Werther-Effekt

"Journalisten können helfen, Suizide zu verhindern"

19. Dezember 2011, 06:15
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    foto: presserat

    Claudius Stein vom Kriseninterventionszentrum Wien warnt vor Nachahmungen infolge des "Werther-Effekts".

Medien befinden sich im Spannungsfeld zwischen Aufklärung und Verantwortung - Experten: Keine Heroisierung und Romantisierung

1.261 Menschen haben sich in Österreich im Jahr 2010 das Leben genommen, 968 Männer und 293 Frauen. Durch Suizid sterben doppelt so viele wie durch Verkehrsunfälle, erklärte Claudius Stein vom Kriseninterventionszentrum bei einer Veranstaltung des österreichischen Presserates und der Wiener Linien zum Thema Medienberichterstattung über Suizide. Psychotherapeut Stein verortet Medien in einem Spannungsfeld zwischen Aufklärungspflicht und Verantwortungsbewusstsein. "Journalisten können helfen, Suizide zu verhindern", ist er überzeugt und plädiert für eine enttabuisierende, nüchterne Berichterstattung.

Nachahmung versus Prävention

Bei Suizidfällen, die ihren Niederschlag in Medien finden, ließen sich zwei Effekte beobachten, erläutert Stein. Erstens der so genannte "Werther-Effekt", der auf Goethes Roman "Die Leiden des jungen Werthers" zurückgeht und einen kausalen Zusammenhang zwischen thematisierten Suizidfällen und Nachahmungen sieht. Nach Veröffentlichung des Buches kam es zu einem Anstieg von Suiziden, einige kleideten sich wie die Figur des Werthers, bei anderen wurde das Buch gefunden. Das Gegenteil spiegelt sich im "Papageno-Effekt" wider, wo aufgrund sensibler Berichterstattung Leute ermutigt werden, sich Hilfe zu suchen, indem auf Alternativen hingewiesen wird.

Anstieg nach TV-Serie

Genau um diese Alternativen geht es, sagt Stein, denn Suizid sei keineswegs immer Ausdruck einer Krankheit, sondern könne am Ende einer veritablen psychosozialen Krise stehen. Als Negativbeispiel nennt er die im Jahr 1980 vom ZDF produzierte Serie "Tod eines Schülers", die den Schienensuizid eines Maturanten behandelte. Nach der Ausstrahlung stieg die Suizidhäufigkeit bei männlichen Jugendlichen um 175 Prozent - in Verbindung mit Zügen. Auch bei der Zweitausstrahlung wurde eine Steigerung um 115 Prozent beobachtet. Ein eindeutiger Beweis für einen Nachahmungseffekt.

80 Prozent der Menschen, die einen Suizidversuch unternehmen, machen das nur einmal im Leben. 20 Prozent fallen in die Kategorie chronische Suizidalität, "die sind immer wieder gefährdet". Nach Bewältigung der Krise sei nämlich bei den meisten die suizidale Zeit vorbei, so Stein. Projektionsflächen zu eliminieren, hält er deswegen für einen wichtigen Schritt. Als Risikogruppen in puncto Imitationsverhalten gelten vor allem Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene.

Appell, nicht mehr zu berichten

Als Beispiel für gelungene Prävention werden die Wiener Linien genannt. Anfang der 80er Jahre waren U-Bahn-Suizide häufig Thema, bis man sich ein paar Jahre später mit Empfehlungen an die Medien wandte, über diese Suizide und Suizidversuche nicht mehr zu berichten. Das Ergebnis war ein signifikanter Rückgang um bis zu zwei Drittel. Seit dieser Maßnahme stagniert die Zahl auf diesem Niveau.

Steins Empfehlung: alle Berichte, die in einer Erhöhung der Aufmerksamkeit resultieren, seien strikt abzulehnen. Manifest werde dies, wenn Details zur Person, Details zur Suizidmethode oder Details zum Suizidort genannt werden. Weiters warnt er vor Heroisierung der Personen, das schaffe Identifikationspotenzial. "Je sympathischer, desto größer die Gefahr eines Imitationseffekts."

