Leichtfried: Kein Verständnis für Scheinverhandlungen - ÖVP sieht "plötzlichen Schwenk"
St. Pölten - Die niederösterreichische SPÖ hat am Freitag das unverzügliche Ende für die Gespräche mit der ÖVP über den Proporz im Bundesland verkündet. Seit 18. Oktober hatten drei Runden stattgefunden. Er habe kein Verständnis für Scheinverhandlungen, begründete Klubobmann Günther Leichtfried in einer Pressekonferenz das "Aus".
"Kein Wert auf Zusammenarbeit gelegt"
Laufend untergriffige Attacken gegen die Parteispitze der SPÖ Niederösterreich würden den Beweis dafür liefern, dass die Landes-ÖVP in Wahrheit keinen Wert auf Zusammenarbeit und ernsthaft geführte Verhandlungen lege, so Leichtfried. Eine so wichtige Grundsatzentscheidung für das politische System des Bundeslandes verdiene mehr Seriosität und Reformwillen.
ÖVP sieht Niederlage von SPÖ
Er habe selten eine "so billige und peinliche Ausrede wie diese gehört", reagierte Klubobmann Klaus Schneeberger (ÖVP). SPÖ-Landesparteichef Sepp Leitner habe Leichtfried "durch seinen plötzlichen Schwenk in der Frage Proporz in diese Gespräche getrieben". Mit der nunmehrigen Beendigung hätten sich die Kräfte im Klub durchgesetzt, die für die Beibehaltung des Proporzes in Niederösterreich sind - "eine weitere Niederlage von Leitner", so Schneeberger.
Als "Kasperltheater" bezeichnete Thomas Huber, Landesgeschäftsführer der Grünen, das Verhalten der SPÖ. Den Sozialdemokraten, die in Wahrheit Scheinverhandlungen geführt hätten, sei es letztlich zu "heiß" geworden. Ein modernes Demokratiesystem würde der SPÖ nämlich "nicht so leicht gut dotierte Regierungsposten verschaffen" wie der Proporz.
Die Proporz-Regel in den Bundesländern besagt, dass all jene Parteien, die genügend Stimmen haben, in die Landesregierung kommen. Zuletzt hat die Steiermark diese Regelung abgeschafft. Auch in Vorarlberg, Tirol und Salzburg gibt es keinen Proporz mehr. (APA)