Datenschutzverordnung

EU: "Jeder muss Herr seiner Daten sein"

16. Dezember 2011, 17:39

Europa könnte in wenigen Jahren die höchsten Privacy-Standards weltweit aufweisen.

Das Internet war mal wieder schneller: Eigentlich wollte die zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding ihren Entwurf für eine einheitliche europaweite Datenschutzverordnung erst Ende Jänner kurz vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos der Öffentlichkeit präsentieren. Doch dann tauchte das Papier vergangene Woche im Netz auf.

"Das ist fundamental, was die EU-Kommission hierin vorschlägt"

Experten bewerten es nach erster Durchsicht positiv: "Das ist fundamental, was die EU-Kommission hierin vorschlägt", sagt Sarah Spiekermann vom Institut für BWL und Wirtschaftsinformatik der WU Wien. "Die Internetnutzer müssen explizit darüber informiert werden, wie ihre Daten verwendet werden und dass sie etwas an Dritte weitergegeben", analysiert die WU-Professorin den 116 Seiten umfassenden Entwurf. Dies darf dann aber nicht in den bekannten unendlich langen, in Juristendeutsch verfassten AGB-Erklärungen erfolgen, sondern in einer für jedermann verständlichen Sprache.

"Damit gibt es erstmals ein wirksames Instrument, um Firmen zum Datenschutz zu zwingen"

Bis zu einer Million Euro oder bis zu fünf Prozent des gesamten Jahresumsatzes soll es Unternehmen künftig kosten, wenn sie etwa ihrer Informationspflicht nicht nachkommen oder gegen die vorgesehenen Bedingungen zur Verarbeitung privater Daten verstoßen. "Damit gibt es erstmals ein wirksames Instrument, um Firmen zum Datenschutz zu zwingen", sagt Spiekermann.

Für sehr begrüßenswert hält die Datenschutzexpertin den proaktiven Ansatz in der europaweit gültigen Verordnung. In Artikel 20 soll "privacy by design" bzw. "by default" festgelegt werden. Das heißt, Unternehmen müssen, schon bevor sie Techniken oder Anwendungen entwickeln, diese auf mögliche Datenschutzkollisionen abklopfen - und nicht erst nach Fertigstellung von den Behörden überprüfen lassen.

Recht auf Datenportabilität

Vorgesehen ist auch ein Recht auf Datenportabilität: Fühlt sich zum Beispiel ein Facebook-Nutzer auf dem Freundesnetzwerk nicht mehr wohl, soll er quasi per Knopfdruck mit seinen Daten auf eine andere Plattform wechseln können. Wie das ebenfalls in dem Entwurf angerissene "Recht auf Vergessen und des Ausradierens" realisiert werden soll, ist noch unklar. "Das ist technisch zwar sicher nicht einfach, aber machbar", ist Spiekermann überzeugt.

Bis die geplanten Datenschutzregeln von den EU-Mitgliedstaaten abgesegnet werden, wird es mindestens noch zwei Jahre dauern. Zeit genug für EU-Rat und Parlament, die Vorlage zu verwässern, befürchtet die Wissenschafterin. Die Daten sammelnde und verwertende Industrie wird gegen das Vorhaben massiv Sturm laufen. Letztere sollten allerdings die Wettbewerbsvorteile bedenken, die der höchste Datenschutzstandard weltweit ihnen bieten kann.

Auch wenn das mehr Geld und Zeit kostet

Doch vor allem gehe es um unser demokratisches Recht auf Selbstbestimmung: "Jeder muss Herr seiner Daten sein dürfen. Dafür müssen wir alle bereit sein, Regeln zu akzeptieren, auch wenn das mehr Geld und Zeit kostet." (Karin Tzschentke, DER STANDARD Printausgabe, 16. 12. 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 33
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alex3772
00
18.12.2011, 16:18
privacy by default

man sollte vl noch erwähnen, dass privacy by default eigentlich bedeutet das die standardeinstellungen die privatsphäre schützen (sollten).

zB: posts auf facebook werden standardmäßig nicht allen leuten zugänglich gemacht, man kann nicht auf fotos markiert werden .....

macht auch sinn: man muss aktiv zustimmen, dass die daten anderen leuten zugänglich gemacht werden.

da das ganze den firmenwert von facebook, google und ähnlichen datensammelunternehmen stark drücken würde(vl bei google weniger) wird sich da schon ein strasser finden lassen der verhindert, dass privacy by default zum standard wird.

Captain Smoker
01
18.12.2011, 15:28
"Jeder muss Herr seiner Daten sein dürfen."

Hm, das kommt genau von der EU die unsere Daten in Bausch und Bogen an die USA weitergibt.

Prof. Vogel
01
18.12.2011, 01:03
Europa könnte in wenigen Jahren die höchsten Privacy-Standards weltweit aufweisen.

Europa könnte in wenigen Jahren auch die meisten Konjunktivsätze gebildet haben.

M0ru
00
17.12.2011, 23:49
^___^

Interessant so etwas gerade aus den Reihen der Kommission zu hören.
Auf jeden Fall begrüßenswert :)

·? ¶ø
01
17.12.2011, 22:56
"Jeder muss Herr seiner Daten sein dürfen."

Ob nicht eine Zusatzklausel "JedeR muß HerrIn ihrer/seiner Daten sein müssen" mit einem ähnlichen Strafrahmen um einiges effektiver wäre?

Keyser
01
17.12.2011, 22:24
April, April!

Na klar sind meine Daten sicher, und meine Privatsphäre gewahrt, und ich kann auch ganz allein darüber bestimmen dass die USA meine Daten nicht bekommt, Bankdaten, Flugdaten, etc.

