Sanader aus U-Haft entlassen

16. Dezember 2011, 17:51

Nach einem Jahr - Gegen Kaution von 12,4 Millionen Kuna

Zagreb - Der kroatische Ex-Premier Ivo Sanader ist am heutigen Freitagnachmittag nach mehr als einem Jahr U-Haft aus dem Zagreber Gefängnis Remetinec entlassen worden. Sanader war am 10. Dezember 2010 auf der Tauernautobahn in Salzburg aufgrund eines internationalen Haftbefehls verhaftet worden. Die kroatischen Justizbehörden hatten Ermittlungen wegen Amtsmissbrauchs eingeleitet. Der ehemalige Politiker wurde am 18. Juli von Österreich nach Kroatien ausgeliefert.

Sanader musste seinen Reisepass abgeben und ist verpflichtet, sich regelmäßig bei Gericht zu melden. Außerdem darf er Zagreb nicht verlassen. Sanader hinterlegte die höchste jemals in Kroatien bezahlte Kaution von 12,4 Millionen Kuna (1,65 Mio. Euro). Das Geld stellten Familienmitglieder und Freunde Sanaders zur Verfügung, sie haften mit ihren Immobilien.

Unter ihnen sind Sanaders Ehefrau Mirjana und der scheidende Parlamentspräsident Luka Bebic von der bisherigen Regierungspartei HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft) angehört. Auch Sanader war bis zu seinem Ausschluss im Jahr 2010 Mitglied der HDZ und von 2000 bis 2009 sogar ihr Vorsitzender gewesen.

Nach seiner Freilassung trat der Ex-Premier kurz vor Journalisten. Er dankte seinen Freunden, die die für ihn hinterlegt hatten, und seinen Anwälten. "Erst heute beginnt die wirkliche Arbeit", so Sanader, der ankündigte, vor der kroatischen Justiz seine Unschuld beweisen zu wollen.

"Wenn ich nach Hause komme, werde ich als erstes meine Frau und Tochter küssen", sagte Sanader auf eine Journalistenfrage. Den Medienvertretern sagte er vorweg, dass er "zum ersten Mal nach 20 Jahren" keine politischen Aussagen tätigen oder Interviews geben werde. Den Ausgang der Parlamentswahlen am 4. Dezember wollte er nicht kommentieren.

Gegen Sanader wurden bisher drei Anklagen erhoben, zwei Korruptionsprozesse begannen im Herbst dieses Jahres. Sanader soll in den 90er Jahren, als sich Kroatien im Krieg befand, eine Provision von der Kärntner Hypo Bank bekommen haben und der Bankführung im Gegenzug einen leichteren Markteinstieg in Kroatien ermöglicht haben. Ebenfalls ein Gegengeschäft ging er laut Anklage im zweiten Anklagefall mit dem ungarischen Erdölkonzern MOL ein.

Er soll 10 Mio. Euro erhalten haben, um den Ungarn die Führung bei der kroatischen Ölgesellschaft INA zu sichern, ohne dass diese die Aktienmehrheit halten. Die dritte Anklage betrifft illegale Geldtransfers aus staatlichen Firmen durch fiktive Aufträge und teure und später eingestellte öffentliche Vergaben und Abschreibungen. Bereichert sollen sich nicht nur Einzelpersonen haben, sondern auch die Regierungspartei HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft), die Sanader anführte.

Sanader, der 1982 an der Universität Innsbruck in den Fächern Romanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft promoviert hatte, war von 2003 bis 2009 kroatischer Premier. Im Juli 2009 trat er überraschend zurück und übergab sein Amt an Jadranka Kosor. Kosor startete daraufhin den Kampf gegen die Korruption in den eigenen Reihen. Die zahlreichen Affären wurden der HDZ bei den Wahlen am 4. Dezember zum Verhängnis. Kosor wurde abgewählt. Der Sozialdemokrat Zoran Milanovic bekam am Mittwoch den Auftrag zur Regierungsbildung.  (APA)

saratoga
00
18.12.2011, 10:57
sanader

ein normaler juristischer Vorgang. Eine Gangster Partei, vollkommen korrupt, was Alles vor über 10 Jahren bekannt war.

lala
00
18.12.2011, 08:27

wäre schön wenn die hdz nun auseinander bricht!

binGeladen
00
18.12.2011, 15:46

jetzt soll thaci die unterstüzungsviste frau kosor zurück geben.. und bisschen trost geben in dieser mafia dschungel

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