Keine einfachen Erklärungen

Einfache Erklärungen wie "er nahm sich das Leben, weil sich seine Freundin von ihm trennte" seien fatal. Ein Suizid könne normalerweise nie die Konsequenz eines einzigen Ereignisses sein, sondern eine Verkettung von Umständen führe dazu. An die Medien appelliert er, keine Abschiedsbriefe und Fotos zu veröffentlichen. Begriffe wie "Freitod" statt Suizid sollten vermieden werden, da dies zu einer Romantisierung der Tat führe. Im Idealfall sollten alle Berichte mit konkreten Hilfsangeboten versehen sein, etwa mit Hinweisen auf die Telefonseelsorge oder das Kriseninterventionszentrum.

Boulevardmedien betreffen die meisten Beschwerden

"Die meisten Beschwerden betreffen Boulevardmedien", sagt Ella Wassink vom deutschen Presserat. Nämlich 23 von 43 Beschwerden, die in den vergangenen zwölf Jahren an das Gremium in Zusammenhang mit Suizidberichterstattung herangetragen wurden. Ein Problem konstatiert sie vor allem bei Regionalmedien, die aufgrund der örtlichen Nähe glauben, zu sehr ins Detail gehen zu müssen. Ähnlich wie beim Pendant in Österreich ist beim deutschen Presserat die öffentliche Rüge das härteste Sanktionsmittel. Verlage, die Mitglieder des Rates sind, müssen das Urteil im Medium veröffentlichen.

Tiefpunkt

Diesen Selbstregulierungsmechanismus bekam vor einigen Jahren etwa das Nachrichtenmagazin "Stern" zu spüren. Rund um den Suizid von Hannelore Kohl, der Kanzlergattin, tauchten Spekulationen über das Motiv auf, abstruse Gerüchte wurden kolportiert. Der Fall, bei dem die Grenzen wohl am weitesten überschritten wurden, betraf einen Suizidenten, der sich von einem Gebäude stürzte. In Zeitungen wie "Bild" und der Münchner "Abendzeitung" wurden Fotos publiziert, die den Mann kurz vor seinem Sprung zeigten. Zum Teil in chronologischer Abfolge, begleitet vom Titel "Gleich springt er vom Dach". Eine ganze Reihe an Persönlichkeitsrechten wurde verletzt.

"Journalisten stecken in einem Dilemma", meint Wassink, "sie sollen uninformativ, uninvestigativ und unattraktiv berichten". Das kollidiere mit dem journalistischen Selbstverständnis. "Da beginnt das Problem."

Großes Medieninteresse

Ein anderer Fall war Robert Enke, der deutsche Teamtormann, der sich 2009 das Leben nahm. Natürlich bestehe großes öffentliches Interesse an umfassenden Berichten, räumt sie ein, dennoch müssten Grenzen gezogen werden. Die genaue Todesursache zu kommunizieren sei legitim, mit Bildern die letzten Stationen vor dem Suizid zu illustrieren oder Fotos vom Todesort zu veröffentlichen, hält sie für fehl am Platz. Eine öffentliche Rüge wurde allerdings nur gegen das Satiremagazin "Titanic" ausgesprochen, das mit pietätlosen Witzen für Ärger sorgte.

Für Wassink ist das eine Frage von "Verantwortungsethik", die gerade wieder vor kurzem verletzt wurde, als der Suizid von drei Mädchen detailliert geschildert wurde. Hinweise auf den Suizidort seien ebenso problematisch wie das genaue Beschreiben der Methode. Da könne wie eine "Anleitung" fungieren. Dass Medien in einer Art freiwilliger Selbstbeschränkung prominente Suizidenten wie Hannelore Kohl, Robert Enke oder Gunter Sachs nicht auf ihre Titelseite hieven, sei illusorisch, glaubt Wassink. Das Regulativ sei ausreichend. Es gehe nicht darum, ob berichtet wird, sondern wie.

