ja nichts gegen Speisewägen, nur sollten es die Nutzer bezahlen und nicht die Allgemeinheit.

Vielleicht muss man sich wirklich eine eigene Ticketkategorie überlegen, die Preise anzuheben bringt nix, dann sinkt der Umsatz ...

der_kleine_pariser
 
00
18.12.2011, 22:29

15cent pro Fahrkarte IM FERNVERKEHR = ab 100km

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