Ex-Paramilitärs kommen wegen Massakers vor Gericht

16. Dezember 2011, 17:41

Staatschef Colom bittet wegen weiteren Blutbads von 1982 um Verzeihung

Guatemala-Stadt - Fünf ehemalige Paramilitärs müssen sich in Guatemala wegen eines an Bauern verübten Massakers vor Gericht verantworten. Wie am Donnerstag bekannt wurde, beschloss die Richterin Carol Flores die Eröffnung eines Gerichtsverfahrens wegen mutmaßlicher Beteiligung an der Tötung von 262 Bauern im Jahr 1982 in der Ortschaft Plan de Sánchez im Bezirk Baja Verapaz nördlich von Guatemala-Stadt. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten, ehemaligen Mitgliedern der ultrarechten Patrouillen für zivile Selbstverteidigung (PAC), unter anderem Mord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

Staatspräsident Álvaro Colom bat unterdessen die Angehörigen und Freunde von Opfern eines anderen Massakers im Namen des Staates symbolisch um Verzeihung. Das von der Armee im Dezember 1982 in Dos Erres im nördlichen Departamento Petén verübte Blutbad mit 201 Toten sei eine "Schande in unserer Geschichte", sagte er.

Die mit Unterstützung der Armee operierenden PAC-Kommandos werden beschuldigt, Zehntausende größtenteils indianische Zivilisten getötet zu haben. Menschenrechtsorganisationen machen die Paramilitärs für Unterdrückung, Folter und politischen Mord vor allem in den ländlichen Region Guatemalas verantwortlich. Im einem von 1960 bis 1996 dauernden gewalttätigen Konflikt zwischen Armee und linksgerichteten Rebellen wurden rund 200.000 Menschen getötet oder verschwanden spurlos. (APA)

Ernst Guevara
04
16.12.2011, 19:07
wenn man die APA-propaganda mal beiseite lässt bleibt die tatsache, dass die armee von guatemala gemeinsam mit den todesschwadronen grausliche verbrechen begangen haben. die mehrzahl der opfer waren nämlich nicht opfer eines "gewalttätigen

konfliktes" zwischen armee und rebellen. die mehrzahl der opfer waren opfer einer politik der verbrannten erde, bei der armee und paramilitärs einen massenmord an den indigenen angerichtet haben, um das "wasser" trockenzulegen (die bevölkerung auszurotten), in dem sich der "fisch" (die guerilla) bewegte. eigentlich unfassbar, dass guatemala die nächsten jahre von einem dieser massenmörder regiert wird.

"Der kommende Präsident, der pensionierte General Otto Pérez Molina, war einer der Kommandierenden der Gumarcaj Task Force. Diese war in Chajul stationiert, wo 26 Dörfer ganz oder teilweise zerstört, 10 Massaker verübt, 317 unbewaffnete Zivilisten ermordet und 9000 Menschen vertrieben wurden."
http://tinyurl.com/PMolina

notorischerzweifler
 
00
27.1.2012, 18:52

Bleibt zu hoffen, dass der Kerl eines Tages auch sein Verfahren bekommt. Bei Rios Montt haett ich's schon nicht mehr fuer moeglich gehalten. Hoffen wir auf eine Verurteilung (und dass Richterin, Staatsanwalt und Zeugen das Ganze unbestochen und vor allem lebendig ueberstehen)!

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.