Leitfaden zur Orientierung

Unsensible Berichte seien nicht immer die Folge von Sensationsgier, sondern oftmals schlicht und einfach von Unwissenheit, meint Christina Lechner, Psychologin und freie Journalistin. Der vom Kriseninterventionszentrum empfohlene "Leitfaden zur Berichterstattung über Suizid" sei vielen Redakteuren unbekannt. "Suizid hat kein Ressort", sagt Lechner, jeder Journalist könne damit konfrontiert werden. Und: "Medien prägen und verstärken Einstellungen, wenn Suizid als akzeptable Lösung dargestellt wird."

Die jüngste Verfehlung sieht Lechner in einigen Artikeln, die sich mit dem Ende des Assistenzeinsatzes des österreichischen Bundesheeres im Burgenland beschäftigen. In vielen Resümees spielt die Suizidstatistik eine nicht unwichtige Rolle. Ein Thema, das nicht im Vordergrund stehen sollte.

Fall Ludwig Hirsch

Viel Anlass zur Kritik bot auch der Tod von Ludwig Hirsch, der sehr detailliert ausgeschlachtet wurde. Der Suizid wurde primär mit seiner melancholischen Persönlichkeit und seiner schweren Krankheit in Zusammenhang gebracht. "Es gibt aber genügend melancholische Leute, die sich nicht das Leben nehmen", sagt Claudius Stein vom Kriseninterventionszentrum. Genauso wenig Personen, die mit schweren Krankheiten zu kämpfen haben. Den Suizid als Ausweg aus dieser Situation zu vermitteln, mache ein verheerendes Bild, so Stein: "Man bewegt sich auf einem sehr schmalen Grat." (om, derStandard.at, 19.12.2011)

Links

Hinweis
Der Pressrat plant eine Broschüre über Suizidberichterstattung, die in den Redaktionen verteilt werden soll.

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YuandI
10
20.12.2011, 11:29
Eigentlich eine Unverschämtheit ...

... dieser Artikel.
Die gesetzlichen Bestimmungen lassen einen Suizidalen gar nichts anders zu, als Methoden zu wählen, welche sicherlich nicht einer Humanität oder Dignität entsprechen. - Geschieht dann ein Suizid, sollte laut Suizidprävention diese TAT-Sache "verschwiegen" werden.

Was die Suizidprävention TAT-Sächlich machen kann, ausser sich bei bekannten Suizidfällen schließlich und endlich dann doch zu profilieren - wie es hier geschieht - bleibt im Dunkeln.

Krisenintervention: ja - und diese gehört ausgebaut.
Aber "Suizidprävention" basiert auf einen Zirkelschluss, und propagandiert dann schließlich und endlich dann doch nur eines: Dass der Suizid "unmoralisch" ist. - VERHINDERN jedoch, kann sie jedoch keinen Suizid.

YuandI
00
20.12.2011, 11:36
"Hand an sich legen"

von Jean Amery (Auszug): "Wir sind über das, wie mir scheint, inhumane geistige Entwicklungsstadium, das den Suizid mit dem Bannfluch belegte, noch immer nicht hinausgelangt. Nur dass, wo einst religiöse Gebote und Verbote so verbindlich waren, dass der Freitod als Verbrechen angesehen war oder wo die Gesellschaftsordnung unverschämt (und doch ehrlich) genug war, einzugestehen, es gehe ihr nur um das MATERIAL Mensch, um die ARBEITSKRAFT Mensch, so dass also Suizidäre des Sklavenstandes durch schreckliche Strafandrohungen von der durchführung ihres Vorhabens abgeschreckt wurden, heute Soziologie, Psychiatrie und Psychologie, bestallte Träger der öffentlichen Ordnung, den Freitod behandeln, wie man eine Krankheit behandelt."

