Forscher untersuchten Brände der vergangenen Jahrzehnte und halten tiefgreifenden Wandel des Ökosystems für möglich
Ottawa - Der Klimawandel könnte dazu führen, dass die Waldbrandgefahr in Nordamerika drastisch ansteigt. Was - durch Medienberichte über die Brandkastrophen der vergangenen Jahre befeuert - seit einiger Zeit von Ökologen weltweit diskutiert wird, haben Forscher des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und der University of Michigan nun näher untersucht.
Für ihr Modell werteten die Wissenschafter Daten des Kanadischen
Forstdienstes aus, der Feuer ab einer Größe von 200 Hektar zwischen 1959
und 1999 erfasst hatte, und sortierten diese nach Ökoregionen. Dadurch
zeigte sich, dass sich drei dieser Ökoregionen Kanadas kurz vor einem
Wendepunkt befinden: die Hudson-Ebene südlich der Hudson-Bucht, die
Boreale Ebene im mittleren Westen und der Boreale Schild, der sich vom
mittleren Westen bis an die Ostküste erstreckt und damit die größte
Ökoregion Kanadas ist. Einem Wendepunkt am nächsten ist offenbar die
Boreale Ebene.
Um ihr Modell und die Theorie eines Schwellenwertes für
Waldbrände zu überprüfen, hatten die Wissenschafter die Feuer in dieser
Region genauer unter die Lupe genommen. Um 1980 verdreifachte sich die
durchschnittliche Größe der Feuer in diesem Teil der Provinzen Alberta,
Saskatchewan und Manitoba sprunghaft. "Das ist aus unserer Sicht ein
Indiz dafür, dass es auch bei Wäldern Schwellenwerte gibt, ab denen sich
das Waldbrandregime drastisch ändert", berichtet Volker Grimm. "Es ist
sehr wahrscheinlich, dass die Boreale Ebene in den letzten Jahrzehnten
vor allem um 1980 einen Wandel zu einem von Waldbränden geprägten System
durchlebt hat. Das hat fundamentale Auswirkungen für die Umwelt und für
die Waldbrandbekämpfung. Geringe Veränderungen in den Parametern der
Feuerausbreitung haben große Auswirkungen auf die Größe der Feuer."
Allmähliche Veränderungen, wie sie durch den Klimawandel erwartet
werden, können daher zu einer abrupten und starken Vergrößerung der
Feuer führen.
Parallele zu Seuchen
Für die Wissenschafter waren auch die Parallelen zur Ausbreitung von
Seuchen interessant. Vermeidungsstrategien, die das brennbare Material
reduzieren, ähneln in gewisser Weise den Impfungen, die gegen die
Ausbreitung von Seuchen wie Masern eingesetzt werden. Auch dort gibt es
einen Schwellenwert, ab dem sich eine Seuche ausbreitet und unter dem
sie zurückgeht. (red)