Winter-Metabolismus

Nahrungsangebot egal: Rothirsche folgen einem zeitlichen Programm

17. Dezember 2011, 17:57
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    foto: apa/npr/zupanc

Wiener Forscher stellen fest, dass die Tiere im Winter ihren Stoffwechsel unabhängig von der Futtermenge auf Sparflamme stellen

Wien - Säugetiere in den gemäßigten Klimazonen können im Winter ihren Stoffwechsel und damit ihren Energiebedarf deutlich reduzieren. Die Bandbreite reicht dabei von echtem, manchmal monatelangem Winterschlaf wie bei Fledermäusen oder Murmeltieren über eine weniger tiefe Winterruhe wie bei Bären - bis zu einer "Light-Version", die bei oberflächlicher Betrachtung gar nicht auffällt. Auch Rothirsche, Steinböcke oder Wildpferde reduzieren nämlich im Winter ihre Stoffwechselaktivität. So sinkt besonders in den äußeren Körperteilen und Gliedmaßen die Körpertemperatur deutlich.

Wissenschafter des Forschungsinstituts für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni) haben dieses Phänomen näher untersucht und dabei herausgefunden, dass es zeitlich bedingt ist und nicht vom verringerten Nahrungsangebot abhängt. Die Tiere folgen einem Programm, wie in der Fachzeitschrift "Journal of Experimental Biology" berichtet wird.

Versuch und Erkenntnis

Ein Experiment brachte den Aufschluss: Ein Miniatursender im Magen von 15 Rothirschkühen aus dem Wildgehege des Instituts lieferte 18 Monate lang Daten über die Herzschlagrate, ein Maß der Stoffwechselintensität, und die Temperatur der Tiere im Körperinneren. Jedes Tier bekam abwechselnd vier Wochen lang bestes Futter, soviel es wollte - gefolgt von vier Wochen reduzierter Futtergabe zur Simulation der winterlichen Nahrungsknappheit.

Bei wenig Futter reduzierte sich die Herzschlagrate, allerdings deutlich geringer im Vergleich zu den gewaltigen jahreszeitlich bedingten Unterschieden. Schlug das Herz der Tiere im Mai noch 65 bis 70 mal pro Minute, fiel ihre Pulsfrequenz im Winter bis auf 40 Schläge pro Minute. Die Zahl der Herzschläge ging genau zu der Zeit zurück, zu der Futter in freier Wildbahn zur Mangelware wird, und stieg im Frühling wieder deutlich an, unbeeinflusst vom Nahrungsangebot in Gefangenschaft. "Wie Winterschläfer folgen die Tiere einem inneren Programm", erklärte Studienautor Christopher Turbill in einer Aussendung der VetMeduni.

Auch die Körpertemperatur veränderte sich bei Nahrungsmangel nur im Zehntelgradbereich. Die Wissenschafter erklären das mit der Körpergröße der Tiere und dem Einsatz eines weiteren Mechanismus des Energiesparens, den der Leiter des Instituts, Walter Arnold, schon früher nachgewiesen hat. Die Forscher konnten damals zeigen, dass Rothirsche vor allem in kalten Winternächten die äußeren Körperteile und Gliedmaße stark abkühlen lassen. Die kalte Körperschale wirkt als zusätzliche Isolationsschicht, um das Körperinnere vor Wärmeverlusten zu schützen. (red/APA)

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20 Postings
TanteMitzi
00
18.12.2011, 03:53
Eskapade der Evolution

Photo:
das mächtige Geweih wird jährlich neu aufgebaut, eine ziemliche Belastung für den Stoffwechsel.

Da das Geweih das Überleben behindert, wird es auch abgeworfen. Die weiblichen Tier kommen ohne G. aus.

Evolutionär eher eine Sackgasse.

z.B. bei den Bisons spielt das Geweih keine Rolle

pox vobiscum
00
18.12.2011, 16:56

Und alles nur wegen der Weiber...

Trurl
00
18.12.2011, 12:07

Bison mit Geweih???

derderbenutzer
01
18.12.2011, 12:23

Mir ist schon klar, was gemeint ist. "Gehörnter Bison" könnte zu schlimmen Missverständnissen führen ...

