"Vielfalt heißt nicht unbedingt Spitzenexpertise"

Mit dem sechsten Forschungsforum der österreichischen Fachhochschulen sollen die Forschungsleistungen besser sichtbar gemacht werden

Anwendungsnähe und Zielorientierung sind die zwei wichtigsten Parameter der Fachhochschulforschung. Bereits zum sechsten Mal veranstaltet die Fachhochschulkonferenz (FHK) das Forschungsforum der österreichischen Fachhochschulen (FFH). Unter dem Generalthema "Wissen verwerten" werden am 11. und 12. April die Forschungsleistungen von Fachhochschulen sichtbarer gemacht werden. "Hinsichtlich der Lehre ist die Qualität der Fachhoch-schulen in der Öffentlichkeit anerkannt, bei der Forschung gibt es aber noch Zweifel" , bringt Michael Bobik, Studiengangsleiter Infrastrukturwirtschaft / Urban Technologies der FH Joanneum und als Veranstalter für Konzeption und Organisation des Forschungsforums verantwortlich, die Herausforderungen auf einen Punkt.

Die Fachhochschulen sollen erster Ansprechpartner für die Forschungsgebiete werden, in denen sie gut sind, sagt Bobik. Dafür sei es notwendig, die Identität der Fachhochschulforschung besser herauszuarbeiten. Denn nach wie vor würden Unternehmen bei der Vergabe von Forschungsaufträgen zuerst zu den Universitäten gehen, und dann erst die Fachhochschulen kontaktieren.

Finanzieller Rahmen

Aber ohne Basisfinanzierung sei die Profilierung der FH-Forschung sehr schwierig, so Bobik. Denn jeder Euro, den die FHs in die Forschung investieren, muss vorher verdient werden. Und so sei man häufig eher Handlanger als Experte, weil von einem Auftrag zum nächsten gehechelt werde, sagt Bobik. Eine gewisse Kontinuität sei nur durch eine Basisfinanzierung zu erreichen. "Außerdem gibt es durch mangelnde finanzielle Unterstützung kaum Möglichkeiten, neue Themen oder Forschungsgebiete zu erarbeiten. Denn auch dafür braucht es einen gewissen finanziellen Freiraum", so Bobik. Wissensvorsprung bei wichtigen Themen gehe sich unter solchen Bedingungen nur sehr schwer aus.

Als vor sechs Jahren das erste Forschungsforum ausgetragen wurde, war es ein bunter Blumenstrauß an Forschungsprojekten. "Aber Vielfalt heißt nicht unbedingt Spitzenexpertise" , fügt Bobik an. Um zu zeigen, auf welchen Forschungsgebieten die Fachhochschulen gut sind, müssen die jeweiligen Schwerpunkte genauer definiert werden.

Doch auch dabei spielt das Geld eine wichtige Rolle. Denn wenn Firmen an FHs mit Forschungsprojekten herantreten, müsse öfters auch zugestimmt werden, auch wenn der Forschungsauftrag nicht unbedingt in den Schwerpunkt der FH passe, schildert Bobik das Dilemma. Ein Innovationsscheck wäre begrüßenswert. Denn auch wenn die Mittel im EU-Programm zur Forschungsförderung ab 2014 deutlich erhöht werden, müsse für geförderte Projekte eine Eigenleistung von 25 Prozent aufgebracht werden. "Das Fördersystem ist gut, aber nicht für FHs gemacht" , merkt Bobik an.

Als Konkurrenz zur Forschung an den Unis sieht Bobik die Fachhochschulen nicht. Denn schwerpunktmäßig werde Grundlagenforschung an den Universitäten gemacht, angewandte und ziel-orientierte Forschung an den FHs. "Und wenn jeder weiß, wo seine Zuständigkeiten und Schwerpunkte liegen, funktionieren Kooperationen der beiden Forschungseinrichtungen sehr gut" , meint er. Ohne Marketing der FHs gehe es aber nicht. "Vor 150 Jahren mussten das wahrscheinlich auch die Universitäten machen", merkt Bobik an. (Gudrun Ostermann, DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.12.2011)

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