Tethys
00
20.12.2011, 12:20

Depression IST eine Krankheit, ebenso wie Krebs, Grippe, HIV oder Mumps.

YuandI
00
20.12.2011, 12:30
Krankheit ...

... Depression ist eine Krankheit - ja, das stimmt!

aber SUIZID ist eine TAT-Sache!

Wie will die Prävention den Suizid heilen?
Noch dazu kann die Prävention gar nichts machen, wenn wer Suizid begehen will, wie im Falle Ludwig Hirsch, welcher Todkrank war.

Die Tabuisierung des Suizid bringt nichts, ausser, dass sich die SuizidantInnen gar nicht mehr um "Hilfe" bemühen: werden sie ja doch nur als "krank" angesehen, und schließlich und endlich können sie auch nicht wirklich helfen.

Nochmals: Krisenintervention ja! - Aber ohne Tabus!

Tethys
00
20.12.2011, 12:54

"heute Soziologie, Psychiatrie und Psychologie, bestallte Träger der öffentlichen Ordnung, den Freitod behandeln, wie man eine Krankheit behandelt."

Und nun fragen Sie: "Wie will die Prävention den Suizid heilen? "

Wenn depressive Menschen Therapie erhalten und auf diese ansprechen, kann Suizid verhindert werden. Aber laut Ihrem ersten Statement sehen Sie Depression gar nicht als Krankheit und stellen die Leistungen von Therapeuten in Frage, die sehr wohl präventiv arbeiten.

YuandI
00
20.12.2011, 13:37
... das ist ...

... es ja eben, dass die Prävention nicht heilen kann!

Die Frage ist, wie "Prävention"-Sinn machen würde.
Es macht jedenfalls keinen Sinn, Suizid zu verschweigen, und ihnen Methoden zu verwehren, welche Humanität und Dignität garantieren würden.

Ich glaube, Sie unterscheiden nicht zwischen psychische Krankheit und den Hang zum Suizid.

Tethys
00
20.12.2011, 14:39

Ich versuche Ihnen klarzumachen, dass Therapie bei depressiven Menschen Suizid verhindern kann - und ja, in diesem Fall ist die Therapie Prävention.

"Ich glaube, Sie unterscheiden nicht zwischen psychische Krankheit und den Hang zum Suizid."

Naja, der "Hang" zum Suizid ist Zeichen einer psychischen Erkrankung.

Ich sprach übrigens bei Depression von Krankheit, nicht bei Suizid. Suizid an sich ist keine Krankheit, die Ursache dahinter in den meisten Fällen leider schon.

YuandI
10
20.12.2011, 14:55
Tun Sie mir ...

... den Gefallen verzichten sich auch rhetorischen Verrenkungen.

Eines ist "klar", dass wir hier das Thema "Suizid" diskutieren. - Wie sie schwerpunktmäßig auf psychische Krankheiten wie Depression kommen, kann ich mir nur so erklären, dass Sie den Suizid mit Krankheiten wie Depression gleichsetzen. - Das ist es eben, wogegen argumentiere, und da können Sie sich noch so oft wiederholen:
Sie verfehlen für mich das Thema.

Aber Danke für Ihr Interesse.

Tethys
00
20.12.2011, 15:25

Des weiteren: Depression IST eine psychische Erkrankung, soweit sind wir uns einig. Suizid ist in den meisten Fällen eine direkte FOLGE dieser Erkrankung. Wieviele Selbstmorde werden aus anderen Gründen als psychischer Erkrankung begangen? Das wären dann Ihre Fälle. Nun, Sie bringen allerdings keine echten Fakten sondern stützen sich lediglich auf ein Zitat. Das ist nett, aber in einer Diskussion um Erkrankungen nicht besonders hilfreich.

Sie sehen: eigentlich haben Sie Schwierigkeiten zu erkennen, wie groß das Thema ist - und nun, da Sie argumentativ in der Ecke stehen, gehen Sie Ihren Diskussionspartner an.