Nick Tameer
00
18.12.2011, 14:53

Gehörnter Bison führte die Cocu-Indianer auf den Kriegspfad, nicht gewusst?

Trurl
01
18.12.2011, 12:48

Man muss den Bisons jetzt also aus Gründen der pc ein Geweih aufsetzen?
Mann, bin ich froh, dass das nicht mein Job ist...
;)

Nick Tameer
00
18.12.2011, 18:17

Einem Bison Hörner aufzusetzen, wäre in verschiedener mancherlei Hinsicht allerdings ein noch bedenklicheres Unterfangen.

derderbenutzer
00
18.12.2011, 14:07

Stimmt, Trurl!
Allerdings sollte man bei schnellen Bedeutungszuweisungen im Zusammenhang mit "gehörnt" Vorsicht walten lassen.
Das Deutsche Volksbuch "Der Hürnen Seyfrit", – hochdeutsch etwas pedikürenhaft als "Das Lied von Siegfried mit der Hornhaut" übersetzt – meint damit etwas gänzlich anderes.
Hier geht es um eine durch Drachenblut generierte, schwerthiebresistente High-Tech-Epidermis des Protagonisten. Echt guter Fantasy-Stoff ...
(Tameer kennt es sicher)

Nick Tameer
00
18.12.2011, 14:50

Nee, Fantasy ist nicht mein Fall und selbst bei klassischer SF kann ich mit Experten wie euch leider überhaupt nicht mithalten, sondern muss Bauklötze staunen, was mich manchmal wurmt, wie ich hiermit offen eingestehe.

derderbenutzer
00
18.12.2011, 15:39

Tameer, aber diese Siegried-Sage kennst Du doch ?
Ist ja auch Fanatasy. Du weißt doch, - der stealth-technisch versierte Kämpe mit dem verräterischen Mitarbeiter aus Burgund.

Nick Tameer
01
18.12.2011, 16:17

Da habe ich wieder mal sehr sorgfältig gelesen, sorry, und mich unnötig geoutet.

Sagen wir, es ist mit viel Phantasie gedichtet und es kommt manches Magische, wenn auch keine eigentliche Zauberei darin vor.

<Du hast den Drachen getötet und kannst dein Unverwundbarkeitslevel um 10 Punkte erhöhen, Brunhildes Stolz-Level um 5 Punkte vermindern oder Hagens Erfahrungspunkte im Gerwurf auf 3 Punkte zurücksetzen>

anders and
 
10
18.12.2011, 10:24
das kann man auch umgekehrt sehen:

Nur die fittesten Hirsche können sich dieses Geweih leisten - so wird garantiert, dass das beste Genmaterial weitergegeben wird.

Wenn 90 bis 95% der Hirsche verenden, weil der Geweihaufbau zu kraftraubend ist, macht das überhaupt nichts - für den Aufbau der Population spielt das keine Rolle.

Nur bei den Weibchen stellen Extravaganzen ein evolutionäres Problem dar.

Nick Tameer
00
18.12.2011, 13:34

Aber wenn der Hirsch so beim 70. bis 80. Deckakt schlapp macht, ist es schon wieder kontraproduktiv.

pox vobiscum
00
18.12.2011, 16:58

Für den, der in zweiter Reihe wartet, aber nicht. :)

Nick Tameer
00
18.12.2011, 17:57

Der gehört entweden zu den bedauerlichen 90-95%, die das Frühjahr nicht erlebt haben und wenn doch, hat er selbst alle Hände voll zu tun.

Trurl
01
18.12.2011, 13:03

Warum haben dann weibliche Rentiere ein Geweih?

oblomow II
00
18.12.2011, 16:35
damits

den schnee zur seite schaufeln und an die flechten kommen können ...

Trurl
00
18.12.2011, 17:42

Das ist ein weit verbreiteter Irrtum.
Außerdem würde es dann wenig Sinn machen, dass die älteren Männchen ihre Geweihstangen ausgerechnet im Dezember abwerfen.

Nick Tameer
02
18.12.2011, 15:28

Das ist Skandinavien, Mann, da ist die Gleichberechtigung weiter fortgeschritten.

wizenstain
00
18.12.2011, 08:57

meinen Sie die weibchen sollten irgendwie signalisieren,
dass sie sich eh kampflos ergeben?

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