Waldbrandgefahr: Kanadas Wälder stehen vor kritischem "Schwellenwert"

18. Dezember 2011, 18:52
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Forscher untersuchten Brände der vergangenen Jahrzehnte und halten tiefgreifenden Wandel des Ökosystems für möglich

Ottawa - Der Klimawandel könnte dazu führen, dass die Waldbrandgefahr in Nordamerika drastisch ansteigt. Was - durch Medienberichte über die Brandkastrophen der vergangenen Jahre befeuert - seit einiger Zeit von Ökologen weltweit diskutiert wird, haben Forscher des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und der University of Michigan nun näher untersucht.

Für ihr Modell werteten die Wissenschafter Daten des Kanadischen Forstdienstes aus, der Feuer ab einer Größe von 200 Hektar zwischen 1959 und 1999 erfasst hatte, und sortierten diese nach Ökoregionen. Dadurch zeigte sich, dass sich drei dieser Ökoregionen Kanadas kurz vor einem Wendepunkt befinden: die Hudson-Ebene südlich der Hudson-Bucht, die Boreale Ebene im mittleren Westen und der Boreale Schild, der sich vom mittleren Westen bis an die Ostküste erstreckt und damit die größte Ökoregion Kanadas ist. Einem Wendepunkt am nächsten ist offenbar die Boreale Ebene.

Um ihr Modell und die Theorie eines Schwellenwertes für Waldbrände zu überprüfen, hatten die Wissenschafter die Feuer in dieser Region genauer unter die Lupe genommen. Um 1980 verdreifachte sich die durchschnittliche Größe der Feuer in diesem Teil der Provinzen Alberta, Saskatchewan und Manitoba sprunghaft. "Das ist aus unserer Sicht ein Indiz dafür, dass es auch bei Wäldern Schwellenwerte gibt, ab denen sich das Waldbrandregime drastisch ändert", berichtet Volker Grimm. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Boreale Ebene in den letzten Jahrzehnten vor allem um 1980 einen Wandel zu einem von Waldbränden geprägten System durchlebt hat. Das hat fundamentale Auswirkungen für die Umwelt und für die Waldbrandbekämpfung. Geringe Veränderungen in den Parametern der Feuerausbreitung haben große Auswirkungen auf die Größe der Feuer." Allmähliche Veränderungen, wie sie durch den Klimawandel erwartet werden, können daher zu einer abrupten und starken Vergrößerung der Feuer führen.

Parallele zu Seuchen

Für die Wissenschafter waren auch die Parallelen zur Ausbreitung von Seuchen interessant. Vermeidungsstrategien, die das brennbare Material reduzieren, ähneln in gewisser Weise den Impfungen, die gegen die Ausbreitung von Seuchen wie Masern eingesetzt werden. Auch dort gibt es einen Schwellenwert, ab dem sich eine Seuche ausbreitet und unter dem sie zurückgeht. (red)

  • Forscher empfehlen, dass die Strategien zur Bekämpfung von Waldbränden in Kanada überdacht werden sollten.
    foto: scott latham/fotolia

    Forscher empfehlen, dass die Strategien zur Bekämpfung von Waldbränden in Kanada überdacht werden sollten.

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