Sie haben etwas Entscheidendes nicht mitgekriegt.

Aber Danke für Ihr "Interesse".

Tethys
20
20.12.2011, 15:21

Sie sind also nicht fähig, einer Diskussion zu folgen?

Ich helfe Ihnen: Sie werfen "Suizid" in einen Topf, ohne zu unterscheiden, was diesen Suizid hervorruft. Sie zitieren, dass Selbstmord ein "Freitod" wäre (wieder ohne zu unterscheiden, ob dem Suizid nicht eine psychische Erkrankung vorraus ging) und sprechen dann auch noch Therapeuten ab, gegen den Suizid präventiv zu arbeiten.
Des weiteren wissen Sie NICHTS über etwaige psychische Vorerkrankungen bei Ludwig Hirsch. Sie können also auch nicht einwandfrei von einem "freien Willen" ausgehen.

Für mich leiden suizidgefährdete Menschen an einer psychischen Erkrankung. Kein "gesunder" Mensch bringt sich um, da steht immer eine Erkrankung dahinter. Nicht immer Depression aber häufig.

YuandI
00
21.12.2011, 11:39
Tun sie mir einen weiteren Gefallen ...

... und informieren sie sich mal genauer über das Thema, bei welchen Sie mitreden wollen.

HIER habe ich Jean Amery zitiert, und Amery hat eine sehr stringente Argumention seiner Ansichten dargelegt. Vielleicht machen sie sich mal die Mühe, und besorgen sich das Buch, und lesen es.

So, wie Sie bis jetzt "diskutiert" haben, meine ich nicht, dass es sehr viel Sinn macht, mit Ihnen "tiefer" zu gehen, obwohl ich dies gerne täte.

Diskutieren um des Diskutierens-Willen liegt mir nicht, und schon gar nicht, wenn Sie persönlich werden. - Sachlichkeit würde mir reichen.

Hinsichtlich des "freien Willens": Praktisch kann die Suizidprävention einen "Suizidanten" nicht "Entmündigen".
Philosophisch finde ich Amery argumentativ richtig.

YuandI
00
20.12.2011, 11:40
... Jean Amery schließt:

"Wer abspringt, ist nicht notwendigerweise dem Wahnsinn verfallen, ist nicht einmal unter allen Umständen "gestört" oder "verstört".
Der Hang zum Freitod ist keine Krankheit, von der man geheilt werden muss (oder kann ... meine Anmerkung) wie von den Masern ...

... DER FREITOD ist ein PRIVILEG des HUMANEN."

Aus Jean Amery`s Buch: Hand an sich legen - Diskurs über den Freitod

Fritz Meyer
00
20.12.2011, 10:27
Jaja, das Ideal der "Vierten Gewalt" steht wieder hoch im Kurs.

Aber nur deshalb, weil die Presse in Wahrheit fast nur noch die Meinung ihrer Eigentümer wiederspiegelt und für sie Agitation betreibt.

maria musica z
10
20.12.2011, 05:29
MEDIEN

Ja, der Werther hat tatsächlich eine große Anzahl von Menschen dazu ermutigt den Freitod zu wählen.
SCHRIFT/ BÜCHER HABEN EINE MACHT AUF UNS.

Diese Macht folgendermaßen nutzen: Ermutigt Menschen zur Zivilcourage; Lehrer sollen auf ihre Schüler gucken (stichwort Jugendselbstmord) Ja, die, die sich wirklich umbringen, kündigen es meistens nicht an, trotzdem- Wenn man 2. mal hinguckt sieht man wohl, wie gut oder schlecht es einem Menschen geht. Klärt auf, was ist für einen Lehrer/ einen Chef/ einen Bekannten zu tun, wenn er/sie merkt, dass einer seiner Mitarbeiter/ Freunde/ Schüler Suizidgefährdet ist. Hier kann man Gegenwirken. Nicht indem man Fakten (Vorgehen, Tatwaffe, Tatort) "nicht all zu genau" schildert.

