Verhandlungen

SPÖ beendet Gespräche über Proporz in Niederösterreich

16. Dezember 2011, 15:14

Leichtfried: Kein Verständnis für Scheinverhandlungen - ÖVP sieht "plötzlichen Schwenk"

St. Pölten - Die niederösterreichische SPÖ hat am Freitag das unverzügliche Ende für die Gespräche mit der ÖVP über den Proporz im Bundesland verkündet. Seit 18. Oktober hatten drei Runden stattgefunden. Er habe kein Verständnis für Scheinverhandlungen, begründete Klubobmann Günther Leichtfried in einer Pressekonferenz das "Aus".

"Kein Wert auf Zusammenarbeit gelegt"

Laufend untergriffige Attacken gegen die Parteispitze der SPÖ Niederösterreich würden den Beweis dafür liefern, dass die Landes-ÖVP in Wahrheit keinen Wert auf Zusammenarbeit und ernsthaft geführte Verhandlungen lege, so Leichtfried. Eine so wichtige Grundsatzentscheidung für das politische System des Bundeslandes verdiene mehr Seriosität und Reformwillen.

ÖVP sieht Niederlage von SPÖ

Er habe selten eine "so billige und peinliche Ausrede wie diese gehört", reagierte Klubobmann Klaus Schneeberger (ÖVP). SPÖ-Landesparteichef Sepp Leitner habe Leichtfried "durch seinen plötzlichen Schwenk in der Frage Proporz in diese Gespräche getrieben". Mit der nunmehrigen Beendigung hätten sich die Kräfte im Klub durchgesetzt, die für die Beibehaltung des Proporzes in Niederösterreich sind - "eine weitere Niederlage von Leitner", so Schneeberger.

Als "Kasperltheater" bezeichnete Thomas Huber, Landesgeschäftsführer der Grünen, das Verhalten der SPÖ. Den Sozialdemokraten, die in Wahrheit Scheinverhandlungen geführt hätten, sei es letztlich zu "heiß" geworden. Ein modernes Demokratiesystem würde der SPÖ nämlich "nicht so leicht gut dotierte Regierungsposten verschaffen" wie der Proporz.

Die Proporz-Regel in den Bundesländern besagt, dass all jene Parteien, die genügend Stimmen haben, in die Landesregierung kommen. Zuletzt hat die Steiermark diese Regelung abgeschafft. Auch in Vorarlberg, Tirol und Salzburg gibt es keinen Proporz mehr. (APA)

Kommentar posten
14 Postings
Benjamin Klein
00
17.12.2011, 11:42
Es könnte sein,

dass der Herr Kehlsen bei der Erstellung der Bundsverfassung sich schon etwas gedacht hat, und die ganz unterschiedlichen Regierungskonzepte für den Bundesstaat und für die Bundesländer schon Sinn haben ....

Beim Bund herrscht das Prinzip der Regierungsbildung aufgrund einer Mehrheit einer oder Koalition und das Entstehen einer Oppostion durch die nicht an der Regierung beteiligten, ...

Bei den Ländern das Prinzip der Proporzregierung, und die Landesregierung ist als Kollektiv oberstes Verwaltungsorgan, keine Ministerien,

Das Landesfürstentum neuester Prägung ist ja auch nicht im Verfassungssinn,
und hier beginnt ja das Problem für die Bundesregierung, weil der jew. Landeshauptmann in der Rolle des Landesparteiobmannes "eingreift" ....

frank franki
00
17.12.2011, 13:39

Kelsen hin, Kelsen her: Die Gewalten gehören getrennt und wenigstens die obersten Verwaltungsorgane in den Ländern und im Bund sollten unabhängig von der Legislative gewählt werden.

Benjamin Klein
00
17.12.2011, 15:01
auch wenn Pröll den Proporz in NÖ abschafft

werden Legislative (landtag) und Exekutive (Landesregierung) nicht unabhängig voneinander gewählt,

es hat sich vielmehr eingeschlichen, dass die Leute dem Landeshauptmann eine Vorzugsstimme geben - und dabei nach dem nur in NÖ geltenden Regelung - gleichzeitig die Stimme für die ÖVP im Landtag gezählt wird, unabhängig was die Leute als partei gewählt haben -

Es wäre natürlich vorstellbar,
Direktwahl des Landeshauptmannes,
Direktwahl der Landtagsabgeordneten
-- wenn dadurch eine echte Kontrolle von Legislative über Exekutive hergestellt wird ....