Herzerzog Johann
00
17.12.2011, 22:04
Denkunmöglich

Alle Daten welche einmal woanders sind als bei mir selbst, können letztlich überall landen. Das läßt sich genausowenig umkehren wie man den Senf in die Tube zurückdrücken kann.

Rent a Democracy
01
17.12.2011, 20:21
Ich glaube kein einziges Wort. Viel eher ist das mieses, verlogenes Politikmarketing.

Da will die EU, die uns seit mindestens einem Jahrzehnt zeigt, dass sie uns und unsere Daten als Freiwild betrachtet, plötzlich eine 180°-Wendung vollbracht haben und plötzlich auf unseren Schutz bedacht sein? Gerade wurde dieser miese Volksverrat mit der Fluggastdatenweitergabe zementiert, und jetzt kommen sie mit solchen Aussagen? So etwas verlogenes.

harri678
00
17.12.2011, 19:34
Weltfremd

Da sitzen wahrscheinlich 100 Abgeordnete und -innen und disktutieren über Privacy im Internet, ohne einen Funken Verstand wie das technisch funktioniert. Die sollen sich lieber auf ihr Hauptgeschäft konzentrieren..

Tovarish
01
17.12.2011, 17:18

Dieselben lobbygesponserten Aushilfsgangster, die Indect im Fischereiausschuss diskutieren, die den USA unsere Flug- und Zahlungsdaten nachschmeißen, die ihre Bürger der Contentmafia ausliefern, die uns die VDS aufzwingen, wagen es, über Datenschutz zu reden. Da wird mir ja fast schwindlig vor Übelkeit.

Mops
02
17.12.2011, 16:58

Zeigt schon die Geschichte je unfreier man wird desto mehr sprechen die Herrschenden von Freiheit. Kein Witz im römischen Reich stand auf den Münzen immer etwas von Freiheit wenn die größten Despoten und Tyrannen regierten.

Katze in der Fensterbank
00
17.12.2011, 16:24
Zwei Abkürzungen

ACTA und VDS.
Bin gespannt inwieweit das vereinbar sein wird.

Mops
00
17.12.2011, 16:56

Danke für ihr Post habe mir das selbe gedacht.

Bertel Mann
07
17.12.2011, 13:44
"Jeder muss Herr seiner Daten sein dürfen. ..."

Danke für die Verarxxxe!

Und die Weitergabe von SWIFT-Daten und Fluggastdaten an die USA sowie die von der EU vorgeschriebene Vorratsdatenspeicherung wird es dann natürlich nicht mehr geben.

Wenn es nicht so traurig wäre, wäre es zum lachen.

Erwin Wolfram
01
17.12.2011, 13:42
...

hi josi ich sync dir meine daten und kontakte und dokumente rueber, der server ist in der cloud. nein? naja ich ruf schnell bei der eu an und die sagen mir wie es zu sein hat, da gehts dann sicher mit mehr datenschutz. LOL

PjotrV
00
17.12.2011, 13:32
virtuell eine heile Welt - real unmöglich

Wie man sich sicher sein kann, dass die Daten tatsächlich gelöscht wurden, bzw. ein Unternehmen die 100%ige Löschung nachweisen kann, ist mir schleierhaft.

Was den allerwenigsten Menschen bewusst ist: Über die Verwendung und den Verbleib der eigenen Daten ist man genauso wenig Herr, wie über den Luftstrom der durch ein geöffnetes Fensters strömt.

He du, nicht einschlafen!
00
17.12.2011, 12:29
Also ich freue mich jetzt erstmal über eine gute Nachricht.

Meine Meinung über Menschen und Einrichtungen bilde ich mir womöglich nicht über ihre Aussagen, sondern über deren Handlungen.

erkelteter tiger
01
17.12.2011, 07:54

und google oder facebook macht die eine million euro was aus?

und solange die innenministerien persönliche daten zu spitzelzwecken sammeln wollen/dürfen/müssen,
aber z.b. nicht mal eine e-mail einladung absenden können,
http://derstandard.at/132391663... eingeladen
sind wir eh im arsch

Dnadoc1
01
17.12.2011, 12:15

... oder 5% des Jahresumsatzes

erkelteter tiger
00
17.12.2011, 14:04

die eine million zu nennen hat ja nur sinn wenn es der deckel ist

her wig
00
18.12.2011, 09:02

Oder die Untergrenze. Aber eher wird es der Deckel sein - und das macht Facebook wirklich wenig aus. Aber die EU-Kommission könnte den Strafsatz ja anheben, das gibt dann ein sicheres Körberlgeld.

ToMaKa
01
17.12.2011, 03:49
Angeblich soll u.a. IP-Tracking verboten werden

Gut für uns, schlecht für Google.
Die 5% des gooogle'schen Jahresumsatz kann die EU gut gebrauchen...

archie
05
17.12.2011, 00:22
wer's glaub wird selig und kommt in den himmel

und natuerlich in die fluggast datenbank der usa, sowie diverse voratsdatenbanken aller moeglicher eu laender. ach ein lacher spaet am abend war noch nie schlecht. zu bloed, dass das ganze nicht lustig ist.

STiAT
01
16.12.2011, 22:50

Wennn alle anderen den Datenschutz ganz aufgeben, wie in den USA geschehen, wie in China und der arabischen Welt üblich ist die Messlatte nicht sonderlich hoch für Europa.

maruh
13
16.12.2011, 21:33



zur selben zeit:
http://www.indect-project.eu/

also ich fühl mich gerade ver@rscht. und ihr?

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