Nathaniel Winerib
02
20.12.2011, 01:04

Ein Suizid ist fuer die Angehoerigen und Freunde moeglicherweise die schlimmste aller Todesarten. Zumindest entspricht dies meiner persoenlichen Erfahrung. Fuer den Betroffenen ist es aber unter Umstaenden in bestimmten Ausnahmesituationen die einzige Moeglichkeit die eigene Wuerde zu verteidigen. Das muss auch gesagt werden duerfen.

hoeschi
24
20.12.2011, 00:59

er schreibt, man soll nicht über Suizid in den Medien schreiben. Und schreibt darüber.

Pintinho
02
20.12.2011, 07:34

jedoch allgemein und nicht über einen konkreten fall.

hoeschi
11
20.12.2011, 09:48

"Viel Anlass zur Kritik bot auch der Tod von Ludwig Hirsch, der sehr detailliert ausgeschlachtet wurde. Der Suizid wurde primär mit seiner melancholischen Persönlichkeit und seiner schweren Krankheit in Zusammenhang gebracht" - nur um ein Beispiel zu nennen

Pintinho
00
20.12.2011, 12:57

Danach wird jedoch ausgiebig relativiert, was sonst ausbleibt.

In diesem Fall teile ich Ihre Sorge nach Unredlichkeit nicht, weil mir der Artikel um Reflexion bemüht erscheint.

Verstehe ansonsten sehr Ihre prinzipielle Skepsis, weil viele Medien tatsächlich an Hinterfotzigkeit kaum zu überbieten sind (erinnern Sie sich etwa an den Fall einer heimischen Illustrierten, die Kinderpornobilder ablichtete mit dem "empörten" Hinweis, dass exakt diese Bilder in den bösen anderen illustrierten abgebildet seien)?

hoeschi
00
20.12.2011, 13:06

wenn Menschen, die suicidgefährdet sind, relativieren könnten, würden sie in den meisten Fällen keinen Suicid begehen. Und erst recht nicht nach Lesens eines Zeitungsberichtes.

Pintinho
00
20.12.2011, 14:37

Wer weiß, ob nicht gerade dieser reflektierende Artikel + Relativierungen es sind, die jemanden davor abhalten, den Freitod zu wählen?

Pintinho
00
20.12.2011, 14:37

Wer weiß, ob nicht gerade dieser reflektierende Artikel + Relativierungen es sind, die jemanden davor abhalten, den Freitod zu wählen?

dritter.mann
 
21
19.12.2011, 22:34
Welch ein heuchlerischer und verlogener Appell!

Seit Jahr und Tag wird Journalisten unterstellt, allein durch die Berichterstattung einen Nachahmungseffekt a la "Werther" auszulösen. Exakte empirische Beweise dafür liegen nicht vor, proportional aber umgekehrt infolge späterer Untersuchungen das Berichterstattungsverbot über Selbstmorde in den Zeiten von Austrofaschismus und Nazidiktatur: Tausende, die sich infolge der Ausweglosigkeit umbrachten - und keiner durfte darüber je berichten.
Ich hielte es im Gegensatz zu Herrn Stein für sehr sinnvoll, den näheren Ursachen jedes Suizides auf den Grund zu gehen und darüber zu berichten. Wenn auch mit dem Zusatz für gefährdete Jugendliche: "Wart ab, das Beste im Leben kommt erst, auch wenn Du es heute noch nicht glaubst!"

knievel
00
20.12.2011, 09:41

"Wart ab, das Beste im Leben kommt erst, auch wenn Du es heute noch nicht glaubst"

warum sollte man junge leute belügen?

Tethys
00
20.12.2011, 09:38

"Wenn auch mit dem Zusatz für gefährdete Jugendliche: "Wart ab, das Beste im Leben kommt erst, auch wenn Du es heute noch nicht glaubst!""

Nett.

Aber im Falle einer schweren Depression nutzlos.

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