Aber nach Kelsen hätten die Landesregierungen als Kollegialorgan eine andere Funktion als die Bundesregierung, auf keinen Fall sollten sie eine Parallelgewalt zur Bundesregierung sein .....

frank franki
00
18.12.2011, 13:05

Meine Forderungen beziehen sich auch nicht speziell auf NÖ.

Ich sehe aber keine andere Möglichkeit, wie man die Gewalten sonst sauber trennen könnte.

Der österreichische Föderalismus ist eine Missgeburt, die zu einem undurchsichtigen, teuren Wulst an Doppelgleisigkeiten geführt hat. Er muss völlig neu überdacht werden...

CrangerMan
00
17.12.2011, 09:58

Ich finde dieses gegenseitige Blockieren so lächerlich. Die SPÖ sollte sich in Niederösterreich überwinden, die ÖVP im Burgenland.

(De facto gibt es auch in Wien keinen echten Proporz mehr.)

Benjamin Klein
01
17.12.2011, 15:05
man könnte aber auch

die Funktion der Landesregierung als Gesamtorgan stärken in dem man die Landesregierungen auf 5 Mitglieder beschränkt und
die Funktionen LH, LH-STV, Finanz-LR. Sozial-LR und Wirtschafts-LR im Rotationsprinzip wechseln läßt, .....

das gäbe dann mehr Information an die Bürger und mehr Mitverantwortung aller,
und die Mehrheitsfraktion könnte nicht so ungestört Geld an Parteifreunde "verjuxen" ......

Titus Petronius
10
17.12.2011, 05:00
Die nächste Meisterleistung der Inserierer

Lt K.....
00
16.12.2011, 20:32

Der unselige Proporz muß endlich abgeschafft werden.

walter prohaska
14
17.12.2011, 10:37

die unseligen bundeslaender muessten abgeschafft werden. damit waeren unmengen an problemen auf einen schlag geloest, bundesrat, sparpaket, proporz, freunderlwirtschaft, proellistan.
wieviel euro kosten alleine die landtage inklusive ihrer ganzen infrastruktur pro jahr?

Benjamin Klein
00
18.12.2011, 13:30
bei allem Frust über

Proporz und Korruption
ist doch die Bundesregierung nicht frei davon,

und FERN von Innsbruck kann man leichter Fehlentscheidungen über Baumaßnahmen im Inntal treffen als ganz nahe, ...

In Italien wird der Zentralismus gerade zu Grabe getragen, und hier wird er zum Allheilmittel, .....

Benjamin Klein
00
18.12.2011, 13:28
die Bundesländer abschaffen ... und

und Vorarlberg wird ein Kanton der Schwiz, ...
und Tirol strebt (zusammen mit Südtirol) einen Freistaatstatus mit direkter EU-Mitliedschaft an,
und Salzburg will die "Wiedervereinigung mit dem Berchtesgaderland und wir ein Teil von Bayern,

u.s.w.

Die Leute westlich der Enns und
südlich vom Semmering
halten gar nichts vom Wasserkopf Wien, ....

also keine Zwangsbeglückungen durch die Zentralisten bitte ........

locken
00
16.12.2011, 19:18
Wären dann von Futterdrog weg,denen geht es nur mehr um sie ,und nicht um das Volk !

gütenand der fertige
03
17.12.2011, 08:51
Ich bin geneigt, Ihnen zuzustimmen.

Allerdings sollte man schon bedenken, daß es sich natürlich auch daran spießen könnte, daß die SPÖ im Zusammenhang mit der Entproporzionalisierung Minderheitenrechte im Landtag verhandeln möchte.

Und da kann ich mir sehr gut vorstellen, daß die ÖVP blockiert, wäre doch dann der Absolutheitsanspruch von Erwin Pröll in Gefahr.

Warum sich allerdings der Grünen-Vertreter so abfällig über die SPÖ äußert, ist mir ein Rätsel. Würden die Grünen doch auch von einer Stärkung der Oppositionsrechte profitieren. Die NÖ-Grünen unter Petrovic sind mir allerdings ein wenig suspekt.

Zinnmo
 
11
16.12.2011, 15:48

Wenn sich Schwarz un Grün in NÖ mal einig sind, glaub ich denen. Ist selten genug.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.